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Bestandsaufbau

Grundsätze des Bestandsaufbaus / Sondersammlungen

Musiksammlung

Für die Musiksammlung der Staatsbibliothek zu Berlin ist die Erwerbungstätigkeit vorrangig an den Bedürfnissen der Musikwissenschaft und speziell der musikhistorischen Forschung ausgerichtet. Ansatzpunkte für Bestandsaufbau und -ergänzung bieten die historisch gewachsenen handschriftlichen und gedruckten Bestände, besonders auch diejenigen, die durch Umfang und Bedeutung den Charakter von Spezialsammlungen aufweisen und somit Anspruch auf möglichst vollständige Berücksichtigung zugehöriger Literatur und musikalischer Editionen haben. Zu nennen sind hier vor allem die umfangreichen Musikautographensammlungen (etwa von Bach, Haydn, Mozart, Beethoven, Cherubini, Weber, Mendelssohn Bartholdy, Schumann) und die mehr als 400 Nachlässe. 

Musikautographe, -handschriften, theoretische handschriftliche Quellen, Briefe, Nachlässe 

Die Bestandserweiterung orientiert sich in erster Linie an den vorhandenen Beständen, die sinnvoll zu ergänzen und abzurunden sind. In der Tradition der bedeutenden Sammlungen zu großen deutschen Komponistinnen und Komponisten, Interpretinnen und Interpreten und Gelehrten von nationaler und internationaler Bedeutung ist die Musiksammlung der Staatsbibliothek zu Berlin auch ein Archiv für Materialien aus der Hand herausragender wissenschaftlicher und künstlerischer Persönlichkeiten im Bereich der Musik.

Die Bestände des Mendelssohn-Archivs werden nach Möglichkeit in dem Umfang ergänzt, wie neues Material aus dem Familienbesitz zur Erwerbung angeboten wird.

Musikdrucke 

Historische Musik 

Berücksichtigt werden Ausgaben des In- und Auslandes in der Tradition der europäischen Kunstmusik. Zu den angeführten großen Sammlungen werden Editionen und Bearbeitungen umfassend erworben. Neuerscheinungen finden ebenfalls eine große Beachtung. Wissenschaftliche Ausgaben, vor allem Gesamtausgaben und Denkmälerreihen, ferner Quellensammlungen, werden in großer Breite berücksichtigt. 

Für die Bestandsergänzung im antiquarischen Bereich setzt einerseits die Deutsche Musiksammlung (DMS) einen Rahmen: Es handelt sich um eine seit 1906 bis zum Ende der Preußischen Staatsbibliothek aufgebaute Belegstücksammlung zur deutschen Musikverlagsproduktion, die ihre Fortsetzung in der Sammlung des Deutschen Musikarchivs findet. Andererseits ist die Teilnahme am Projekt Sammlung Deutscher Drucke für den Zeitraum 1801 bis 1945 für die retrospektive Bestandsergänzung von Bedeutung. Für diesen Zeitraum wird deshalb eine Vervollständigung des Bestands an deutscher Musikalienproduktion angestrebt. Wegen der für Musikdrucke im 19. und frühen 20. Jahrhundert noch kaum funktionierenden Pflichtablieferung darf dabei der Bereich der U-Musik nicht ausgeklammert werden. 

Bearbeitungen bleiben im Allgemeinen unbeachtet, es sei denn, es handelt sich um eine Facette aus einem künstlerischen Schaffen von herausgehobener Bedeutung. Bezüglich der musikalischen Ausgabeform stehen die Partitur und der Klavierauszug im Zentrum. Stimmenausgaben werden nur erworben, soweit Partitur bzw. Klavierauszug nur mit diesen zusammen abgegeben werden oder üblicherweise nicht erscheinen (etwa bei Bläsermusik). 

Zeitgenössische Musik 

Bei der E-Musik wird in Beziehung zum gewachsenen historischen Bestand und zum eigenen Kulturraum vor allem die deutsche Produktion berücksichtigt. Die Werke von Komponistinnen und Komponisten anderer europäischer Länder, die regional sowie international Bedeutung haben, werden in Abstufung erworben. Einen besonderen Schwerpunkt dabei bilden in der Tradition der ehemaligen Deutschen Staatsbibliothek die osteuropäischen Staaten.

Eine Bestandsergänzung im Bereich der U-Musik findet nur in exemplarischen Beispielen statt. Hier wird auf die durch Pflichtablieferung in den Bundesländern und beim Deutschen Musikarchiv in Berlin vorhandenen Sammlungen verwiesen. 

Material für die pädagogische und kirchliche Praxis 

Bei Gesangs- und Instrumentalschulen aller Art und anderem pädagogischem Material sowie bei Material für die kirchliche Praxis wird in sehr strenger Auswahl erworben. 

Tonträger 

Die Tonträgersammlung bildet einerseits eine Ergänzung zu den handschriftlichen und gedruckten Materialien und unterliegt in dieser Hinsicht den dafür formulierten Rahmenbedingungen. Andererseits ist sie als paradigmatische Sammlung zu bedeutenden Interpretinnen und Interpreten sowie Instrumenten gedacht. 

Aspekte für die Erwerbungsentscheidung sind: 

  • Die angezeigte Komposition ist als Einspielung noch nicht vorhanden; 
  • Möglichkeit des Ersatzes für eine vorhandene Einspielung von nicht mehr ausreichender technischer Qualität; 
  • Interpretatorisch und organologisch bedeutende Neueinspielungen, auch wenn die Komposition bereits vorhanden ist; 
  • Sammeleditionen zu weiteren Interpreten, zu Musikfestivals oder Musikwettbewerben (in strenger Auswahl). 

Tonträger aus dem iberoamerikanischen Bereich mit entsprechendem inhaltlichen Bezug werden durch das Ibero-Amerikanische Institut erworben.Tonträger mit außereuropäischer Musik werden nur in größter Beschränkung zum Aufbau einer Beispielsammlung berücksichtigt, da sie zum Sammelauftrag des Völkerkundemuseums und des Instituts für Vergleichende Musikwissenschaft an der Freien Universität Berlin gehören.

Musikwissenschaftliche Fachliteratur 

Die wissenschaftliche Fachliteratur zur Geschichte der abendländischen Musik vom Mittelalter bis in die Gegenwart wird in breiter Auswahl gesammelt. Erworben werden sowohl Überblicksdarstellungen und Biographien als auch Spezialuntersuchungen zu einzelnen Gattungen, Werken und Themen. Besondere Sammelschwerpunkte bilden dabei Veröffentlichungen zu Komponistinnen und Komponisten, zu denen die Musikabteilung große Quellensammlungen besitzt. Hier werden auch Kleinschrifttum und entlegene Veröffentlichungen möglichst umfassend gesammelt. Literatur zur Musikgeschichte Berlins und Preußens sowie - in Anknüpfung an die Tradition der Deutschen Staatsbibliothek - Publikationen aus und über Osteuropa bilden einen weiteren Schwerpunkt. Auch die Musikgeschichte des übrigen deutschsprachigen Raumes sowie Italiens, Frankreichs und Englands wird in großer Sammlungsbreite und -tiefe berücksichtigt. Dagegen gilt für die skandinavischen Länder sowie Nordamerika eine stärkere Fokussierung auf Überblicksdarstellungen sowie Veröffentlichungen zu überregional tätigen Personen und Musikzentren. Literatur zur Musikgeschichte Iberoamerikas wird nur erworben, wenn ein deutlicher Bezug zur europäischen Musikgeschichte besteht.

Zur Popular- und Weltmusik werden nur ausgewählte Nachschlagewerke und Überblicksdarstellungen erworben. Aus dem Bereich der systematischen Musikwissenschaft werden Arbeiten zur Musiktheorie, Musikästhetik sowie zur Musiksoziologie in einer repräsentativen Auswahl berücksichtigt. Große Zurückhaltung gilt bei allen anderen Gebieten der systematischen Musikwissenschaft, der Musikinstrumentenkunde und der Musikethnologie, für die vorrangig andere Stiftungseinrichtungen zuständig sind (Staatliches Institut für Musikforschung, Ethnologisches Museum). Auch das Gebiet der Musikpädagogik wird nur in starker Auswahl berücksichtigt.
Ergänzt wird die Sammlung musikwissenschaftlicher Fachliteratur durch einen breiten Bestand an Bibliographien und Fachzeitschriften.

Die musikwissenschaftliche Fachliteratur aus dem iberischen und lateinamerikanischen Raum mit entsprechenden inhaltlichen Bezügen wird umfassend vom Ibero-Amerikanischen Institut gesammelt und betreut.