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Musik

Der Nachlass der Comedian Harmonists

Wer kennt sie nicht - die beschwingten Ohrwürmer „Veronika, der Lenz ist da“, „Mein kleiner grüner Kaktus“, „Schöne Isabella von Kastilien“, „Irgendwo auf der Welt“. Sofort erinnert man sich gern und mit einem Lächeln an die legendären „Comedian Harmonists“, die in die Zeit der ausgehenden sogenannten „Goldenen zwanziger Jahre“ und zugleich den Beginn der Weltwirtschaftskrise einzuordnen sind.

Im Jahr 1927 trafen aufgrund einer Zeitungsannonce fünf junge Sänger und ein Pianist aufeinander, und eroberten nach kurzer Probenarbeit mit jenem unverwechselbaren Gesangsstil im Sturm die Herzen des Berliner Publikums. Schon bald folgten Konzertgastspiele in Paris, Amsterdam, New York, Kapstadt und Sydney. Der Erfolg beruhte auf der hohen Professionalität, die aus der Symbiose einer gesangstechnischen Perfektion der Sänger und ihrer komödiantischen Performance bestand.

Es begann mit dem kometenhaften Aufstieg auf der Bühne, durch Schallplatten, im Film und im Rundfunk und endete radikal nach der Machtübernahme der Nazis 1933, die jenes Genre der swingenden, heiteren Unterhaltungs-Musik verdrängten. Die Musik wurde kurzerhand als „entartet“ abgestempelt.

Da drei Mitglieder des Ensembles jüdischer Herkunft waren, wurde die Aufnahme in die Reichsmusikkammer abgelehnt und die Berufsausübung in der bestehenden Besetzung verboten. Damit war das Ende der legendären und überaus erfolgreichen Comedian Harmonists besiegelt.

Die Sänger Harry Frommermann (Tenor-Buffo), Erich A. Collin (2. Tenor), Roman Cycowski (Bariton) emigrierten und versuchten ihr Glück noch einmal in Wien und Paris unter dem Namen „Comedy Harmonists“. Der Rest des Ensembles - Ari Leschnikoff (1. Tenor), Robert Biberti (Bass) und Erwin Bootz (Piano/Musikal. Leitung/Arrangements) baute ein neues Ensemble auf - das „Meistersextett“. Jedoch konnte keines der beiden Ensembles ebenso erfolgreich an den Triumphen der „Comedian Harmonists“ anknüpfen. Nie wieder konnte man eine so einzigartige Homogenität der Stimmen hören. Ihre Zeit jener unverwechselbaren Evergreens mit ihren originellen Erfolgstiteln war vorbei.

Robert Biberti blieb Zeit seines Lebens in Berlin. Er sah sich als Leiter und zugleich Prokurist des Ensembles. Die „Comedian Harmonists“ blieben der Mittelpunkt in seinem Leben und er sammelte die Geschichte der Gesangsgruppe in dem nachgelassenen Quellenmaterial, verteilt auf über 90 Aktenordnern und weiteren Mappen. Der Nachlass umfasst Briefe, Programme, Bildmaterial, Schallplatten, Notenmaterial. Er ist erschlossen und es stehen Mikrofiches für die Benutzung zur Verfügung.   Wesentlich kleiner ist der Nachlass von Harry Frommermann (N.Mus.Nachl. 80), der sich ebenfalls in der Staatsbibliothek zu Berlin befindet. Er enthält u.a. Autographe und Arrangements von Werken anderer Komponisten.