Bestandsaufbau

Grundsätze des Bestandsaufbaus / Fächerprofile: Naturwissenschaften und Technik

Medizin

Differenzierte Sammlung

Medizinische Literatur umfasst neben den medizinischen Grundlagenfächern und dem ganzen Spektrum der kurativen Medizin alle Aspekte menschlicher und tierischer Krankheit und Gesundheit und ihre Zusammenhänge mit Philosophie, Religion, Psychologie, Sozialwissenschaft, Politik, Recht, Wirtschaft, Technik und Umwelt. In der medizinischen Grundlagenforschung sind die Grenzen zur Biophysik, Biochemie und Biologie fließend, eine klare Zuordnung zu den einzelnen Fächern ist oft nicht möglich. Der Markt für medizinische Literatur hat seit Jahren einen großen Umfang. Eine Anpassung der Sammelintensität an die Publikationsflut in der Medizin ist nicht vorgesehen, es wird eine sinnvolle Konzentrierung des Faches durch inhaltliche Schwerpunktsetzung angestrebt, die nicht aus der Struktur des vorhandenen Bestandes abgeleitet ist, da dieser heterogen und schichtenspezifisch ist.

Die Staatsbibliothek zu Berlin setzt den Schwerpunkt ihrer Erwerbungen in der Medizin auf die Teildisziplin Öffentliche und Soziale Medizin sowie auf die Zusammenhangsliteratur zu den Geistes- und Sozialwissenschaften. Die Staatsbibliothek zu Berlin trägt nicht zur Versorgung des Grundbedarfs in den Kernfächern der Medizin bei.

Zusammenhangsliteratur zu den Geistes- und Sozialwissenschaften

Unter Beachtung der in der Staatsbibliothek zu Berlin gepflegten Sammlung von Literatur zu den Geistes- und Sozialwissenschaften sowie den regionalen und fachlichen Sammelschwerpunkten soll vor allem die Zusammenhangsliteratur in der Medizin erworben werden, d.h. diese Literatur wird auf hohem Niveau gesammelt.

Als Zusammenhangsliteratur, die in breiter Auswahl erworben wird, zählt: Allgemeine Literatur zur Medizin, die Beziehungen der Medizin zur Philosophie mit Schwerpunkt Ethik, zur Philologie, Kunst, Religion, Theologie, Politik (z. B. Entwicklungshilfe in Beziehung zu den regionalen Sammelschwerpunkten), Wirtschaft, Recht, Technik und Umwelt sowie Ethnomedizin (Beziehung zu den regionalen Sammelschwerpunkten).
Die schwerpunktmäßig im Fach Medizin erworbene Zusammenhangsliteratur zu den Geistes- und Sozialwissenschaften kann nicht an den Erwerbungskriterien für die Naturwissenschaften ausgerichtet sein, da es sich um punktuelle interdisziplinäre Publikationen, häufig mit vermindertem Wissenschaftlichkeitsanspruch, handelt. Die Sammlungsdichte für einzelne Themenkreise ist stark vom Publikationsaufkommen bestimmt.

Generell wird wegen des beobachteten begrenzten Literaturangebotes eine hohe Sammlungsdichte in allen Literaturformen angestrebt. Für die monographische Literatur wird der Anspruch an die Wissenschaftlichkeit weiter gefasst bzw. an die Geistes- und Sozialwissenschaften angelehnt, ohne ihn vor allem im Bereich der Referenzliteratur aufzugeben. Zeitschriften und Serien werden in eingeschränkter Auswahl auch für aktuellste Themen erworben, um damit den Zusammenhang zwischen Medizin und Gesellschaft, Medizin und öffentlichem Leben sowie Medizin und Kultur dokumentieren zu können. Regionale Bezüge werden vor allem zu den herausgehobenen Sammelschwerpunkten auf der Basis größerer geographischer Einheiten hergestellt.

Öffentliche und soziale Medizin

Literatur zur öffentlichen und sozialen Medizin wird auf dem Niveau der Studienstufe gesammelt; diese Sammlung unterstützt die Nutzung des medizinischen amtlichen Schrifttums, das in großem Umfang der Staatsbibliothek zu Berlin über das Freiexemplar deutscher amtlicher Veröffentlichungen, den Internationalen Amtlichen Schriftentausch und die Depotfunktion für die WHO zugeht. Zu Teildisziplinen der öffentlichen und sozialen Medizin werden gerechnet: Öffentliche Hygiene und Gesundheitspflege (Public Health), Verkehrsmedizin, Umweltmedizin, Hygiene der Nahrungsmittel, Arbeitsmedizin, Psychiatrische Dienste, Suchtkrankheiten, Epidemiologie und Gesundheitsökonomie. In diesem Bereich wird die Forschungsliteratur sowohl in Zeitschriften als auch in Monographien in eingeschränkter Auswahl erworben; Referenzliteratur wird in breiter Auswahl, Studienliteratur in strenger Auswahl beschafft.

Medizinische Kernfächer

Grundlagenliteratur zu den Kernfächern der Medizin wird in erster Linie nur für die Erstinformation und orientierende Studien in begrenzter Breite und Tiefe gekauft sowie um fachfremden Benutzerinnen und Benutzern den Einstieg in die Thematik zu ermöglichen.

Breite Auswahl

  • Gesammelte Werke, Text- und Quelleneditionen von historisch bedeutenden Vertretern des Faches
  • Referenzliteratur wie Enzyklopädien, Lexika, Wörterbücher, Adressbücher, Handbücher, Gesamtdarstellungen, Lehrbücher (soweit es sich um handbuchartige Standardwerke handelt), die das Fach als Ganzes oder große Teilgebiete umfassen.
  • Biographien von überregionaler Relevanz, Autobiographien, Biographiensammlungen mit Referenzcharakter
  • Referenz- und Forschungsliteratur zur Geschichte des Faches
  • Referenzliteratur zu interdisziplinären (vor allem philosophischen und  gesellschaftlichen) Aspekten des Faches

Differenzierte Auswahl

  • Forschungsliteratur zu interdisziplinären Aspekten des Faches sowie zu grundsätzlichen Theorien und Fragestellungen, die philosophisch und gesellschaftlich relevant sind
  • Zeitschriften: nur zur historischen, philosophischen und gesellschaftlichen Dimension des Faches
  • Fest- und Kongressschriften für Personen und Institutionen, in denen der Publikationsumfang zur gewürdigten Person/Institution einen deutlichen Anteil einnimmt
  • Qualitativ hochwertige Literatur des Wissenschaftsjournalismus und populärwissenschaftliche Literatur
  • Graue Literatur zur historischen, gesellschaftlichen, philosophischen und interdisziplinären Dimension des Faches
  • Abbildungswerke werden gesammelt, wenn sie einen signifikanten Textanteil aufweisen und wissenschaftlichen Ansprüchen genügen.

Verzicht

  • Forschungsliteratur, die den aktuellen Wissenstand dokumentiert mit Ausnahme der Literatur zu grundsätzlichen Theorien und Fragen, soweit sie nicht historisch, philosophisch oder gesellschaftlich relevant sind
  • Zeitschriften, die den aktuellen Wissensstand dokumentieren
  • Praktikerliteratur, Nachschlagewerke und Handbücher für die Praxis
  • Ausbildungsliteratur, Schulbücher, Fachschulliteratur
  • Graue Literatur, soweit sie nicht von historischem oder interdisziplinärem Interesse ist
  • Tagungsberichte und Kongressberichte mit Ausnahme von Kongressschriften für Personen und Institutionen, in denen der Publikationsumfang zur gewürdigten Person/Institution einen deutlichen Anteil einnimmt

Sprachliche und regionale Aspekte

Wissenschaftlich relevante Literatur in der Originalsprache genießt grundsätzlich Vorrang vor der Übersetzung. Es können auch deutsche Übersetzungen fremdsprachiger (auch englischsprachiger) Originalausgaben erworben werden. Übersetzungen aus dem Deutschen oder Englischen werden nicht gekauft, es sei denn das Original ist nicht mehr erhältlich oder es handelt sich bei der deutschen Übersetzung um eine Parallelausgabe. Übersetzungen aus schwer zugänglichen Sprachen werden erworben, sofern es Übersetzungen in eine der oben genannten Sprachen sind.

Da Englisch in der internationalen Kommunikation in den Naturwissenschaften dominiert, ist Englisch bei der Titelselektion die bevorzugte Publikationssprache. Stärkere Berücksichtigung finden auch Veröffentlichungen in deutscher Sprache. In geringerem Umfang werden auch Publikationen in französischer, italienischer, niederländischer oder den skandinavischen Sprache erworben, wenn es sich um Biographien oder Titel mit historischem Bezug handelt.

Bei Forschungsliteratur mit inhaltlich-regionalem Bezug werden Arbeiten mit allgemeinem, historischem, biographischem und institutionellem Aspekt zu allen Regionen der Welt berücksichtigt. Generell wird Schrifttum, das sich auf deutsche Verhältnisse bezieht, bei der Selektion bevorzugt.

Aufgrund der Kooperation der Staatsbibliothek zu Berlin mit dem Ibero-Amerikanischen Institut wird das Schrifttum Iberoamerikas in der Regel nicht erworben. Durch die regionalen Sondersammlungen der Staatsbibliothek zu Berlin, deren Sammlung sich nicht auf den geisteswissenschaftlichen Literatursektor beschränken, erfahren die Räume Afrikas und Asiens eine differenzierte Gewichtung; Südost- und Ostasien werden auf höherem Niveau als die übrigen Regionen gepflegt.

Sammelschwerpunkte der DFG

Medizin (4): Deutsche Zentralbibliothek für Medizin Köln

Pharmazie (15.3): UB der TU Braunschweig

Veterinärmedizin, Allgemeine Parasitologie (22): TiHB Hannover