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Bestandsaufbau

Grundsätze des Bestandsaufbaus / Sondersammlungen

Orientsammlung

Die Orientsammlung der Staatsbibliothek zu Berlin erwirbt die Literatur der geographischen Regionen: Afrika, Vorderer Orient, Mittlerer Osten und Mittelasien, Südasien, Südostasien und Ozeanien, europäische Regionen, soweit sie zeitweilig unter orientalischer Herrschaft standen (maurisches Spanien, Türken auf dem Balkan usw.), von bzw. über Minderheiten orientalischer Völker in anderen Ländern sowie Judentum/Judaistik (im religiösen und soziologischen Sinn). Gesammelt werden Publikationen zu den genannten Regionen aus allen Ländern und in allen Sprachen der Erde über Länder und Völker zur Geschichte und Politik, Gesellschaft und Wirtschaft, Kultur und Religionen, über Sprachen und Literaturen. Darüber hinaus sammelt die Staatsbibliothek zu Berlin Literatur in den Sprachen, deren Ursprung oder Hauptverbreitungsgebiete in den genannten geographischen Regionen liegen bzw. lagen, über alle Fachgebiete. Die Naturwissenschaften, Medizin, Technik und Landwirtschaft werden nur soweit berücksichtigt, wie sie inhaltlich einen regionalen Bezug zum Orient haben. Innerhalb der Orientsammlung werden daher das Sondersammelgebiet Südostasien und der Fachinformationsdienst Recht der SBB-PK gepflegt. Berücksichtigung finden grundsätzlich alle Publikationsformen (Bücher, Serien, Zeitschriften, Handschriften, Blockdrucke, Mikroformen und in zunehmendem Maße elektronische Ressourcen). 

Für die Erwerbung sind folgende Gesichtspunkte maßgebend: Umfassend gesammelt werden die für die Wissenschaft wichtigen Quellen und aktuelle Forschungsliteratur, bedeutende oder charakteristische Dokumente historischer Relevanz, einschließlich literarischer Werke und Dokumente des kulturellen und wissenschaftlichen Erbes sowie Publikationen, die charakteristische Ereignisse, Erscheinungen und Tendenzen der Zeitgeschichte zum Inhalt haben. Im Bestand vorhandene Schwerpunkte werden weiter gepflegt und ergänzt. Literatur, die durch Konjunkturen auf dem Büchermarkt angeregt wurde und im Wesentlichen ein zeitbedingtes Informationsbedürfnis befriedigt, wird nur in charakteristischen Beispielen erworben. 

Die Sammlung der Orientalische Handschriften und Blockdrucke der Staatsbibliothek zu Berlin steht hinsichtlich ihres Umfangs an zweiter Stelle in Europa. Diese Sammlung wird abhängig von Angebot und Etat ergänzt. Vorrangiges Ziel der Erwerbungen ist es, die in Deutschland auf den Markt kommenden Handschriften der allgemeinen öffentlichen Nutzung zuzuführen bzw. zu erhalten. 

Breite Auswahl

  • Quellen: Literarische Werke von namhaften Schriftstellerinnen und Schriftstellern und/oder als Zeugnisse bemerkenswerter literarischer Strömungen und Entwicklungen 
  • Bibliographien und Bibliothekskataloge mit dem Ziel der Vollständigkeit: Laufende, kumulative und retrospektive Nationalbibliographien sowie Verzeichnisse und Kataloge nationalbibliographischen Charakters; Fachbibliographien zu wichtigen orientalistischen und/oder regionalbezogenen Gebieten, Themen, Ereignissen oder Sachverhalten, soweit die verzeichnete Literatur anderweitig nicht zu ermitteln ist; Kataloge orientalischer Handschriften und Blockdrucke aller Art, weltweit 
  • Wissenschaftliche Forschungsliteratur einschließlich wissenschaftlicher Zeitschriften mit inhaltlich regionalem Bezug 

 Differenzierte Auswahl 

  • Anthologien/Chrestomathien: auch die einzelner Literaturgattungen sowie solche zu bestimmten Motiven und Themen nur, soweit sie Quellen- bzw. Nachschlagewert besitzen oder durch Neuartigkeit von Thematik oder Methode einen eigenen Wert haben 
  • Bildbände landeskundlicher Art, sofern über das Land kein oder nur mangelhaftes Bildmaterial vorhanden ist oder die Bilder neuartige gesellschaftsbezogene Aussagen enthalten; Kunstbildbände, die Quellen- bzw. Nachschlagewert besitzen, oder in denen das Material unter neuen wissenschaftlichen Gesichtspunkten dargeboten wird; Kunstbildbände über das Werk einzelner Künstlerinnen und Künstler von überregionaler oder erheblicher regionaler Bedeutung, insbesondere mit Werkverzeichnissen oder wissenschaftlichen Kommentaren 
  • Statistiken: nur amtliche bzw. offizielle allgemeine und Fachstatistiken zusammenfassender Art 
  • Enzyklopädien/Lexika: allgemeine in orientalischen Sprachen und/oder aus orientalischen Ländern, nur wenn von sprachwissenschaftlichem Wert oder mit überwiegend sonst nicht erhältlichen regionalbezüglichen Angaben; fachliche in europäischen oder orientalischen Sprachen nur mit Bezug auf das regionale bzw. sprachliche Profil der Orientsammlung 
  • Handbücher mit Bezug zum regionalen und/oder sprachlichen Profil der Orientsammlung , sofern ihr interdisziplinärer oder Überblickscharakter über den Wert von Einzeldarstellungen hinausgeht 
  • Referateorgane (auch Reviewliteratur, Fortschrittsberichte usw.) wenn sie über die Orientalistik insgesamt oder größere Teildisziplinen referieren, bibliographisch exakte Angaben und Register enthalten und die referierten Angaben auf anderem Wege nicht erhältlich sind 
  • Wörterbücher: ein- und mehrsprachige allgemeine und Fachwörterbücher, wenn sie über die Aktualität und den Aussagewert vorhandener Wörterbücher hinausgehen; hierzu zählen auch philologische Wörterbücher (etymologische, rückläufige, historische oder Häufigkeitswörterbücher usw.) und Abkürzungsverzeichnisse 
  • Lehrbücher und Grammatiken 
  • Biographien, Memoiren, Biographiensammlungen, Festschriften für Personen, Institutionen oder Ereignisse, Kongressberichte und -materialien sowie landeskundliche Literatur, sofern sie überregionale oder erhebliche regionale Bedeutung haben 
  • Hochschulschriften nur, soweit sie im Buchhandel erschienen sind 

Strenge Auswahl 

  • Reisebeschreibungen nur, wenn sie zuverlässige Aussagen bzw. Informationen über bislang wenig bekannte Gebiete enthalten oder aus der Feder namhafter Persönlichkeiten stammen oder die Werke von künstlerischer Qualität sind; wenn die beschriebenen Gebiete zeitweilig im Brennpunkt des öffentlichen Interesses stehen nur in einigen charakteristischen Beispielen; ältere Reisebeschreibungen von wissenschaftshistorischem Wert und/oder mit kritischem Apparat; auch Expeditionsberichte und -ergebnisse nur mit wissenschaftlichem (nicht touristischem) Charakter
  • Reiseführer nur, sofern sie nicht touristische, sondern auch detaillierte Angaben zur Landes-, Kunst- und Architekturgeschichte enthalten und die bereits vorhandenen Reiseführer nicht mehr aktuell sind 
  • Populäre bzw. populärwissenschaftliche Literatur nur, sofern der Verfasser ein namhafter Wissenschaftler oder zum Thema keine wissenschaftliche Darstellung erschienen ist; im übrigen nur vereinzelte Beispiele für besondere Methoden oder Ausstattungen solcher Werke 
  • Ausstellungskataloge, die über die Objektbeschreibung hinaus neue und umfangreiche Aussagen zum Thema machen (das gilt nicht für Belegexemplare) 
  • Heimatkundliche und naturkundliche Literatur nur, wenn von allgemeiner wissenschaftlicher Bedeutung 

Sprachliche Aspekte 

  • Übersetzungen belletristischer Werke aus orientalischen Sprachen ins Deutsche: nach den Kriterien für Belletristik oder wenn die Übersetzung einen hohen literarischen Eigenwert besitzt. 
  • Übersetzungen aus orientalischen in bekanntere Sprachen: nur wenn sowohl das Originalwerk als auch die Übersetzung einen hohen literarischen Eigenwert besitzen. 
  • Übersetzungen aus dem Deutschen in orientalische Sprachen: wenn die Übersetzung einen hohen literarischen Eigenwert besitzt und/oder mit einem kritischen Apparat bzw. inhaltsreichen Begleittext versehen ist. 
  • Wissenschaftliche Literatur aus einer orientalischen Sprache ins Deutsche oder in eine andere bekanntere Sprache: wenn das Original nicht zu beschaffen ist, die erwartete Gebrauchshäufigkeit eine Erwerbung rechtfertigt oder die Übersetzung durch Kommentar oder einen wissenschaftlichen Apparat neben dem Original einen Eigenwert für die Forschung besitzt. 
  • Übersetzungen aus dem Deutschen oder einer bekannteren Sprache in eine orientalische Sprache: nur, wenn die erwartete Gebrauchshäufigkeit dies rechtfertigt. 

Beschaffungsmöglichkeiten 

Die Möglichkeiten der Literaturbeschaffung aus den Ländern Afrikas und des Orients unterscheiden sich, bis auf wenige Ausnahmen, grundlegend von denen der entwickelten Länder Europas oder Nordamerikas. Die Schwierigkeiten treten je nach Entwicklungsstand in stärkerem oder geringerem Maße auf. 

Zum Teil sind Informationen über die erscheinende oder erschienene Literatur vielfach nur mit Schwierigkeiten oder indirekt und nur in seltenen Fällen kontinuierlich erhältlich. Die Zufälligkeit der Angebote gestattet in der Regel keine durchgehend planmäßige Erwerbung. Da in den meisten Ländern Afrikas und des Orients ein Netz eingespielter Buchhandelseinrichtungen fehlt, ist man sehr auf zufällige Kontakte angewiesen, die sich allerdings oft als unzuverlässig erweisen. Die Buchhändlerinnen und Buchhändler eines Landes verfügen selten über ein einheitliches Buchangebot. Daher sind Verbindungen zu mehreren ihnen, auch in der Provinz, erforderlich. Das gilt auch und insbesondere dann, wenn es sich um Publikationen handelt, die an einer offiziell oder real existierenden Zensur vorbei erscheinen und gerade deshalb von politischer bzw. historischer Relevanz sind. Es bietet sich der regelmäßige persönliche Besuch von Buchhandlungen, Verlagen, wissenschaftlichen Einrichtungen und Bibliotheken vor Ort in jenen Ländern als der verlässlichste Weg zur Anbahnung neuer und zur Pflege bestehender Kontakte mit den afrikanischen und orientalischen Literaturlieferanten an.

Der Schriftentausch mit Bibliotheken afrikanischer und asiatischer Länder bietet keine verlässliche Alternative: Der Aufwand ist erheblich höher, das Angebot der Tauschpartner meist sehr beschränkt und/oder zufällig. Dennoch ist in Ausnahmefällen der Tausch, gegebenenfalls sogar ohne exakten Wertausgleich, in Betracht zu ziehen.