Orient

Neuerwerbungen

 

Die Erwerbungsübersichten sind nach Druckschriften und Handschriften unterteilt. Die Neuerwerbungen an Druckschriften für die Jahre 2013-2016 können Sie hier einsehen.  

Im Jahre 2015 konnte die Sammlung orientalischer Handschriften um einige bedeutende Objekte ergänzt werden. Die interessantesten Neuerwerbungen haben wir hier in einer knappen Übersicht zusammengestellt:

 

 

Armenische Handschriften

Armenisches Evangeliar
Hs. or. 14656
Eine armenische Handschrift des späten 16. oder frühen 17. Jahrhunderts aus Pariser Privatbesitz konnte erworben werden. Es handelt sich dabei um ein illuminiertes Tetraevangeliar.


 

 

Birmanische Handschriften

Die bedeutende Sammlung birmanischer Handschriften konnte im Februar durch den Ankauf von 26 Handschriften (Hs. or. 14623 – 14648) ergänzt werden. Der Sammler, der diese Handschriften nun veräußert hat, war in den 1960er Jahren als Diplomat in Myanmar (Burma) tätig und hat bereits damals umfangreiche Ankäufe durch die Staatsbibliothek vermittelt. Die neu erworbenen Bände bilden kodikologisch und inhaltlich ein breites Spektrum ab. Es sind Handschriften auf Papier, Palmblatt und Kupferplatten, die u.a. Werke zur Grammatik und Astrologie wie auch buddhistische Mönchsregeln enthalten.


 

Hebräische Handschriften

Hebräisches Nachtgebet, kopiert von einer Frau in Italien 1832
Hs. or. 14653: Keriat Shema al ha-Mitah

Gebetbuch. Papier, 40 Bl., 1832.
Bei dieser vermutlich aus Italien stammenden Handschrift handelt es sich um ein Nachtgebet („Keriat Shema al ha-Mitah“, wörtlich übersetzt etwa „Das Shema-Gebet im Bett sprechen“). Es wurde 1832 von einer Frau, Rahel Manshi, geschrieben. Neben einer verzierten Titelseite befindet sich in der Handschrift auch noch ein kleines Lesezeichen, auf dem sich die Schreiberin erneut namentlich verewigt hat.

 

 

Beschneidungsbuch des Moses Oppenheim
Hs. or. 14654
: Mohelbuch (Beschneidungsbuch) des Moses Oppenheim.

Hebräisch/Jüdisch-Deutsch.
Papier, 70 Bl., 1759-1810.
Das Mohelbuch von Moses Oppenheim dokumentiert die Beschneidungen, die dieser zwischen 1759 und 1810 im Großraum Hamburg durchgeführt hat. In Jiddisch und Hebräisch wurde der Tag der Brit Milah (der Beschneidung), der Name des Kindes und seiner Eltern sowie der weiteren Beteiligten notiert, zudem wurden ggf. besondere Vorkommnisse festgehalten.
  

Zwei weitere hebräische Handschriften
Hs. or. 14655: Kleines italienisches Gebetbuch.
Papier, 19 Bl., etwa 1780.
Dieses Gebetbuch beinhaltet einige eher unübliche, zum Teil kabbalistische Gebete, so etwa ein Gebet von Rabbi Isaak Luria („dem heiligen ARI“, der Begründer der lurianischen Kabbala). Es wurde vermutlich um 1780 in Italien verfasst und ist mit einer Größe von 13,5 x 9 cm vergleichsweise klein.

Hs. or. 14657: Perek Shirah
Papier, 16 Bl., 1699.
Das Perek Shirah (wörtlich etwa “das Kapitel des Liedes”) ist ein anonyme Sammlung von hymnischen Lobpreisungen der Schöpfung, die zum Großteil aus dem Tanach stammen. Die früheste handschriftliche Version stammt aus dem 10. Jahrhundert, erstmalig gedruckt wurde der Text 1576. Die hier vorliegende Handschrift wurde 1699 in Florenz geschrieben, auf dem Titelblatt finden sich mehrere einfache Zeichnungen.


 

 

Indische Handschriften

Zwei im Stil der westlichen indischen Malschule illustrierte Handschriften
Hs. or. 14663
Bhadrabāhu: Kalpasūtra. Papierhandschrift. 65 Blätter, 22 Miniaturen. 1450 n. Chr.
Hs. or. 14662
Bhadrabāhu: Kalpasūtra. Papierhandschrift. 136 Blätter, 47 Miniaturen. Undatiert, ca. 1550 n. Chr.

Das Kalpasūtra wird von der Überlieferung dem Bhadrabāhu, zugeschrieben, einem der ältesten und berühmtesten Lehrer der Jainas. Es bildet den 8. Abschnitt des 4. Chedasūtra in der 4. Textgruppe (Aṅga) des jinistischen Kanons (Siddhānta).
Der Text enthält im 1. Abschnitt (Jinacarita) Lebensbeschreibungen der 24 Tirthaṅkaras, beginnend mit der Biographie des Mahāvīra, des Begründers der Jaina-Religion.
Beide Handschriften wurden mit Miniaturen im Stil der westlichen indischen Malschule ausgestaltet, die Episoden aus dem Leben des Mahāvīra sowie der ihm vorausgegangenen Tirthaṅkaras zeigen.
Das längliche Format und die roten Punkte bzw.  Ziermedaillons, welche die vormaligen Schnurlöcher markieren, erinnern noch an die Epoche der Palmblatthandschriften. Im Westen Indiens wurde das Palmblatt im 13. und 14. Jh. allmählich durch das Papier als allgemeiner Beschreibstoff ersetzt.
Geschrieben wurden beide Handschriften in der Jaina-Devanāgarī, einer besonderen Ausprägung der nordindischen Devanāgarī -Schrift.


 

 

Persische Handschriften

Persische Miniaturhandschrift
Hs. or. 14649
:

Aǧa’ib al-Maḫlūqāt
Papier, 297 Bl., 201 Miniaturen, 1500 n. Chr.
Das jüngst erworbene Exemplar der Kosmologie (Aǧa’ib al-Maḫlūqāt = Die Wunder der Schöpfung) des Qazwīnī wurde im Jahre 1500 (905 d.H.) im Iran kopiert. Der Band enthält 201 fein ausgeführte Miniaturen und zahlreiche Zeichnungen. Dem Stil nach ist es wahrscheinlich, dass die Handschrift in Schiraz entstanden ist. In der Berliner Sammlung befinden sich etliche Abschriften dieses Werkes, darunter einige aus Indien. Die jetzt erworbene Handschrift stellt jedoch eine wichtige Bereicherung dar, da eine so frühe Abschrift aus Persien bisher nicht im Bestand zu finden war.