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Bestandsaufbau

Grundsätze des Bestandsaufbaus / Fächerprofile: Geistes- und Sozialwissenschaften

Germanistik

Forschungsstufe

Forschungsgegenstand der Germanistik ist die deutsche Sprache und Literatur in ihren historischen und gegenwärtigen Erscheinungsformen. Die Germanistik hat in Deutschland eine zentrale Stellung unter den Philologien. Sie ist ein universitäres Massenfach mit großer Literaturproduktion und entsprechend hohem Benutzungsbedarf. 

Die Germanistik wird in der Staatsbibliothek zu Berlin (SBB-PK) als Sammelschwerpunkt gepflegt, wobei die Autorinnen und Autoren, deren Nachlässe in der SBB-PK aufbewahrt werden oder die eine besondere Beziehung zu Berlin haben, eine besonders intensive Pflege im Bestandsaufbau erfahren. 

Breite Auswahl

  • Text- und Quellenausgaben sind als Grundlage aller philologischen Forschung von kaum zu überschätzender Bedeutung. Zugrunde liegt ein Kanon von Autorinnen und Autoren des gesamten deutschen Sprachgebietes, die für die literarische Entwicklung bedeutsam waren oder sind. Der Kanon umfasst die älteren bzw. etablierten Autoren; er wird ständig aktualisiert aufgrund von Rezensionen in Literaturbeilagen oder Feuilletons führender Zeitungen, Betreuung durch anerkannte Verlage, Preisverleihungen, usw. Gesamt- und Teilausgaben werden in umfassender Auswahl gesammelt, sofern es sich um historisch-kritische oder in anderer Weise wissenschaftlich relevante Ausgaben (ggf. auch Verlegerausgaben) handelt. Die Auswahl beschränkt sich auf erstmals veröffentlichte Texte, möglichst vollständige Ausgaben besonders wichtiger Autoren sowie Zusammenstellungen von Texten einer Gattung (zum Beispiel Lyrik). Einzelausgaben werden in breiter Auswahl möglichst in erster Auflage sowie in späteren veränderten Auflagen gesammelt.
  • Forschungsliteratur: Den Schwerpunkt der Sammlung bildet eine breite Auswahl wissenschaftlich relevanter allgemeiner bis hochspezieller Forschungsliteratur. Wertvoll und unverzichtbar sind auch die vielen Dissertationsserien, weil ein beträchtlicher Teil der germanistischen Forschungsarbeit von Doktorandinnen und Doktoranden geleistet wird.
  • Referenzliteratur (zum Beispiel Wörterbücher, Grammatiken, Literaturgeschichten und -lexika, allgemein und zu einzelnen Epochen und Literaturgattungen, sowie Enzyklopädien und Adressbücher, Personallexika, Schauspielführer und so weiter) wird umfassend, nach Möglichkeit auch mit ihrer jeweils aktualisierten Auflage erworben.
  • Biographien und Festschriften.

Differenzierte Auswahl

  • Mundartliteratur einzelner Autorinnen und Autoren wird je nach geographischer Herkunft in abgestufter Auswahl erworben. Die Sammlungsintensität nimmt nach folgender Prioritätenliste ab: Berlin, ehemaliges Preußen, übriges Deutschland, übriger deutscher Sprachraum. 
  • Anthologien sind von Interesse, wenn sie ein literarisches Motiv, eine Region, eine Mundart oder eine Gattung (vorzugsweise Sagen) repräsentieren. Bei regionalen und Mundartanthologien sowie bei regional gebundenen Gattungsanthologien ist die unterschiedliche Sammlungsintensität geregelt wie bei der Mundartliteratur. 
  • Zeitschriften: Die Auswahl der wissenschaftlichen Fachzeitschriften orientiert sich an Kriterien wie: Herausgeber/-kollegium, Anbindung an ein Institut/eine Gesellschaft, Verlagszugehörigkeit, Mitarbeiterkreis, Thematik, Publikationssprache. Außer den Standardzeitschriften verfügt die Staatsbibliothek zu Berlin über ein sehr breites Angebot weiterer qualitativ hochwertiger Zeitschriften. Besonderes Augenmerk wird den Personen-Zeitschriften gewidmet. Literarische Zeitschriften: Aus der Überfülle des Angebots können nur wenige, wenn sie über signifikanten Quellenwert und / oder wissenschaftlichen Anspruch verfügen, oder wenn sie ein wichtiger Faktor des literarischen Lebens bzw. Sprachrohr neuer Richtungen sind, erworben werden. Ferner werden solche mit regionalem Bezug auf Berlin und den Bereich des ehemaligen Preußens berücksichtigt. 
  • Populäre Literatur: Trivialliteratur wie Kriminalromane, Abenteuerliteratur usw. wird in Auswahl gekauft, da auch diese Gegenstand der Forschung sind. Angeschafft werden die Klassiker der populären Literatur sowie Werke, die die verschiedenen Gattungen exemplarisch repräsentieren. Zunehmend rezeptionsintensiv sind Graphic Novels und Comics mit der Zielgruppe Erwachsene, die ebenfalls in Auswahl erworben werden.

Strenge Auswahl

  • Einführungen (insbesondere fremdsprachige) sind von Interesse, wenn sie forschungsrelevant sind oder eine wenig etablierte bzw. wenig literaturintensive Disziplin, Gattung, Richtung und so weiter behandeln.
  • Graue Literatur wird nur bei herausragender Relevanz für die Forschung beschafft.

Verzicht

  • didaktische Materialien, Lektürehilfen, Interpretationen für den Schulgebrauch, Sprachlehr- und -übungsbücher, Aufgabensammlungen, Darstellungen des Grundwortschatzes 
  • Ratgeber zur Stilistik und Rhetorik sowie Anleitungen zum kreativen Schreiben

Sprachliche und regionale Aspekte

Es gilt in der Regel das Prinzip, wissenschaftlich relevante Literatur in der Originalsprache zu erwerben. Forschungsliteratur in deutscher Übersetzung wird beschafft, wenn das Original in einer schwer zugänglichen Sprache erschienen ist. 

Erwartungsgemäß rangiert die deutschsprachige Literatur innerhalb der Germanistik weit vorn. Deutlich danach folgen der angloamerikanische und der romanische Sprachraum zu etwa gleichen Teilen. In wiederum großem Abstand folgen niederländische und skandinavische Publikationen. 

Alt- und mittelhochdeutsche Quellentexte werden nicht nur in den wissenschaftlich relevanten Originalausgaben, sondern auch in neuhochdeutschen Übersetzungen in breiter Auswahl berücksichtigt; deutsche Quellentexte in fremdsprachiger Übersetzung bleiben ausgeschlossen (seltene Ausnahmen bei Berlin-Bezug oder Vorhandensein eines Dichternachlasses in der Staatsbibliothek zu Berlin). 

Primärquellen und Forschungsliteratur mit der Zielgruppe Kinder und Jugendliche werden durch die Kinder- und Jugendbuchabteilung beschafft.

Die regionalen Sondersammlungen erwerben Literatur mit ihrem jeweiligen regionalen Bezug gemäß ihrer eigens definierten Sammlungsintensität.