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Pressemitteilungen | Neuigkeiten

bis 17.10. indonesische Handschriften ausgestellt

Aus Anlass der Frankfurter Buchmesse mit Gastland Indonesien

Ausstellung "SchriftSprache. Aksara dan Bahasa"
Indonesische Handschriften der Staatsbibliothek zu Berlin - Preußischer Kulturbesitz

2. - 17. Oktober 2015
Staatsbibliothek zu Berlin - Preußischer Kulturbesitz
Haus Potsdamer Straße 33, 10785 Berlin
montags bis samstags, 10 - 19 Uhr


In der Ausstellung "SchriftSprache" - auf Indonesisch "Aksara dan Bahasa" - präsentieren die Staatsbibliothek zu Berlin 46 Handschriften und das Indonesische Nationalmuseum, Jakarta, 7 Repliken von Steininschriften. Besuchern wird das Schreiben auf Palmblättern vorgeführt, am Computer kann das Schreiben in Javanisch, Buginesisch, Batakisch und Arabisch ausprobiert werden.

Von den 700 Handschriften, die die Staatsbibliothek zu Berlin besitzt und die aus dem heutigen Gebiet der Republik Indonesien stammen, sind etwa die Hälfte auf Papier aus Baumbast oder auf Palmblättern, Baumrinden, Bambus und Metall geschrieben. Diese Beschreibstoffe, ihre Formen wie auch ihre Bindungen sind für europäische Betrachter optisch und haptisch außerordentlich faszinierend. Zudem erscheinen Betrachtern, denen die feste Verbindung einer Sprache mit einem zugehörigen Alphabet geläufig ist, die in den indonesischen Handschriften repräsentierten Kombinationen aus Sprachen und Schriftzeichen recht ungewöhnlich, etwa wenn ein javanischer Text sowohl mit arabischen wie auch mit lateinischen oder javanischen Buchstaben geschrieben ist.

Digital erschlossene indonesische Handschriften der Staatsbibliothek zu Berlin sind in der Datenbank www.orient-digital.de zu finden.

Honorarfreie Pressebilder


Die Buchkunst hat in Indonesien eine lange Tradition. So wurden, bevor der Buchdruck Verbreitung fand, seit Jahrhunderten vor allem jene Materialien zum Beschreiben genutzt, die in der Natur zu finden waren. Die Auswahl der gezeigten Handschriften vermittelt deshalb nicht nur einen Einblick in die verschiedenen Schrifttraditionen und Schriftzeichen Indonesiens, sondern darüber hinaus auch eine Übersicht über die Materialien, die als Beschreibstoffe dienten - neben europäischem Papier auch Papier aus Baumbast sowie Palmblätter, Baumrinde, Bambus und Metall. Malaiische und javanische Handschriften sind am häufigsten vertreten, da Werke in diesen Sprachen die wichtigsten und umfangreichsten Literaturen Indonesiens abbilden.

Während die Mehrzahl der Manuskripte für den alltäglichen Gebrauch bestimmt und daher einfach ausgestattet waren, werden in der Ausstellung auch zahlreiche Handschriften mit kostbaren Miniaturen und aufwändigen Illuminationen gezeigt.

Oft datieren indonesische Handschriften 'nur' in das 19. Jahrhundert zurück, denn die dortigen klimatischen wie auch die Nutzungs- und Aufbewahrungsbedingungen beschleunigen den Verfall der fragilen Beschreibstoffe. Vor diesem Hintergrund wirkt die Überlieferung von Handschriften aus früheren Jahrhunderten geradezu sensationell, einige davon sind in der Ausstellung zu sehen, etwa diese:


Die Nipah-Handschrift der Staatsbibliothek zu Berlin

In altjavanischer Kawi-Schrift wurde im Jahr 1407/1467 (Datierung je nach Lesung) auf Gebang-Palmblättern ein shivaitischer Text geschrieben. Dies ist eine der wenigen erhaltenen Nipah-Handschriften, weltweit sind nur wenige Dutzend überliefert, in Berlin ist dies die einzige. Diese Handschriften stellen den Übergang von Stein- und Metallinschriften zum portablen Schriftträger dar.

Der Text dieser Handschrift ist unikal, weltweit ist keine weitere Kopie bekannt. Es handelt sich um einen shivaitischen Text in Kawi-Schrift, auf Sanskrit mit altjavanischen Erläuterungen mit dem Titel Darma Pātañjala.

Die Aufbewahrung der Handschrift in dem hölzernen Kasten hat zwar den Verlust loser Teile verhindern können, da aber die Maße des Kastens zu knapp bemessen waren, litten die einzelnen Blätter bei jeder Bewegung. Zudem ist durch den Faden im Schnurloch in der Mitte der Blätter Feuchtigkeit eingedrungen und das Material an diesen Stellen spröde und brüchig geworden. Die einzelnen Palmblätter sind an diesen Stellen so destabilisiert, dass die Handschrift derzeit weder benutzt noch digitalisiert werden kann. Mit Fördermitteln der Koordinierungsstelle für die Erhaltung des schriftlichen Kulturguts (KEK) wird jetzt die grundlegende konservatorische Sicherung und die Neukonzeption der Aufbewahrung der Handschrift in Angriff genommen. Das neue Aufbewahrungskonzept wird die Nutzung des Originals ermöglichen, ohne dass das eigentliche Palmblatt angefasst werden muss.


Begleitveranstaltungen zur Ausstellung

Freitag, 2. Oktober 2015; 15 bis 19 Uhr
Schriftlichkeit & Sprache in indonesischen Handschriften
Moderatorin: Prof. Titik Pudjiastuti
Redner: Prof. Edwin Wieringa (Universität Köln)
Prof. Oman Fathurahman (Islamische Universität Jakarta)
Sugi Lanus (Jakarta)
In den Pausen traditionelle indonesische Musik

Montag, 5. Oktober 2015; 15 bis 19 Uhr
Literarische Schatzkammer Indonesien und indonesische Superhelden

Moderatorin: Lydia Kieven (Universität Frankfurt), Sonja Mohr (Universität Köln)
Redner: Henri Chambert-Loir (Französisches Orient-Institut)
Prof. Dr. I Made Bandem (Holy Cross, USA)
Dr. Rujaya Abhakorn (Regionalcenter für Archäologie und Kunst, Bangkok)
in den Pausen traditionelle indonesische Musik

Samstag, 10. Oktober 2015; 10 bis 14 Uhr
Lesung aus indonesischen Handschriften

Es lesen: Jennifer Lindsey (Monash University, Australien)
Elisabeth Inandiak (Frankreich)
In den Pausen traditioneller indonesischer Tanz

Alle Veranstaltungen finden im Simón-Bolívar-Saal der Staatsbibliothek zu Berlin, Haus Potsdamer Straße 33, statt.
Der Saal ist nicht barrierefrei zugänglich.
Eintritt frei, Anmeldung bitte unter orientabt@sbb.spk-berlin.de