Bestandsaufbau
Grundsätze des Bestandsaufbaus / Sondersammlungen
Ostasiensammlung
Das Erwerbungsprofil der Ostasienabteilung wird wesentlich durch die Beschaffung der Literatur zum Sondersammelgebiet Ost- und Südostasien definiert.
Da sich die Fachrichtungen der Ostasienwissenschaften seit jeher - insbesondere aber seit der stärkeren Betonung gegenwartsbezogener Forschung und der Einbeziehung moderner wissenschaftlicher Methoden - mit allen Bereichen wissenschaftlicher Studien in Bezug auf Ostasien beschäftigt haben, bezieht sich auch die bibliothekarische Sammeltätigkeit auf alle Länder dieser Region und ihre Publikationen. Hierzu gehören: Volksrepublik China (darin aufgegangen: Mandschurei, Innere Mongolei, Tibet, Hongkong und Macao), Taiwan, Mongolei, Japan, Nordkorea und Südkorea.
Fachliche Zuständigkeit besteht in erster Linie für die Geistes- und Sozialwissenschaften; in den Bereichen Technik, Medizin, Wirtschaftswissenschaften und Landbauwissenschaft, für die die jeweiligen Zentralbibliotheken zuständig sind, sowie in den reinen Naturwissenschaften werden nur Bibliographien und Darstellungen ihrer regional bezogenen Geschichte gesammelt. Bei spezifischen, in den Regionen eigenständigen kulturellen oder wissenschaftlichen Entwicklungen (z. B. Akupunktur) wird allerdings die relevante Literatur auch für die ausgenommenen Fachgebiete gesammelt. Ergänzend wird im Bereich der Wirtschafts- und der Landbauwissenschaften monographische Literatur in ostasiatischen Sprachen erworben, soweit ein Zusammenhang zu den Sozialwissenschaften besteht.
Die Staatsbibliothek zu Berlin hat ihren Sammelauftrag zu den unten aufgeführten Fachgebieten um kosten- und lizenzpflichtige elektronische Ressourcen erweitert. Volltext-, Fakten- und bibliographische Datenbanken, elektronische Zeitschriften, Zeitungen und Bücher werden erworben bzw. lizenziert, wenn eine überregionale Nutzung dieser Ressourcen mit den Lizenzgebern vereinbart werden kann. Grundlage hierfür ist zumindest die mögliche Nutzung durch die wissenschaftlichen Institutionen und deren Angehörige, die als Teilnehmer des "Blauen Leihverkehrs" bei der Staatsbibliothek zu Berlin registriert sind. Alle elektronischen Ressourcen werden über die Virtuelle Fachbibliothek Ost- und Südostasien - CrossAsia - angeboten.
Freie Internetquellen und -dokumente werden im Fachinformationsführer "Online Guide East Asia" nachgewiesen; eine dauerhafte Speicherung erfolgt dann, wenn es sich um amtliches Schrifttum handelt bzw. eine Genehmigung seitens der Rechteinhaber vorliegt.
Folgende im Sondersammelgebietsprogramm ausdrücklich genannten Fachgebiete stehen im Mittelpunkt der Sammeltätigkeit: Sprache, Literatur und Volkskunde, Geschichte einschließlich Sozial- und Wirtschaftsgeschichte, Recht, Politik, Verfassung, Verwaltung, Parteien, Gewerkschaften und ähnliche Verbände, Ethnologie, Ethnographie und Länderkunde, Vor- und Frühgeschichte, Völkerkunde, Erziehungs- und Hochschulwesen, wissenschaftliche Einrichtungen, Informations-, Buch- und Bibliothekswesen, Publizistik, Film, Rundfunk, Fernsehen, Religionen und Philosophie, Kunst, Musik, Theater, Tanz sowie Mathematik, Landbau, Medizin, Naturwissenschaften und Technik in ihren traditionellen regional-spezifischen Ausprägungen sowie Parlamentsschriften der Zentralparlamente.
Den Schwerpunkt der Erwerbung bilden die wissenschaftlich relevante Grundlagen- und die spezielle Forschungsliteratur. Außerdem wird aber in erheblichem Maße Literatur von informatorischem und dokumentarischem Wert aus allen Lebensbereichen der Regionen als Quellen für die Forschung erworben. Bei der sehr umfangreichen Literaturproduktion in Ostasien ist es jedoch mit den zur Verfügung stehenden Mitteln nicht möglich, eine relative Vollständigkeit zu erreichen.
Literarische Texte werden soweit wie möglich in Gesamtausgaben und Sammlungen als Quellen für die Forschung gesammelt. Derartige Editionen sind in Ostasien beliebt und erscheinen auch für die Gegenwartsliteratur in großem Umfang. Dagegen wird insbesondere in den sozialistischen Ländern der Region die Literatur überwiegend in Einzelausgaben veröffentlicht. Eine eindeutige Abgrenzung zur Trivialliteratur ist nicht immer möglich.
Es wird angestrebt, die wichtigsten Fachzeitschriften und eine repräsentative Auswahl aktueller informatorischer Zeitschriften zu erwerben. Aus den einzelnen Ländern wird eine kleine Anzahl wichtiger Tageszeitungen erworben, nach Möglichkeit in gebundener oder ggf. auch in elektronischer Form.
Amerikanische Dissertationen zur Ostasienwissenschaft werden auf Benutzerwunsch hin und nach Referentenentscheidung einzeln beschafft. Quellenmaterialien in Mikroform zur Region wird in Abstimmung mit anderen Bibliotheken erworben. Nicht-konventionelle Materialien aus Ost- und Südostasien werden an der Bibliothek des Instituts für Asienstudien des German Institute of Global and Area Studies (GIGA) in Hamburg gesammelt.
Grundlegende Literatur aus Ostasien über Deutschland wird in Auswahl gesammelt.
Amtliche Veröffentlichungen erwirbt die Staatsbibliothek für Japan und Südkorea durch internationale Tauschabkommen. Für die übrigen Länder der Region bemüht sich die Staatsbibliothek, amtliche Publikationen durch Kauf oder Geschenk zu erwerben. In elektronischer Form werden diese im Rahmen der Virtuellen Fachbibliothek Ost- und Südostasien - CrossAsia - nachgewiesen, dauerhaft auf Servern gespeichert und angeboten.
Der Druckschriftenbestand der Ostasiensammlung wird durch umfangreiche Sammlungen im Bereich der ostasiatischen Blockdrucke und Handschriften (hier besonders die Sinica, Japonica, Mandschurika, Tibetika, Turfan-Sammlung) ergänzt.
Durch den Sammelschwerpunkt Topographische Karten und den Umfang der Erwerbungen im Rahmen der Kartensammlung ist eine besondere Beschaffungstiefe gewährleistet. Die osteuropäische Literatur zu den Ostasienwissenschaften wird im Kontext der Osteuropasammlung erworben.
China
Die Erwerbung erstreckt sich fast ausschließlich auf Neuerscheinungen und Nachdrucke vormoderner Werke. Die Schwerpunkte für den gesamten thematischen Bereich liegen auf den Geisteswissenschaften und den Sozialwissenschaften (mit einer Betonung des Fachgebiets Recht). Es wird darüber hinaus versucht, die ganze Breite des Spektrums der chinesischen Kultur zu berücksichtigen, wobei auch vergleichsweise abgelegene Gebiete wie Trivialliteratur, Film- und Kinderbücher, Propagandaschriften von Parteien und Gewerkschaften einbezogen werden.
Für die Beschaffung chinesischsprachiger Literatur stehen in der Hauptsache drei Märkte zur Verfügung, die technisch und von ihrer Ausrichtung her grundverschieden sind, in denen aber durchweg halbwegs geregelte Buchhandelskonditionen gelten: Taiwan mit seinem aktuellen Buchmarkt und seiner starken Nachdrucktätigkeit für klassische Werke, Hongkong als Lieferant für den Markt der starken Überseechinesengemeinden (neben der begrenzten eigenen Literaturproduktion in Hongkong wird das reichliche Angebot an Nachdrucken der Literatur der Zeit 1920 - 1960 genutzt), die Volksrepublik China mit ihren Eigenheiten in politischer und wirtschaftlicher Hinsicht und ihrer in den letzten Jahren stark gestiegenen Nachdrucktätigkeit für vormoderne chinesische Werke.
Der Literatur über China in westlichen Sprachen wird große Aufmerksamkeit gewidmet. Es wird versucht, die Neuerscheinungen weitgehend vollständig zu erwerben; die Auswahlkriterien werden dabei sehr weit gefasst. Kaum weniger intensiv werden darüber hinaus westlichsprachige Publikationen aus den asiatischen Ländern erworben. Die umfangreiche Literatur über China in japanischer Sprache wird bei der Erwerbung japanischer Literatur berücksichtigt. Die japanischen Arbeiten zu Politik, Wirtschaft und Recht Chinas, aber auch zu geisteswissenschaftlichen Themenbereichen (Sinologie), haben große Bedeutung.
Japan
Japan hat einen geregelten Buchmarkt und leistungsfähige Buchhändler. Die Schwierigkeiten der Beschaffung liegen in der Publikationsmenge, den inflatorisch steigenden Preisen, den kleinen Auflagen und entsprechend kurzen Zeiten der Lieferbarkeit bei Neuerscheinungen. Publikationsmenge und Preise zwingen zur Auswahl, das schnelle Verschwinden vom Markt zur beschleunigten Auswahl und Bestellung wie auch zur Benutzung der bestmöglichen bibliographischen Unterlagen.
Aus den umfangreichen Publikationen der schönen Literatur werden zumindest Bestseller ausgewählt, zur Kunst in erster Linie Nachschlagewerke und Werke zur Kunstgeschichte.
Bei der wissenschaftlichen Literatur wird grundsätzlich versucht, der gesamten fachlichen Breite des Sondersammelgebiets durch die Anschaffung der relevanten Literatur Rechnung zu tragen. Besondere Berücksichtigung erfahren dabei das Fachgebiet Recht und infolge Nachholbedarfs auch die Bereiche Sozialwissenschaften und Politik seit 1868, Erziehungswesen und Volkskunde sowie gegenwartsbezogene Japanforschung allgemein.
Wissenschaftliche Literatur über Japan in westlichen Sprachen wird umfassend erworben.
Bei der Erwerbung von Referenzliteratur wird Vollständigkeit angestrebt; dies gilt insbesondere für Bibliographien, biographische Nachschlagewerke, biographische, terminologische und Sachlexika, Jahrbücher zu den Fachgebieten der Sondersammelgebiete und Festschriften für wissenschaftliche Einrichtungen, Universitäten, Verlage und Wissenschaftler (wegen der meist enthaltenen Bibliographien bzw. Biobibliographien). Bei den Lexika finden auch die sonst ausgesparten naturwissenschaftlich-technischen Bereiche selektiv Berücksichtigung.
Chinesische und koreanische Literatur über Japan wird ebenso berücksichtigt wie japanische Literatur zur China-Forschung und Sinologie. Besondere Aufmerksamkeit wird auf die Literatur aus den ehemaligen japanischen Kolonialgebieten (Taiwan, Korea, Mandschurei und besetzte Gebiete in China) des Zeitraums 1895 bis 1945 gelegt.
Korea
In der Vergangenheit lag der Schwerpunkt der Erwerbungen aus Korea fast einseitig auf Sprache, Literatur und Landeskunde. Seit den sechziger Jahren des 20. Jahrhunderts ist jedoch eine schwerpunktmäßige Hinwendung zu den Sozialwissenschaften sowie zur Kunst zu verzeichnen. Durch gezielte Nachbeschaffung wurde auch dem Recht Rechnung getragen. Im Hinblick auf den Lesesaal werden mit besonderer Intensität Nachschlagewerke bibliographischer, biographischer und lexikalischer Art gesammelt.
Für die Ostasienwissenschaft ist es wichtig, den ostasiatischen Raum über den Rahmen der einzelnen Länder hinaus als Ganzes zu betrachten, das trotz ländertypischer Besonderheiten und Unterschiede eine kulturhistorische, politische und wirtschaftliche Gemeinsamkeit und Wechselwirkung zeigt. In diesem Zusammenhang richtet sich eine besondere Aufmerksamkeit auf die Veränderung der politischen und wirtschaftlichen Lage in und um Nordkorea, die eine große Auswirkung auf den gesamten ostasiatischen Raum haben wird. Für die Koreasammlung liegt daher ein besonderer Schwerpunkt auf der Erwerbung in diesem Themenbereich.
Soweit es im Handel zugängliche Neuerscheinungen betrifft, ist die Literaturversorgung aus Südkorea sehr gut. Angesichts der enormen Publikationsmenge in Südkorea ist es jedoch mit den zur Verfügung stehenden Mitteln nicht möglich, eine relative Vollständigkeit zu erreichen. Nordkoreanische Veröffentlichungen konnten in der Vergangenheit nur über Hongkong und Japan erworben werden, jüngst ist der direkte Bezug durch einen nordkoreanischen Lieferanten möglich geworden. So können die wissenschaftlichen Publikationen aus Nordkorea annährend vollständig erworben werden.
Literatur über Korea in westlichen Sprachen wird möglichst umfassend erworben.
Zentralasien
Hinsichtlich der originalsprachlichen Erwerbungen umspannt der Begriff "Zentralasien" vor allem die Sprachen Mongolisch, Tibetisch und Uigurisch. Geographisch sind darunter die Mongolei sowie die im Westteil der Volksrepublik liegenden Autonomen Gebiete und Provinzen Neimenggu (Innere Mongolei), Gansu, Qinghai, Sichuan, Xizang (Tibet) sowie Xinjiang (Ostturkestan) zu verstehen. Hinzu kommen als Teil der Russischen Föderation die Republik Burjatien, wo eine Variante des Mongolischen gesprochen wird, die tibetischsprachigen Gebiete der an den Himalaya grenzenden Länder Indien, Bhutan, Nepal und Pakistan sowie die tibetischen Exilgemeinden in Indien und einigen anderen Ländern.
Mongolica stammen fast ausschließlich aus der Mongolei und aus China. Die Zahl der in der Mongolei gedruckten Publikationen hat seit Mitte der neunziger Jahre deutlich zugenommen und ist dank der politischen Entwicklung, die das Land seitdem genommen hat, auch weitgehend frei von zensorischen Eingriffen des Staates wie sie in China bei den "Minderheitensprachen" üblich sind. Aus der Mongolei werden vor allem Publikationen aus den Bereichen Geschichte, Literatur, Sprache, Religion, Ethnologie, Kultur und Politik in großer Breite erworben, Veröffentlichungen aus anderen Fachgebieten in Auswahl. Dasselbe gilt für die aus der Volksrepublik China stammenden Mongolica, deren Zahl derzeit etwa die Hälfte dessen ausmacht, was aus der Mongolei erworben wird. Die Zahl der burjatischsprachigen Mongolica aus Russland ist relativ beschränkt und besteht überwiegend aus literarischen Beiträgen.
Veröffentlichungen in tibetischer Sprache kommen zum überwiegenden Teil aus China einschließlich Hongkongs, das wegen seiner etwas liberaleren Praxis von machen Autoren bevorzugt wird. Daneben gibt es eine tibetischsprachige Buchproduktion in Indien, die aber in quantitativer Hinsicht deutlich hinter den Produktionszahlen der Volksrepublik zurückbleibt. Bei den Tibetica ist der Bereich der Religion überproportional vertreten, was dem hohen Stellenwert entspricht, der dem Buddhismus in der tibetischen Kultur zukommt. Daneben sind literarische Werke sowie Publikationen aus den Bereichen Geschichte, tibetische Medizin und Politik vertreten.
Uigurica stammen aus dem Autonomen Gebiet Xinjiang. Hier ist ein deutliches Überwiegen literarischer Veröffentlichungen festzustellen. Daneben gibt es viele Werke zur Geschichte, wobei der Themenkomplex der Erforschung Ostturkestans durch europäische und amerikanische Expeditionen zu Beginn des zwanzigsten Jahrhunderts einen beachtlichen Raum einnimmt. Veröffentlichungen aus anderen Fachgebieten sind vergleichsweise marginal, was auch für das Thema Islam festzustellen ist. Neben Publikationen in Uigurisch kommen aus Xinjiang auch kleinere Kontingente in den Turksprachen Kasachisch und Kirgisisch, ferner Oiratisch (Westmongolisch) und wenige Mandschurica.
Über die originalsprachige Seite hinaus umfasst der Sammelauftrag der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) auch Literatur zu den skizzierten geographischen Räumen in anderen Sprachen. Sie umfasst ein breites Spektrum und wird nach den allgemeinen Richtlinien erworben. Für die Mongolei und Xinjiang sind historische Werke stark vertreten. Im Falle Tibets sind wiederum Veröffentlichungen zum tibetischen Buddhismus vorherrschend, die oft in den Bereich der Philosophie übergreifen, zum Teil aber auch in die Esoterik abgleiten. Eine quantitativ begrenzte Rolle spielen Veröffentlichungen zu historisch-politischen Themen, insbesondere die Tibet-Frage und die Menschenrechte.
Beziehung zu anderen Sammlungsbereichen der Staatsbibliothek zu Berlin
Mit der Kartenabteilung wird bei der Erwerbung von Karten und Atlanten der Region eng zusammengearbeitet. Durch den Sammelschwerpunkt Topographische Karten und den Umfang der Erwerbungen der Kartenabteilung ist eine besondere Beschaffungstiefe gewährleistet.
Die Osteuropa-Abteilung erwirbt die Literatur zu den Ostasienwissenschaften aus ihrem regionalen Zuständigkeitsbereich.

