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Bestandsaufbau

Grundsätze des Bestandsaufbaus / Fächerprofile: Geistes- und Sozialwissenschaften

Geschichte und Historische Hilfswissenschaften

Forschungsstufe

Die Geschichtswissenschaften haben in den letzten Jahrzehnten sowohl methodisch als auch inhaltlich eine starke Ausweitung erfahren. Es eröffneten sich einerseits neue Bereiche mit neuen Fragestellungen, z.B. im Bereich Kulturgeschichte und Sozialgeschichte die Mentalitätsgeschichte, Alltagsgeschichte, die Historische Anthropologie oder die Geschlechtergeschichte. Andererseits gewinnt man durch neue wissenschaftstheoretische Ansätze, wie z.B. der postmodernen Geschichtstheorie, neue Sichtweisen auf traditionelle Bereiche der Geschichtswissenschaft.

Es werden alle historischen Epochen gleichermaßen berücksichtigt. Literatur, die sich an ein breites, nicht fachwissenschaftliches Publikum wendet, wird nur gekauft, wenn sie sich auf Preußen als Gesamtstaat bezieht bzw. von namhaften Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern publiziert ist, die die Ergebnisse ihrer Forschungen in allgemeinverständlicher Form zusammenfassen.

Breite Auswahl

  • Universalgeschichte
  • Nationalgeschichte: Bei fremdsprachigen wissenschaftlichen Titeln zur deutschen Geschichte wird im Rahmen der in den Jahresberichten für deutsche Geschichte zur Anwendung kommenden Auswahlkriterien Vollständigkeit angestrebt.
  • Preußen wird als Sammelschwerpunkt intensiv gepflegt, d. h. die Beschaffung erfolgt auf dem Niveau einer erweiterten Forschungsstufe. Selbst populäres Schrifttum zu Preußen wird in Auswahl erworben, ebenso umfangreicheres heimatgeschichtliches Schrifttum zu den ehemaligen preußischen Ostprovinzen. Die Osteuropa-Abteilung erwirbt die polnischsprachige Literatur in entsprechendem Umfang. Die umfassende Erwerbung aktueller Literatur zur preußischen Geschichte spiegelt die Funktion der Staatsbibliothek als wichtiges Forschungszentrum für preußische Geschichte wider und ergänzt die historischen Druckschriftenbestände der Preußischen Staatsbibliothek.
  • Zeitgeschichte, insbesondere die Geschichte der DDR, der Bundesrepublik Deutschland und der innerdeutschen Beziehungen sowie Berlins in der Zeit der Teilung Deutschlands. Die wissenschaftliche Literatur wird in relativer Vollständigkeit erworben, Erinnerungs- und populäre Literatur in kritischer Auswahl.
  • Wissenschaftliche Weltkriegsliteratur
  • Geschichte der Geschichtswissenschaft: Wird in großer Breite bis hin zu Kleinschrifttum (wie Universitätsreden) gesammelt, da das Schrifttum in aller Regel wissenschaftlichen Charakter hat und sich auf für den heutigen Forscher besonders zentrale Bereiche des Altbestandes bezieht.
  • Archivwesen: Archivinventare staatlicher und privater Archive werden breit gesammelt. Die Inventare zahlreicher Archive werden als Amtliche Publikationen auf der Basis der Bundes- und Ländererlasse als Freiexemplare erworben, ausländische z. T. durch den Schriftentausch und z. T. durch Kauf.
  • Hilfswissenschaften: Diplomatik, Chronologie, Sphragistik, Numismatik

Differenzierte Auswahl

  • Landesgeschichte/Regionalgeschichte: Wissenschaftliche Literatur mit regionalgeschichtlicher Thematik wird erworben, wenn sie sich überregionalen Fragestellungen zuordnet, sich auf historisch bedeutende Landschaften bezieht oder methodisch von Interesse ist. Bei der Landesgeschichte der deutschsprachigen Länder wird breiter ausgewählt, während die Regionalgeschichte der anderen Staaten differenzierter gesammelt wird. Die Erwerbungstiefe im Bereich der Regionalgeschichte hängt mit der unterschiedlichen historischen Entwicklung der betreffenden Staaten zusammen - so wird z. B. die italienische Regionalgeschichte besonders des Mittelalters und der Frühen Neuzeit intensiver gepflegt, während bei Skandinavien mit größerer Zurückhaltung verfahren wird.
  • Phaleristik, Heraldik, Genealogie: Aus der Menge familiengeschichtlicher Materialien muss streng ausgewählt werden (insbesondere wissenschaftliche Überblicksdarstellungen und Literatur zu historisch bedeutenden Familien).

Strenge Auswahl

  • Die gerade zum Zweiten Weltkrieg umfangreiche populäre Literatur und unwissenschaftliches Schrifttum bleiben weitgehend unberücksichtigt und werden nur in strenger Auswahl erworben.
  • Heimatgeschichtliches Schrifttum kann aufgrund der Fülle des Materials nur in strenger Auswahl erworben werden. Beim Schrifttum zu den ehemaligen preußischen Ostprovinzen erfolgt eine breitere Auswahl. In der Regel beschränkt sich das Sammelspektrum der Staatsbibliothek zu Berlin auf qualitativ hochwertigere Publikationen von kommunalen Archiven und Museen, Heimatverbänden und Geschichtsvereinen.

Verzicht

  • Materialien, die Geschichte politisch einseitig, also unwissenschaftlich darstellen, auch wenn sie in einigen Jahrzehnten möglicherweise gefragtes Quellenmaterial für das Geschichtsbewusstsein unserer Zeit sein werden.
  • Verfilmte Archivalien werden nicht erworben, wenn außer einem Einführungsband keine weiteren editorischen Leistungen (Transkription, wissenschaftliche Erläuterungen zu einzelnen Textstellen, Hinweise auf Umgebungsbestände, Indices) geboten werden, es sich also nicht um eine echte Edition im traditionellen Sinn handelt. Dies gilt auch für Archivalien mit Bezug zu Preußen.

Sprachliche und regionale Aspekte

Es gilt in der Regel das Prinzip, wissenschaftlich relevante Literatur in der Originalsprache zu erwerben.

Aufgrund der Kooperation der SBB-PK mit dem Ibero-Amerikanischen Institut (IAI-PK) wird nur gelegentlich ein Lesesaalwerk zur Geschichte Iberoamerikas erworben. Die Geschichte Spaniens und Portugals wird ebenfalls nur eingeschränkt gesammelt, sammlungswürdig sind z.B. das Altertum, das für das IAI-PK von geringem Interesse ist, und Literatur zu Ereignissen von universalgeschichtlicher Bedeutung: Karl V., Philipp II., Spanischer Bürgerkrieg usw.

Die regionalen Sondersammlungen erwerben Literatur mit ihrem jeweiligen regionalen Bezug gemäß ihrer eigens definierten Sammlungsintensität.