Musik

Neuerwerbungen

Ein Brief von Frédéric Chopin

Brief von Frédéric Chopin an Camille Pleyel, Mai 1842 (Mus.ep. Chopin, F. 2)
Brief von Frédéric Chopin an Camille Pleyel, 1842 (Mus.ep. Chopin, F. 2)

Die Staatsbibliothek erwarb für ihre Musiksammlung einen eigenhändig handschriftlichen und auch signierten Brief von Frédéric Chopin an seinen engen Freund, den Klavierbauer Camille Pleyel in Paris. Der Brief in französischer Sprache entstand auf dem Landgut von George Sand in Nohant im Departement Indre, 300 Kilometer südlich von Paris, Mitte Mai 1842. Chopin teilt u.a. mit, daß er soeben ein von Pleyel produziertes Klavier erhalten habe, doch habe er bislang noch gar nicht auf ihm gespielt, denn das Wetter sei so angenehm, daß er sich meistenteils im Freien aufhalte. Jener Sommer des Jahres 1842, den Chopin teilweise zusammen mit Eugène Delacroix verbrachte, war für sein kompositorisches Schaffen von besonderer Bedeutung. - Im Bibliotheksmagazin 3/2012 wird sich ein eigener Bericht des Briefes widmen.


Nachlass des Harfenisten Franz Poenitz als Geschenk

1. Seite der Ouvertüre "Aus Weimars lustiger Zeit", Komische Oper in 1 Akt, Libretto: Franz Mahler; unveröffentlicht
Trinklied im May

Die Urenkel des Harfenisten und Komponisten Franz Poenitz (1850-1912) schenkten der Staatsbibliothek zu Berlin den Nachlass des Künstlers, der fast 50 Jahre lang der Königlichen Hofkapelle Berlin als 1. Harfenist angehörte.
Der Todestag Poenitz’ jährt sich am 19. März zum 100. Mal.

Im Rahmen eines von Mitgliedern der Staatskapelle Berlin am 15. Januar im Bode-Museum ausgerichteten Brunch-Konzerts überreichte Herr Andreas Fischer, einer von Poenitz' Urenkeln, Generaldirektorin Barbara Schneider-Kempf einen ersten Teil des Nachlasses. Es handelt sich hierbei um fast 30 Kilogramm Musikautographe, Notendrucke sowie Klavier-Auszüge, einige mit originaler Unterschrift Richard Wagners. Im Lauf des Jahres folgen weitere Stücke des Nachlasses wie historische Fotos, Programmzettel, Zeitungsartikel, Korrespondenz, Gemälde und andere Lebenszeugnisse des Künstlers; diese Dokumente werden zuvor während der Jahrestagung des Verbandes deutscher Harfenisten am 1. Mai 2012 in Magdeburg ausgestellt. 

Der als Wunderkind gefeierte Franz Poenitz trat bereits mit sechs Jahren in Konzerten in Dänemark und Schweden auf. Nach einer gründlichen Ausbildung als Harfenist und Komponist gehörte er schon mit 16 Jahren der Königlichen Hofkapelle der Oper als Kammermusiker bzw. Kammervirtuose an und blieb dieser bis zu seinem Tod fast 50 Jahre lang treu.
1876 gehörte er zu den ersten Bayreuther Sieben, der Harfenistengruppe an Richard Wagners Festspieltheater.

Seine von der Besetzung her größte Komposition ist Vineta, op. 74, eine Phantasie für große Orchester mit obligater Harfe, die 1911 unter Richard Strauß uraufgeführt wurde.
Überwiegend komponierte Franz Poenitz Lieder und Kammermusik sowie Werke für eine und zwei Harfen. Virtuos auch auf dem Harmonium, stellte er dieses Instrument dem Berliner Publikum 1893 in einem ersten Harmoniumkonzert vor, für das er von der Öffentlichkeit mit viel Lob bedacht wurde.

Pressemitteilung
Franz Poenitz


Alexander Mendelssohns Sanssouci: Die „Villa Sorgenfrei“ in Charlottenburg

Carl Steffeck: Die Villa Sorgenfrei, Ölgemälde, um 1845 (MA BA 542)

Das Bankhaus Mendelssohn gehörte im 19. und frühen 20. Jahrhundert zu den führenden Privatbanken in Berlin. Der langjährige Bankchef Alexander Mendelssohn (1798-1871), Sohn des Bankgründers Joseph und Cousin der Komponisten-Geschwister Fanny Hensel und Felix Mendelssohn Bartholdy, erwarb Anfang der 1840er Jahre die Villa Sorgenfrei in Charlottenburg als Sommerfrische für sich und seine Familie. Kurz danach gab er bei dem Berliner Pferdemaler Carl Steffeck ein Bild in Auftrag, das die Gartenfront der Villa und im Vordergrund ein edles Reitpferd zeigt, das der Stallknecht offenbar für den Ausritt des Herrn Bankier bereithält. Da das Gebäude 1881 für einen Neubau abgerissen wurde, ist dieses Bild ein herausragendes Dokument für die bürgerliche Lebenskultur der Familie Mendelssohn um die Mitte des 19. Jahrhunderts. Dank großzügiger Unterstützung durch die Kulturstiftung der Länder konnte es im Jahr 2011 für die Musikabteilung mit Mendelssohn-Archiv erworben werden. Vom 24. Januar bis zum 1. Juli 2012 wird das Gemälde als Leihgabe im Museum Charlottenburg-Wilmersdorf in der Ausstellung "Sorgenfrei - Die Familien Mendelssohn und Oppenheim in Charlottenburg" gezeigt.


145 Bülow-Briefe

Hans Guido Freiherr von Bülow, Wien, um 1870, Copyright: bpk / Fritz Luckhardt

Die Staatsbibliothek zu Berlin konnte zur Ergänzung des Nachlasses des Pianisten und Dirigenten Hans von Bülow 145 Briefe von seiner Hand erwerben, die bei der Frühjahrsauktion von Stargardt unter den Hammer kamen. 103 dieser Briefe richtete Bülow (1830-1894) an seine Mutter, weitere Briefe sind an seinen Vater, seine Schwester Isidora und seinen Schwager Viktor von Bojanowski adressiert. Er verfasste die Briefe, die über 550 beschriebene Seiten umfassen, in den Jahren 1850 bis 1884. Für die Musikwissenschaft stellen die Briefe einen wahren Schatz dar, insbesondere da zwei Drittel davon unveröffentlicht sind. - In der Musikabteilung wird der Nachlass Bülows verwahrt und, wann immer möglich, erweitert. Derzeit umfasst er 50 Kästen und zählt damit zu den umfangreichen Nachlässen.


Teilnachlass Wilhelm Furtwängler

Büste Wilhelm Furtwänglers

Im Frühjahr 2011 erhielt die Musikabteilung aus Privatbesitz wertvolle Dokumente als Ergänzung zum Nachlass des Dirigenten und Komponisten Wilhelm Furtwängler. Darunter befinden sich zahlreiche Privatfotos von Furtwängler und seiner ersten Frau Zitla Furtwängler-Lund, Ausweisdokumente und ein Kalender des Dirigenten.

Eine Gipsbüste Furtwänglers wurde der SBB ebenfalls überlassen, die als Vorlage für einen Bronzeabguss diente, der in der alten Berliner Philharmonie stand. Diese Bronzebüste scheint im Zweiten Weltkrieg verloren gegangen zu sein, weshalb die Gipsbüste nun eine Rarität darstellt. Sie stammt von dem dänischen Künstler Gustav Adolf Hedblom und entstand im Jahr 1933.


Mendelssohns Obstkorb

Bild zeigt: F. Mendelssohn Bartholdy: Illustriertes Albumblatt, 1846 (55 Ep 1456)

Felix Mendelssohn Bartholdy war nicht nur einer der herausragenden Komponisten seiner Zeit, sondern hatte auch ein beachtliches zeichnerisches Talent. Diesem Talent verdanken wir nicht nur zahlreiche Zeichnungen, auf denen er Stationen seiner Reisen festhielt (vgl. beispielsweise das Schweizer Skizzenbuch von 1842), sondern auch etliche kleinere Illustrationen. Bei Christie’s in London konnte die Musikabteilung vor kurzem ein illustriertes Albumblatt Mendelssohns aus dem Oktober 1846 erwerben, das einen reich gefüllten Obstkorb, darunter ein Notenzitat aus dem 2. Akt von Beethovens „Fidelio“ mit dem Text „O Dank, Ihr habt uns sehr erquickt“ und schließlich die Worte „das wiederholt die ganze Familie von Felix Mendelssohn Bartholdy“ zeigt. Anzunehmen ist demnach, dass Mendelssohn sich mit diesem Blatt bei einem Freund für die genossene Gastfreundschaft bedankte; für wen das Albumblatt bestimmt war, ist jedoch unbekannt.


Aquarell von Fanny Hensels Musikzimmer

Bild zeigt: Julius Eduard Wilhelm Helfft: Musikzimmer der Fanny Hensel, Aquarell, 1849 (55 P 111)

Die Musikabteilung konnte im Juni 2010 ein Original-Aquarell von Julius Eduard Wilhelm Helfft mit der Darstellung des Musikzimmers der Fanny Hensel erwerben. Der Ankauf erfolgte über das Berliner Musikantiquariat Dr. Werner Greve und wurde durch die großzügige Unterstützung der Hermann Reemtsma-Stiftung ermöglicht. Das 1849 entstandene Bild zeigt den legendären Ort der „Sonntagsmusiken“ Fanny Hensels in der Leipziger Straße 3 in Berlin mit dem großen Flügel, dem Notenständer sowie zahlreichen Gemälden an den Wänden.


Autograph von Felix Mendelssohn Bartholdy

Der Staatsbibliothek zu Berlin gelang es, ein bedeutendes Autograph von Felix Mendelssohn Bartholdy zu erwerben. Er schrieb im Frühjahr 1837 seine vier Quartette für Männerstimmen a cappella „Trinklied, Wasserfahrt, Sommerlied und Dreistigkeit“ ab; die Texte dazu stammen von Goethe und Heine. Während die ersten drei Quartette 1840 und postum 1849 gedruckt worden sind, handelt es sich beim Lied „Dreistigkeit“ um eine Fassung, die bislang unveröffentlicht geblieben ist. Der Ankauf ergänzt die Mendelssohn-Sammlungen der Bibliothek auf das Beste, ergeben sich doch zu bereits im Bestand vorhandenen Versionen dieser Lieder nun Vergleichsmöglichkeiten für die Forschung.

Weitere Informationen


Lautensuite von Johann Sebastian Bach

Der Staatsbibliothek zu Berlin - Preußischer Kulturbesitz gelang es, aus Privatbesitz eine bedeu­tende Abschrift eines Werkes von Johann Sebastian Bach aus dem Jahr 1725 erwerben. Bachs Autograph der Lautensuite e-Moll BWV 996 ist nicht erhalten, so dass der Abschrift von der Hand Nikolaus Heinrich Gerbers, eines Schülers Bachs in Leipzig, die Bedeutung der Primärquelle zukommt. Die Erwerbung wurde von der KulturStiftung der Länder mitfinanziert.

Bild zeigt: J. S. Bach, Lautensuite e-Moll (BWV 996), 1. Seite, Abschrift (55 MS 10149)

Nikolaus Heinrich Gerber gilt als äußerst zuverlässig, weshalb diese Abschrift aufgrund ihrer Quellentreue für die Bach-Forschung von sehr hohem Wert ist. Die Handschrift - bisher als die verloren geglaubte „Quelle B“ bezeichnet - hat einen sehr guten Erhaltungszustand. Volldigitalisat

Da sich die Abschrift bis vor kurzem in Privatbesitz befand, konnte sie für die vom Johann-Sebastian-Bach-Institut in Göttingen und vom Bach-Archiv Leipzig besorgte Neuedition der Werke Johann Sebastian Bachs in der Neuen Bachausgabe nicht berücksichtigt werden. Umso bedeutender ist es, die Komposition der Lautensuite jetzt für die Wissenschaft zur Verfügung zu stellen. In der Berliner Bach-Sammlung befindet sich auch die zweite erhaltene Abschrift der Suite, gefertigt von Johann Gottfried Walther.

Für die Bach-Forschung besteht in der Musikabteilung der Staatsbibliothek zu Berlin eine ideale Umgebung: 
Die soeben erworbene Abschrift reiht sich in die weltweit größte Sammlung mit Werken Johann Sebastian Bachs ein. Rund 80% aller Autographe des Meisters werden hier aufbewahrt. Ergänzt werden diese Originalquellen durch einen umfangreichen Bestand an frühen Abschriften der Werke Bachs sowie durch Autographen und Abschriften von Werken seiner komponierenden Söhne Wilhelm Friedemann, Carl Philipp Emanuel, Johann Christoph Friedrich und Johann Christian.

Präsentation der Lautensuite mit Konzert im SIM am 11. Oktober 2009, 11 Uhr in der Reihe Alte Musik live, nähere Informationen hier.


Carl Maria von Weber: Aufforderung zum Tanze

Zu den bekanntesten, im besten Sinne populären Kompositionen Carl Maria von Webers gehört neben seinem Freischütz auch die Aufforderung zum Tanze op. 65. Das 1819 entstandene Klavierstück, das der Komponist seiner Frau Caroline widmete, ist, abgesehen von dem im August 1821 bei Schlesinger in Berlin publizierten Erstdruck, in drei authentischen Quellen überliefert: neben dem autographen Entwurf vom 23. Juli 1819 (Staatsbibliothek zu Berlin) und der autographen Reinschrift vom 28. Juli 1819 (New York, Pierpont Morgan Library) befand sich in Privatbesitz noch eine Widmungskopie, die Weber 1820 Fanny von Egloffstein geschenkt hatte - diese Handschrift konnte nun dank der Vermittlung des New Yorker Antiquariats Lion Heart Autographs für die Weber-Kollektion der Berliner Staatsbibliothek erworben werden.

Bild zeigt: C. M. von Weber, Aufforderung zum Tanze, Abschrift (55 MS 175)

Die gräfliche Familie von Egloffstein aus Lamgarben (bei Schippenbeil in Ostpreußen) war gegen Ende des Jahres 1819 nach Dresden gezogen; am 5. Dezember 1819 sind erste Kontakte zu Weber in dessen Tagebuch bezeugt. Nachdem die Comtesse Egloffstein Weber am 7. Dezember erstmals vorgespielt hatte, ist am 31. Dezember 1819 ihre erste Lektion nachweisbar; es folgten bis zum 5. Juni 1820 in dichter Folge weitere 85 Unterrichtseinheiten, die trotz des Todes des Grafen Egloffstein Ende Januar 1820 keine nennenswerte Unterbrechung erfuhren. Erst Fannys Verlobung mit Ernst von Mangoldt im Mai und die nachfolgende Abreise der Familie aus Dresden beendeten die Ausbildung (das letzte Treffen notierte Weber in seinem Tagebuch am 25. Juli 1820).
Webers Abschiedsgeschenk für seine Schülerin war eine Abschrift seiner im Juli 1819 vollendeten Klavierkomposition Aufforderung zum Tanze, die er von einem seiner Hauptkopisten (Johann Gottlieb Lauterbach) abschreiben ließ und am 11. Juni 1820 mit folgender Widmung versah: „Seiner lieben, fleißigen und talentvollen Schülerin, Comtesse Fanny v. Egloffstein. Carl Marie von Weber“.

Erstaunlich an diesem Manuskript: Während Weber üblicherweise Widmungskopien kaum einer eingehenden Durchsicht für würdig befand, blieb in der 12-seitigen Abschrift keine Seite unkorrigiert. Webers Eintragungen betreffen die Artikulation, Bogensetzung, Dynamik und verbale Interpretationsanweisungen; die Schriftanteile des Komponisten reichen von der fast komplett eigenhändigen Titelseite bis hin zu ergänzten Punkten, Strichen, Akzenten und Bögen, die nur mittels der Tintenfarbe als autographe Zusätze erkennbar sind. Vergleichbar umfangreiche und substantielle Korrekturen finden sich sonst bestenfalls in Stichvorlagen (jene zur Aufforderung zum Tanze ist allerdings verschollen). Besonders interessant ist, dass die Auszeichnungen in vielen Details von dem durch Weber redigierten Erstdruck abweichen (Fahnenkorrekturen sind für die erste Juli-Hälfte 1821 bezeugt) - der Vergleich verdeutlicht eine erstaunliche vom Komponisten legitimierte Varianz dieser sekundären Parameter des Notentextes selbst in zeitlich benachbarten Quellen, liegen zwischen der Korrektur der Egloffstein-Abschrift und jener der Probeabzüge des Erstdrucks doch gerade dreizehn Monate. Weniger interessant sind die mit Bleistift nachgetragenen Fingersätze, die bei der ersten nachweisbaren Auktion der Handschrift (November 1966 bei Karl & Faber in München) fälschlicherweise als möglicherweise von Weber herrührend beschrieben wurden - sie stammen von einem unbekannten Vorbesitzer.