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Musik

„Seid umschlungen, Millionen“ – Die Beethoven-Sammlung der SBB. Ein Projekt zur Tiefenerforschung, Digitalisierung und Präsentation im Vorfeld des Beethoven-Jubiläums 2020

Ludwig van Beethovens Geburtstag jährt sich im Jahr 2020 zum 250. Mal. Aus diesem Anlass werden Ausstellungen, Konzerte, Tagungen, Workshops und weitere Veranstaltungen in Deutschland und weltweit stattfinden. Beethovens Musik gehört zu den meistgespielten Werken klassischer Musik, gerade seine 9. Symphonie mit Textteilen aus Schillers "Ode an die Freude" hat als offizielle Hymne des Europarats sowie in der politisch-künstlerischen Umdichtung und Aufführung durch Leonard Bernstein - "Freiheit, schöner Götterfunken" im Finalsatz der Symphonie - im Jahr 1989 nach dem Berliner Mauerfall eine Geschichte, die auch in unserer Zeit fortgeschrieben wird. 

L. v. Beethoven, Fidelio - eine große Oper in 2 Aufzügen, [Titelblatt der Harmoniemusik in einer Bearbeitung für 9 Stimmen von Wenzl Sedlak], Wien Artaria [1814], Signatur: DMS 13509
L. v. Beethoven, Fidelio - eine große Oper in 2 Aufzügen, [Titelblatt der Harmoniemusik in einer Bearbeitung für 9 Stimmen von Wenzl Sedlak], Wien Artaria [1814], Signatur: DMS 13509

Unter den zahlreichen Gedächtnisinstitutionen, die sich im Beethoven-Jubiläumsjahr engagieren werden, ist auch die Musikabteilung der Staatsbibliothek zu Berlin, wo eine Ausstellung mit geschriebenen Objekten von seiner Hand, also Musikautographen, Skizzen, Konversationsheften, Briefen und Dokumenten geplant ist. Ergänzt wird diese Präsentation durch weitere Exponate wie Erst- und Frühdrucke von Beethovens Werken sowie Stiche und Porträts zum Leben des Wiener Klassikers. Die SBB verwahrt einen sehr umfangreichen Beethoven-Bestand, der aus mehr als 50% der erhaltenen Autographen besteht. Darunter finden sich die Klavierkonzerte Nr. 1, 2, 3 und 5, die Oper Fidelio, die Missa solemnis und die Sinfonien Nr. 4 und 5, umfangreiche Teile der 8., sowie die 9. Symphonie, die 2001 auf die Liste des Weltdokumentenerbes der UNESCO "Memory of the World" gesetzt worden ist. Beethoven hielt seine musikalischen Einfälle und Ideen in sogenannten Skizzenbüchern fest, die sich ebenfalls in Berlin erhalten haben - ein in der Musikgeschichte fast einmaliger Fall, denn in der Regel wurden Kompositionsskizzen nach Vollendung eines Werkes vernichtet oder sie haben sich aus anderen Gründen nicht über die Zeit erhalten. Diese Skizzenbücher erlauben in besonderer Weise den Einblick in die Arbeit Beethovens: Sie dokumentieren häufig früheste Stadien der Entstehung und der Progression eines musikalischen Gedankens sowie auch kompositorische Schwierigkeiten, die im Schaffensprozess auftraten.

Um nun die Vorbereitungen für das Jubiläum zu unterstützen, wird die SBB durch Projektmittel der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien (BKM) ihre Beethovenbestände online erschließen und digitalisieren. Bislang sind die Bestände in gedruckten Katalogen erfasst worden: 1970 erschien in der Musikabteilung der Deutschen Staatsbibliothek (Ost) zum letzten großen Beethoven-Jubiläum ein Band aller dort vorhandenen Beethoveniana (Eveline Bartlitz: Die (Ludwig van) Beethoven-Sammlung in der Musikabteilung der Deutschen Staatsbibliothek. Verzeichnis der Autographe, Abschriften, Dokumente, Briefe, Berlin 1970) und 1975 veröffentlichte die Schwesterabteilung der Staatsbibliothek Preußischer Kulturbesitz (West) den entsprechenden Band in ihrer Katalogreihe (Hans-Günter Klein: Ludwig van Beethoven. Autographe und Abschriften. Katalog, Berlin 1975 (Staatsbibliothek Preußischer Kulturbesitz, Kataloge der Musikabteilung, Erste Reihe: Handschriften, 2).

L. v. Beethoven, Skizzenblatt (u. a. mit einer Fassung des Liedes „An die Geliebte“ WoO 140), Signatur: Mus.ms.autogr. Beethoven, L. v., Grasnick 20a
L. v. Beethoven, Skizzenblatt (u. a. mit einer Fassung des Liedes „An die Geliebte“ WoO 140), Signatur: Mus.ms.autogr. Beethoven, L. v., Grasnick 20a

Im Lauf des Projekts werden Musik-Autographen und Skizzenbücher in der Datenbank RISM erfasst, Briefe des Komponisten sowie persönliche Dokumente und die für die biographische Forschung bedeutsamen 137 Konversationshefte - zwei weitere werden im Beethoven-Haus in Bonn verwahrt - werden in Kalliope erschlossen. Die Eintragungen darin stammen überwiegend nicht von Beethoven, waren jedoch für die Kommunikation mit dem ab etwa 1819 vollkommen ertaubten Komponisten notwendig. Nach Abschluss des Projektes werden etwa 17.500 Seiten an autographen Werken Ludwig van Beethovens im Internet recherchierbar sein. In den Digitalisierten Sammlungen der SBB können sie kostenfrei eingesehen werden. In Eigenleistung wird bis zum Beethoven-Jubiläum mit etwa 1.000 Titeln auch eine der weltweit vollständigsten Sammlungen an Beethoven-Erst- und Frühdrucken (bis etwa 1830) im OPAC der SBB katalogisiert sein.

Aufgrund der besonderen Bedeutung der Autographen für die musikwissenschaftliche Erforschung werden im Projekt gerade die Papiermerkmale eine besondere Rolle spielen: Die Wasserzeichen der Papiere werden mithilfe der modernen Technologie der Thermographie digital erfasst und in der Spezialdatenbank "Wasserzeichen-Informationssystem" des Landesarchivs Baden-Württemberg im Internet zur Verfügung gestellt. Für die Abnahme und Bearbeitung von Wasserzeichen in Musikautographen gibt es in der SBB bewährte Verfahren, die in den ebenfalls von BKM geförderten Projekt "Bachs Werkautographen" sowie im DFG-Projekt "Kompetenzzentrum Forschung und Information Musik = KoFIM Berlin" erprobt worden sind.

Ziel des Projektes ist es, die außerordentlich wertvollen und für die Musikwissenschaft zentralen Bestände mit tieferschließenden Katalogisaten im Internet zur Verfügung zu stellen. Gleichzeitig werden wichtige Beethoven-Bestände für die Ausstellung im Jubiläumsjahr 2020 vorbereitet. Diese Ausstellung, die mit einer vom Beethoven-Haus und der Bundeskunsthalle Bonn geplanten Ausstellung korrespondiert, ist die erste Präsentation der Beethoven-Materialien der Staatsbibliothek zu Berlin seit der Wiedervereinigung. Somit können in wenigen Jahren beim großen Beethoven-Jubiläum die ehemals auf die Deutsche Staatsbibliothek und die Staatsbibliothek Preußischer Kulturbesitz verteilten Bestände gemeinsam präsentiert werden.