Handschriften
Zentrum Handschriftenkatalogisierung (Katalogisierung der Bestände anderer Institutionen und des Eigenbestandes mit Fremdmitteln/DFG) - laufende Projekte
Katalogisierung der mittelalterlichen Handschriften der Signaturengruppe B und C der Universitäts- und Landesbibliothek Düsseldorf
Ziel des Projekts ist die Tiefenerschließung der rund 300 mittelalterlichen Handschriften der ULB Düsseldorf. Die Signaturengruppen B (theologische Handschriften) und C (hagiographische und liturgische Handschriften sowie geistliche Ordenssachen) enthalten Handschriften des 9. bis 16. Jh.s, die in der Regel als Säkularisationsgut aus rechtsrheinischen Klöstern bzw. Konventen nach Düsseldorf gekommen sind. Ein großer Teil der Handschriften stammt aus den Kreuzherrenkonventen Marienfrede und Düsseldorf. Von den übrigen Provenienzen hervorzuheben sind das Kanonissenstift Essen und die Zisterzienserabtei Altenberg, aus denen die ältesten und bedeutendsten Handschriften des Bestandes stammen.
Die Katalogisierung der Signaturengruppe B ist bereits abgeschlossen. Der erste Katalogband erschien im Jahr 2005 (Die mittelalterlichen Handschriften der Signaturengruppe B in der Universitäts- und Landesbibliothek Düsseldorf externer Link. Teil 1: Ms. B 1 bis B 100. Beschrieben von Eef Overgaauw, Joachim Ott und Gerhard Karpp, Wiesbaden 2005 [Universitäts- und Landesbibliothek Düsseldorf: Kataloge der Handschriftenabteilung 1]). Die Handschriften Ms. B 101a bis Ms. B 214, die von Joachim Ott und Agata Mazurek erschlossen wurden, werden im zweiten Katalogband präsentiert, der voraussichtlich im Jahr 2009 erscheinen wird. In der derzeit laufenden Projektphase werden die 96 Handschriften der Signaturengruppe C bearbeitet.
Da die gedruckten Katalogbände keine Abbildungen enthalten, ist die Einbindung ausgewählten Bildmaterials in die Datenbank "Manuscripta Mediaevalia" geplant, in der in Zukunft die Katalogdaten recherchierbar sein werden. Für Anfragen zu den noch nicht veröffentlichten Katalogisaten steht die zuständige Bearbeiterin gerne zur Verfügung.
Verantwortliche Bearbeiterin: Agata Mazurek
Wiss. Hilfskraft: Kristina Stöbener
Beschreibende Kataloge der Manuscripta theologica latina in octavo der Staatsbibliothek zu Berlin, Preußischer Kulturbesitz
In dem Projekt wird der nicht durch V. Roses Katalog der "Codices electorales" erfasste Bestand dieser Signaturengruppe entsprechend den DFG-Richtlinien erschlossen. Im 1. Teilband, der im Sommer 2007 erschienen ist, werden Erwerbungen aus den Jahren 1826-1886 beschrieben (Ms. theol. lat. oct. 66-125) - häufig Säkularisationsgut, das zuvor durch die Hände von Sammlern und/oder Antiquaren gegangen war. Bemerkenswert ist die zeitliche Spanne vom 9. bis zum frühen 19. Jh. und die geographische Streuung von Vadstena bis Oberitalien, von Spanien bis Kuronowo (Polen) mit nicht unerheblichen volkssprachlichen Anteilen u.a. in Altschwedisch, Mittelhochdeutsch, Mittelniederländisch, Kastilisch. Die häufig für die private Frömmigkeit genutzten Stücke eröffnen in vielen Fällen den Blick auf bisher wenig bekannte Provenienzen, so dass den historischen Zusammenhängen besondere Aufmerksamkeit zuteil werden muss. In der 2. Projektphase werden seit dem 1.1.2003 die restlichen 63 Bände (126-189) bearbeitet.
Verantwortliche Bearbeiterin: Dr. Beate Braun-Niehr
Katalogisierung der Handschriftenbestände der Universitäts- und Landesbibliothek Bonn
Seit 1. Februar 2007 werden am Katalogisierungszentrum der Staatsbibliothek zu Berlin - Preußischer Kulturbesitz die mittelalterlichen Handschriften der Universitäts- und Landesbibliothek [ULB] Bonn erschlossen. Das Projekt ist auf fünf Jahre angelegt. Die 172 Handschriften in 177 Bänden werden teils in Form einer verkürzten Beschreibung nach dem Modell des Greifswalder Handschriftenprojekts (100 Handschriften in 104 Bänden), teils in klassischer Tiefe nach den "Richtlinien Handschriftenkatalogisierung" der DFG (72 Handschriften in 73 Bänden) erschlossen. Die Beschreibung erfolgt direkt in das Bearbeitungsmodul ManuscriptumXML der Handschriftendatenbank Manuscripta Mediaevalia. Geplant ist eine Veröffentlichung über einen gedruckten Katalog sowie über Manuscripta Mediaevalia, dort mit Verknüpfung aller Katalogisate mit repräsentativen Digitalisaten in Farbe.
Über die Hälfte der Handschriften der ULB Bonn stammen aus dem Spätmittelalter, d.h. aus dem 14. bis 16. Jahrhundert, aber es sind auch einige Fragmente des 9. bis 11. Jahrhunderts vertreten, ferner eine vollständige Handschrift des 11. Jahrhunderts sowie fünf Codices aus dem 12. und immerhin 14 aus dem 13. Jahrhundert. Die meisten Handschriften sind am Mittel- und Niederrhein entstanden (darunter zahlreiche in Köln), aber auch in Westfalen, in den Niederlanden und im heutigen Belgien und Nordfrankreich. Die Spuren der Französischen Revolution und die politische Neuordnung Europas nach 1815 haben sich in den Bibliotheksbeständen der 1818 gegründeten Universität Bonn deutlich niedergeschlagen, auch in den Provenienzen ihrer mittelalterlichen Handschriften. Fast fünfzig Codices kamen nach ihrer zwischenzeitlichen Konfiskation durch die Franzosen 1819 aus der Bibliothèque Nationale Paris nach Bonn (darunter 13 Handschriften aus dem Benediktinerkloster Maria Laach und sieben Handschriften aus dem Augustiner-Chorherrenstift Eberhardsklausen bei Trier), etwas mehr stammen aus Beständen der Gymnasialbibliothek Koblenz (u.a. 14 Handschriften aus dem dortigen Augustiner-Chorherrenkloster Niederwerth sowie 10 aus dem Franziskaner- und drei aus dem Dominikanerkloster), 16 Codices aus der Alten Universität in Duisburg (darunter mehrere Klassikerhandschriften) sowie sieben Handschriften aus der Königlichen Landesbibliothek Düsseldorf (u.a. vier Handschriften aus dem Zisterzienserkloster Altenberg). Bemerkenswert sind ferner fünf Codices aus dem Benediktinerkloster Werden bei Essen sowie elf Handschriften aus dem Vorbesitz des englischen Bibliophilen Sir Thomas Phillipps. Leider sind im zweiten Weltkrieg 34 mittelalterliche Handschriftenbände verloren gegangen.
Herausragende Handschriften des Bestandes sind Fragmente einer in Tours entstandenen Bibel, einer kommentierten Handschrift von Vergils "Aeneis" sowie einer Beda-Handschrift, alle in der ersten Hälfte des 9. Jahrhunderts entstanden (S 1688, S 476vv, S 476yy), Fragmente einer in der ersten Hälfte des 10. Jahrhunderts geschriebenen Handschrift des althochdeutschen "Evangelienbuchs" von Otfrid von Weißenburg (S 499), ein vor 1083 vermutlich in St. Maximin in Trier entstandenes Klosterschulbuch mit althochdeutschen Glossen (S 218), das vermutlich älteste erhaltene Beutelbuch aus der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts mit kommentierten Psalmen (S 268), ein prachtvoll illuminierter, 1286 in Amiens entstandener Riesencodex mit dem altfranzösischen "Lancelot en prose" (S 526), ein ebenso herausragend illuminiertes, 1299 in Köln für Johann von Valkenburg gefertigtes "Graduale" (S 384), zwei in der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts am Oberrhein entstandene Codices mit dem "Willehalm" und "Barlaam und Josaphat" von Rudolf von Ems (S 501, S 502) sowie eine um 1450 bei Diepolt Lauber in Hagenau geschriebene und bebilderte Abschrift des "Karl" vom Stricker (S 500).
Verantwortlicher Bearbeiter: Dr. Jürgen Geiß
Erstellung eines Census der mittelalterlichen und frühneuzeitlichen Handschriften in lateinischer Schrift der Russischen Staatsbibliothek Moskau
Ziel des Projekts, das von der Staatsbibliothek zu Berlin Preußischer Kulturbesitz (SBB) und der Universität Freiburg gemeinsam mit der Russischen Staatsbibliothek in Moskau (RSB) mit Unterstützung der DFG auf den Weg gebracht wurde, ist die arbeitsteilige Erschließung von 180 Handschriften lateinischer Schrift aus der RSB. Die Aufgabe der in Moskau tätigen Bearbeiterin besteht in der Autopsie der Originale auf ihre äußeren Merkmale und der Rekonstruktion der jüngeren Besitzgeschichte in Russland, insbesondere unter Einbeziehung der Dokumentation aus den Archiven der RSB. Die Aufgabe der in Berlin tätigen Bearbeiterin liegt in der Rekonstruktion der älteren Überlieferungs- und Besitzgeschichte sowie der Identifizierung von Autoren und Werken. Die gemeinsam zu ermittelnde Nahtstelle bildet der Übergang der Handschriften an russische Vorbesitzer.
Die Erfassung der Beschreibungen geschieht mit Hilfe der Katalogisierungssoftware MXML. Erste Arbeitsergebnisse und bis zu fünf Digitalisate jeder Handschrift werden im Sommer 2010 über "Manuscripta mediaevalia" im Internet der Öffentlichkeit zugänglich gemacht und danach - zeitnahe zur Erstellung - regelmäßig ergänzt werden. Das Projekt soll durch die Erstellung eines gedruckten wissenschaftlichen Katalogs in Deutsch und Russisch im Jahr 2011/12 abgeschlossen werden.
Der Schwerpunkt der Erschließung liegt auf Handschriften, die von 1100 bis 1700 entstanden sind. Hinzu kommen einige jüngere Abschriften älterer Stücke, die besonders bedeutend erscheinen (vor allem von Handschriften mit deutschen Provenienzen oder mit Aussagen zur russischen Geschichte aus westlicher Perspektive). Der bisher durch die Bearbeiterinnen abgesteckte Handschriftenbestand umfasst vor allem Liturgica und Theologica französischer, flämischer, italienischer und deutscher Provenienz. Hierher gehören etwa eine Handschrift mit liturgischen Texten zu Willigis von Mainz aus dem 12. Jh. sowie zwei Pariser Bibeln aus dem frühen 13. Jh. Weitere Manuskripte, die nicht zuletzt den Deutschen Orden und das frühneuzeitliche Preußen betreffen, kommen aus dem südlichen Ostseeraum und beinhalten Texte und Dokumente aus den Bereichen Historiographie, Recht und Verwaltung. Prominente Einzelstücke stammen von klassischen oder humanistischen Autoren oder von Überlieferungszeugen aus Reformation und Gegenreformation.
Verantwortliche Bearbeiterinnen:
Dr. Daria Barow-Vassilevitch (Moskau)
PD Dr. Marie-Luise Heckmann (Berlin)
The digitization and cataloguing of Medieval and Early Modern manuscripts in German at the Beinecke Library (Yale University, USA)
Seit August 2010 werden am Handschriftenzentrum der Staatsbibliothek zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz die mittelalterlichen und frühneuzeitlichen deutschsprachigen Handschriften der Beinecke Library (Yale University, USA) katalogisiert. Das Projekt ist eine Kooperation zwischen der Staatsbibliothek zu Berlin und der Beinecke Library und wird von dieser und der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) gefördert. Insgesamt werden 55 Handschriften und 10 Fragmente bearbeitet. Ein Teil der Handschriften ist bereits durch Handschriftenkataloge der Beinecke Library erschlossen. Ziel des Projekts ist es, die bereits bestehenden Beschreibungen durch Überführung in Manuscripta Mediaevalia recherchierbar zu machen. Mit Zustimmung der Beinecke Library werden die Beschreibungen korrigiert (z. B. Verlesungen), überarbeitet und aktualisiert. Des Weiteren werden die 18 noch unbearbeiteten Handschriften erstmals katalogisiert und die Beschreibungen in Manuscripta Mediaevalia veröffentlicht. Parallel werden alle Handschriften vollständig von der Beinecke Library digitalisiert und anschießend mit den Katalogdaten in Manuscripta Mediaevalia verknüpft.
Die deutschsprachigen Handschriften der Beinecke Library stellen ein heterogenes Provenienzgefüge dar. Der überwiegende Teil der Handschriften wurde im 20. Jh. durch Ankauf erworben, so auch die Sammlung Marston. Einige Bände gelangten durch Schenkung in die Beinecke Library. Dies betrifft die Sammlung Mellon, die sich überwiegend aus alchemistischen Handschriften zusammensetzt. Über die Hälfte der Handschriften entstammen dem 15. Jh. Zehn Handschriften sind ins 16. Jh., fünf ins 14. Jh. und eine ins 17. Jh. zu datieren. Ein Bibelfragment stammt aus dem 8. Jh., eine Pergamentrolle aus dem 13. Jh. und die Fragmente aus dem 12.–14. Jh. Die meisten Handschriften sind in Süddeutschland entstanden, doch finden sich als Provenienzen auch Italien, Frankreich, Dänemark, die Niederlande, Flandern, Böhmen, Köln und Usedom.
Die deutschsprachigen Handschriften der Beinecke Library haben ihren inhaltlichen Schwerpunkt in den Bereichen Theologie, Liturgie, Erbauungsliteratur, Alchemie und Medizin. Neben Urkunden, Chroniken, einem illustrierten Kunstbuch und hagiographischen Texten finden sich u. a. auch ein „Wigalois“- und ein „Willehalm“-Fragment.
Verantwortliche Bearbeiterin:
Kristina Stöbener
Katalogisierung der lateinischen Handschriften der Stadtbibliothek Trier aus Eberhardsklausen, Band 2
Zum Bestand der Bibliothek des 1456 gegründeten und 1802 aufgehobenen Augustiner-Chorherrenstifts Eberhardsklausen nahe Trier gehörten ca. 200 Handschriften, die ganz überwiegend in der zweiten Hälfte des 15. und zu Beginn des 16. Jhs. entstanden. Sie werden heute bis auf wenige Ausnahmen in der Stadtbibliothek Trier aufbewahrt.
Nachdem Betty C. Bushey 1996 in ihrem Katalog der deutschsprachigen und niederländischen Handschriften der Stadtbibliothek Trier Beschreibungen von 16 Eberhardsklausener Codices vorgelegt hatte, beschrieben Kurt Heydeck und Guiliano Staccioli in einem ersten, 2007 erschienen Teilband 69 lateinische Handschriften aus dem Chorherrenstift. Diese Erschließung der lateinischen Handschriften aus Eberhardsklausen wird dank der Förderung durch die DFG seit dem 1. Januar 2009 im Handschriftenkatalogisierungszentrum der Berliner Staatsbibliothek fortgesetzt.
Im Mittelpunkt des Projektes, das auf fünf Jahre angelegt ist, steht die Erschließung der restlichen 113 Handschriften der Stadtbibliothek aus Eberhardsklausen, darunter vor allem aszetische, homiletische und hagiographische Handschriften. Ziel des Projektes ist ein gedruckter Katalogband. Soweit vorläufig fertiggestellt, werden die Beschreibungen aber schon vorab in Manuscripta mediaevalia im Rahmen der Projektvorstellung präsentiert werden.
Verantwortliche Bearbeiterin:
Anne-Beate Riecke

