Wissenswerkstatt

 

DIGITAL HUMANITIES IN DER MEDIÄVISTIK


Veranstaltungsreihe April - Juni 2018

Die digitale Transformation revolutioniert die mediävistische Forschung, verändert die Rolle von Bibliotheken als Vermittlerinnen des kulturellen Erbes und eröffnet damit neue Möglichkeiten des interdisziplinären Dialogs. Vor diesem Hintergrund bietet die Staatsbibliothek zu Berlin von April bis Juni 2018 eine Vortragsreihe zum Thema „Digital Humanities in der Mediävistik“ an.  In vier Vorträgen werden aktuelle Themen und innovative Ansätze aus dem Bereich der Digital Humanities mit einem besonderen Fokus auf der mediävistischen Forschung präsentiert.
 

VERANSTALTUNGSTERMINE

 

Wappen und Semantic Web. Neue Methoden für alte Quellen

Jun.-Prof. Dr. Torsten Hiltmann, Westfälische Wilhelms-Universität Münster
26. April 2018
18.15 Uhr
Haus Unter den Linden
Konferenzraum 4
Anmeldung

Abstract

Wappen waren in der mittelalterlichen Gesellschaft allgegenwärtig und zentraler Bestandteil deren Kultur und Kommunikation. Die bisherige Auseinandersetzung mit den Wappen als Quellengruppe wird dieser Bedeutung jedoch nicht gerecht. Dies gilt sowohl für deren Nutzung im Rahmen hilfswissenschaftlicher Fragestellungen als auch im Bereich der kulturhistorischen Forschung oder der politischen Geschichte. Mit der Digitalisierung bieten sich hier jedoch ganz neue Möglichkeiten, und dies gleich auf mehreren Ebenen.
Der Beitrag wird zunächst die Ursachen für die bisherige Zurückhaltung im Umgang mit den Wappen identifizieren, um daraufhin danach zu fragen, wie sich diese durch den Einsatz neuer digitaler Methoden überwinden lassen. Nach einem Überblick über die bisherigen Ansätze soll dabei insbesondere auf die Methoden und Techniken des Semantic Web eingegangen und deren Nutzen am Beispiel der mittelalterlichen Wappen demonstriert werden - sowohl für die klassischen hilfswissenschaftlichen Aufgaben der Heraldik wie für neue kulturhistorische Perspektiven in der Auseinandersetzung mit dieser besonderen Quellengruppe.

 

Manuscript studies in the digital age: new tools and new questions

Prof. Dr. Marc Smith, École nationale des chartes Paris
18.15 Uhr
03. Mai 2018

Haus Potsdamer Straße
Dietrich-Bonhoeffer-Saal
Anmeldung

Abstract

The use of digital technology, it is no secret, has revolutionised manuscript studies over the past quarter century, bringing about a vast and somewhat chaotic variety of resources, initiatives and perspectives.The most widely acknowledged benefit lies in mass-digitised manuscripts and archives, made directly accessible to anyone with elementary computer skills, thus leading a new generation of historians and philologists to delve into unpublished texts online — in otherwise traditional ways, and at the cost of acquiring the traditional scholarly skills of palaeography. One wonders about the effects of mass digitisation: can it help draw attention to the importance of manuscripts in general, wherever they are, and to the necessity of engaging with their material uniqueness, or will it lead scholars to concentrate primarily on sources selected for digitisation by archives and libraries, and to think of manuscripts essentially as sets of digital images?At the other end of the spectrum, a smaller number of scholars have dedicated much effort to the development of high-end, experimental software aimed at the analysis of manuscript resources, particularly in the field of “digital palaeography”: script typology, writer identification, etc. Neural networks and deep learning are now opening up an era in which image repositories can be exploited in terms of “big data”, as a basis for the automatic reading and indexing of manuscripts — until recently a utopian dream.Some of the more interesting developments are now happening in between, in the field of tools, formats and interfaces that will make it easier for all scholars to navigate an overwhelming quantity of digital resources and to apply powerful methods of analysis. One current project that will be discussed, focusing on a distinctly material aspect, is “Filigranes Pour Tous”, which aims to automate the identification of watermarks in paper, in the form of an app for smartphones.

 

In Kooperation mit der Tagung „Gebrauch und Funktion handschriftlicher Überlieferung aus dem Preußenland

 

Mittelalterliche Wortgeschichten. Computergestützte Textanalyse in der Mediävistik

Dr. Silke Schwandt, Universität Bielefeld
17. Mai 2018
18.15 Uhr
Haus Unter den Linden
Konferenzraum 4
Anmeldung

Abstract

Wie entsteht Bedeutung? Wie verstehen wir Texte? Seit langem gilt in der linguistischen Forschung, dass Bedeutung im Gebrauch entsteht, dass es also darauf ankommt, in welchem Zusammenhang Wörter verwendet werden und wie sich diese verändern. Diesem Grundsatz folgend beleuchtet der Vortrag mittelalterliche Wortgeschichten.

Die fortschreitende Digitalisierung von Archivmaterialien, auch und vor allem aus dem Mittelalter, ermöglicht es der Forschung nicht nur, von überall auf das Material zuzugreifen, sondern auch auf neue Weise mit den Texten umzugehen. Computergestützte Methoden sehen Texte als Daten und helfen bei der Erkennung und Bewertung von sprachlichen Verwendungsmustern. Je mehr Daten zur Verfügung stehen, desto dichter wird diese Beschreibung. Mit verschiedenen Beispielen sollen diese Methoden beleuchtet werden.

 

Digitales lehren – digitales Lehren. Digital Humanities als Gegenstand und Methode in der mediävistischen Lehre

Dr. des. Manuel Kamenzin, Ruhr-Universität Bochum
28. Juni 2018
18.15 Uhr
Haus Unter den Linden
Konferenzraum 4
Anmeldung

Abstract

Aus dem digitalen Wandel erwachsen für die mediävistische Lehre neue Anforderungen und Chancen.
Dies liegt nicht zuletzt an der zunehmenden Digitalisierung mediävistischen Arbeitens an sich. Handschriften, Quelleneditionen und Forschungsbeiträge sind in wachsender Zahl online verfügbar und zur Erschließung, Auswertung und Organisation von Quellen und Literatur finden Datenbanken immer größere Verbreitung. Hierdurch verändern sich unsere Zugangswege zur Materie, was wiederum zu neuen Methodendiskussionen führt. Sowohl die veränderte Arbeitssituation als auch die daraus resultierenden Debatten beeinflussen bereits den Studienverlauf, wodurch digitale Methoden und Arbeitsmittel zum Gegenstand mediävistischer Lehre werden.

Zudem hat die Digitalisierung durch das Bereitstellen von Arbeitsmaterialien auf E-Learning-Plattformen (Ilias, Blackboard, Moodle etc.), die Verwendung von Präsentationssoftware sowie die scheinbar ständige Erreichbarkeit von Lehrenden und Lernenden via E-Mail die Methoden der Lehre schon jetzt grundlegend verändert. Mit Hilfsmitteln wie Apps, Videomitschnitten und Online-Tutorials sowie Konzepten wie Blended Learning oder dem Inverted Classroom stehen weitere Innovationen zur Verfügung, die Verbesserungen sowie Arbeitserleichterungen versprechen. Es stellt sich somit nicht mehr die Frage ob, sondern vielmehr zu welchem Ausmaß digitale Neuerungen in Lehrveranstaltungen eingebunden werden sollten. Im Vortrag werden Digitalität als Gegenstand und Methode in der mediävistischen Lehre sowie Chancen und Grenzen dieser Veränderungen vorgestellt.

 


 

VERANSTALTUNGSORTE


Staatsbibliothek zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz
Haus Unter den Linden
Eingang: Dorotheenstraße 27
10117 Berlin (Mitte)
Treffpunkt: Eingangsbereich (Rotunde)

Abweichender Veranstaltungsort am 3. Mai 2018:
Haus Potsdamer Straße 33
Dietrich-Bonhoeffer-Saal
10785 Berlin

ANMELDUNG


Um Anmeldung wird gebeten (siehe Einzeltermine)

KONTAKT


Dr. Nicole Eichenberger
Dr. Jana Madlen Schütte
Mail

Staatsbibliothek zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz