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Manuscript Department

Die Handschriftenkatalogisierung des Eigenbestandes

 

Materialanalytische und kulturhistorische Untersuchungen von kolonialzeitlichen Handschriften aus Mexiko in Berlin und Krakau
Verantwortliche Bearbeiterinnen:
Angelika Danielewski (SBB)
Renate Nöller (BAM)

Im April 2017 hat das auf zwei Jahre angelegte DFG-Gemeinschaftsprojekt der Staatsbibliothek zu Berlin - Stiftung Preußischer Kulturbesitz und der Bundesanstalt für Materialforschung und –prüfung (BAM) begonnen.  Ziel ist die wissenschaftliche Erschließung der in Berlin und Krakau aufbewahrten Manuscripta americana mit modernen kulturhistorischen und naturwissenschaftlichen Methoden, die gleichberechtigt miteinander verzahnt werden.
Die Manuscripta americana 1-15 bilden einen einzigartigen Bestand indigener mexikanischer und südamerikanischer Handschriften des 16.-18. Jahrhunderts. Es handelt sich um eine sehr heterogene Gruppe aus Bilderhandschriften, lateinschriftlichen Texten in indigenen Sprachen sowie Dokumenten, in denen sich piktographische und wortschriftliche Anteile auf unterschiedliche Weise mischen.
Zu den Filetstücken gehören zweifellos die in Berlin aufbewahrten Bilderhandschriften, die Alexander von Humboldt aus Mexiko mitbrachte. Sie tragen die Hauptsignaturen Ms. americ.1 und 2, haben dazu aber eine interne Zählung nach 16 Einzeldokumenten. Die meisten davon sind Fragmente, die zu anderen Dokumenten gehören. Eine wahre Preziose ist das über vier Meter lange Tributregister in Leporellofaltung aus Guerrero, das Gold-und Textilienabgaben an die Azteken verzeichnet und durch ein in Mexiko aufbewahrtes weiteres Stück vervollständigt wird. Ähnlich verhält es sich mit den Humboldt Fragmenten III und IV, die beide zum Codex Huamantla gehören und kriegerische Szenen darstellen. Die meisten Fragmente führen indes tiefer in die kolonialzeitlichen Verhältnisse hinein: wichtige Inhalte sind Landbesitz, Abgaben und Dienste für die Kolonialherren und damit einhergehend die oft brutale Behandlung der indigenen Bevölkerung, die sich dagegen gerichtlich zur Wehr setzte. Dank der ganzheitlichen Darstellungsweise geben dieselben Dokumente zugleich wichtige Einblicke in die Kulturentwicklung Mexikos, so das Humboldt Fragment VIII, das primär ein wichtiges Dokument zum indigenen Landbesitz darstellt, aber auch die Entwicklung von Schrift und Mathematik im alten Mexiko verstehen hilft.
Wie stilistische und inhaltliche Ähnlichkeiten nahelegen, sind viele der Humboldt Fragmente untereinander quellengenetisch verwandt oder gehören zusammen, und teilweise gilt dieser Befund auch für andere Manuscripta Americana. Einige Textdokumente beginnen mitten in einem Abschnitt. Zu nennen sind hier insbesondere die in Krakau aufbewahrten Ms.americ. 3, 8 und 10, die Teile eines größeren, bedeutenden Zensus der Region um Cuernavaca darstellen. Sie sind Gegenstand eines internationalen Editionsprojektes der Universität Warschau, mit dessen Mitarbeitern ein reger Austausch stattfindet. Verwandt sind wohl auch die beiden langen Texte in Guaraní, die im frühen 18. Jahrhundert in den südamerikanischen  Jesuitenmissionen  entstanden sind (Ms. americ. 12 und 13). 
Die Handschriften werden nun mit moderner Technik zerstörungsfrei untersucht, um herauszufinden, welche der Manuscripta  americana physisch tatsächlich zusammengehören und welche Kopien sind. Parallel dazu erfolgen die kulturhistorische und philologische Beschreibung  der einzelnen Dokumente sowie die Digitalisierung der Objekte in Berlin und Krakau. Die Ergebnisse sollen online zugänglich gemacht und parallel in einem gedruckten Katalog publiziert werden.

Beschreibender Katalog der Handschriftengruppe Hdschr.
Verantwortlicher Bearbeiter:
Kurt Heydeck
Bd. 1 (Hdschr. 1-150) 2013 erschienen.

 

Beschreibender Katalog der Manuscripta latina in folio 243–373

Seit dem 1. September 2014 werden mit DFG-Drittmitteln 130 Handschriften der Berliner Manuscripta latina in folio nach modernen Katalogisierungsprinzipien erschlossen. Bei dem Segment Mss. lat. fol. 243–373 (die Zähldifferenz ergibt sich durch das zwischenzeitlich nach Maastricht abgegebene Ms. lat. fol. 365) handelt es sich um eine zwischen 1828 und 1853 erworbene Bestandsgruppe, die an die Beschreibungen im dreibändigen Katalog Valentin Roses von 1901/05 anknüpft.
Mit 99 mittelalterlichen Handschriften – davon drei aus dem 9. Jahrhundert, eine aus dem 11. Jahrhundert  und sechs aus dem 12. Jahrhundert – sowie 31 (früh)neuzeitlichen Handschriften (zu etwa gleichen Teilen auf die Zeit vom 17. bis zum 19. Jahrhundert verteilt) weist der Bestand eine breite chronologische, daneben aber auch eine inhaltlich und provenienzgeschichtlich höchst heterogene Struktur auf. Abgesehen der größeren Gruppe von zwölf hoch- und spätmittelalterlichen Codices aus dem Havelberger Dom (Mss. lat. fol. 296–307) sowie von fünf um 1820 in Padua entstandenen Gelehrtenhandschriften eines größeren, 1844 erworbenen Konvoluts von lateinischen, slawischen, italienischen und deutschen Handschriften des Panslawisten Joseph Sauerschnigg (Mss. lat. fol. 314–318), kommen größere zusammenhängende Besitzprovenienzen im Bestand nicht vor.
Zu den besonders wertvollen Stücken des Segments gehören ein Lukas-Kommentar des Ambrosius in wisigotischer Schrift aus dem 9. Jahrhundert (Ms. lat. fol. 327), zwei im gleichen Jahrhundert in Frankreich und/oder Italien geschriebene juristische Sammelcodices (Mss. lat. fol. 269–270), eine im 11. Jahrhundert angefertigte Abschrift der ‛Antiquitates Judaicae’ des Flavius Josephus (Ms. lat. fol. 263), eine Cicero-Sammelausgabe aus Corvey aus der Mitte des 12. Jahrhunderts (Ms. lat. fol. 252), eine etwas später (um 1200?) im Umfeld des Magdeburger Klosters Berge entstandene Abschrift der Frutolf-Ekkehard-Chronik (Ms. lat. fol. 295) sowie eine zeitgleich in Frankreich geschriebene, miniaturengeschmückte Sammelhandschrift mit mathematisch-astronomischen Schriften (Ms. lat. fol. 307). Aus dem späten Mittelalter, aus der zweiten Hälfte des 15. Jahrhundert, kommen mit dem in einem Riesencodex überlieferten ‛Chronicon universale’ aus Hildesheim (Ms. lat. fol. 325) sowie mit einer neapolitanischen Abschrift von Livius‘ Hauptwerk ‛Ab urbe condita’ (Ms. lat. fol. 370) zwei weitere Zimelien hinzu. Wie diese Codices zeichnet sich die ‛Apologia poetarum’ des Nürnberger Humanisten Pankraz Bernhaupt von 1504/15 durch einen besonders qualitätvollen Buchschmuck aus, aber auch durch eine originelle Textfassung (Ms. lat. fol. 335).
Die mittelalterlichen Handschriften werden durchwegs nach dem vertieften Erschließungsmodell der DFG erschlossen, die nachmittelalterlichen nach den Richtlinien für neuzeitliche Codices. Die Beschreibung erfolgt von Anfang an über MXML mit Verbindung zur Handschriftendatenbank Manuscripta Mediaevalia, wobei zunächst nach dem Muster der Greifswalder und Bonner Erschließungsprojekte vollständige Inventardaten sowie die entsprechenden Literaturangaben erschlossen werden und darauf aufbauend die endgültige Erschließung zusammen mit repräsentativen Farbdigitalisaten zu jedem Stück erfolgt. Ferner werden die Wasserzeichen im Zusammenhang mit ihrer Erfassung, Bestimmung und Überführung in die Datenbank WZIS parallel zur Erschließungsarbeit von einer eigens dafür eingestellten wissenschaftlichen Hilfskraft erfasst. Geplant ist schließlich eine zusätzliche Aufbereitung und Präsentation der Daten in einem gedruckten Katalog.

Verantwortlicher Bearbeiter: Dr. Jürgen Geiß


Beschreibende Kataloge der Manuscripta theologica latina in octavo

In dem Projekt wird der nicht durch V. Roses Katalog der "Codices electorales" erfasste Bestand dieser Signaturengruppe entsprechend den DFG-Richtlinien erschlossen. Im 1. Teilband, der im Sommer 2007 erschienen ist, werden Erwerbungen aus den Jahren 1826-1886 beschrieben (Ms. theol. lat. oct. 66-125) - häufig Säkularisationsgut, das zuvor durch die Hände von Sammlern und/oder Antiquaren gegangen war. Bemerkenswert ist die zeitliche Spanne vom 9. bis zum frühen 19. Jh. und die geographische Streuung von Vadstena bis Oberitalien, von Spanien bis Kuronowo (Polen) mit nicht unerheblichen volkssprachlichen Anteilen u.a. in Altschwedisch, Mittelhochdeutsch, Mittelniederländisch, Kastilisch. Die häufig für die private Frömmigkeit genutzten Stücke eröffnen in vielen Fällen den Blick auf bisher wenig bekannte Provenienzen, so dass den historischen Zusammenhängen besondere Aufmerksamkeit zuteil werden muss. In der 2. Projektphase werden seit dem 1.1.2003 die restlichen 63 Bände (126-189) bearbeitet.

Verantwortliche Bearbeiterin: Dr. Beate Braun-Niehr

 

Ziel dieser Projekte ist die Tiefenerschließung nach den Richtlinien der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) in Fortsetzung der großen Handschriftenkatalogreihen der Königlichen (später Preußischen bzw. Staats-) Bibliothek in gedruckter Form und online.