Diese Website setzt Cookies ein. Für die Nutzungsanalyse wird die Software Piwik verwendet.
Wenn Sie der Nutzungsanalyse widersprechen oder mehr über Cookies erfahren möchten, klicken Sie bitte auf die Informationen zum Datenschutz.

Bestandsaufbau

Grundsätze des Bestandsaufbaus / Sondersammlungen

Sammlungen der Handschriftenabteilung

Die Erwerbung von abendländischen Handschriften, Nachlässen und Autographen, Inkunabeln, Einblattmaterialien sowie der zugehörigen Forschungsliteratur orientiert sich vornehmlich an den überkommenen, unter dem Gesichtspunkt der Quellenrelevanz innerhalb der Staatsbibliothek zu Berlin als einer wissenschaftlichen Universalbibliothek seit über drei Jahrhunderten zielbewusst aufgebauten Beständen. Naturgemäß bleibt die Ergänzung durch Kauf auf in- und ausländischen Auktionen, in Antiquariaten und von Privathand sowie durch Geschenk abhängig von einschlägigen Angeboten, die oft nur auf Zufallsinformationen beruhen, sowie von ausreichenden Etat- und Sondermitteln. Dennoch wird stets angestrebt, die einzelnen Sammlungsbereiche möglichst parallel und vom Niveau her gleichmäßig unter Berücksichtigung der im Folgenden hervorgehobenen Schwerpunktsetzungen zu ergänzen. 

Allgemein hat bei Erwerbungen von Einzelstücken, Konvoluten und Ensembles der individuelle textliche oder bildinhaltliche Quellenwert vom wissenschaftlich-entstehungsgeschichtlichen oder künstlerischen Standpunkt aus Vorrang vor rein museal-kalligraphischen Ab- und Reinschriften, vor gattungs- und techniktypischen wie überhaupt vor zeittypischen und volkskundlichen Aspekten. Zeugnisse zum Werk insbesondere im Austausch mit anderen Persönlichkeiten (Korrespondenzen) werden immer bevorzugt gegenüber bloßen Lebensdokumenten einer Persönlichkeit erworben. Auch provenienzgeschichtliche Gesichtspunkte und bei gedruckten Materialien Seltenheit oder Einzigartigkeit (Unika) spielen bei Erwerbungsentscheidungen eine Priorität setzende Rolle. 

Abendländische Handschriften 

Handschriften des Mittelalters werden, soweit es überhaupt möglich ist, mit universellem Anspruch sowohl in vollständigen Codices als auch als Fragmente (besonders ältere Dokumente) gekauft. Schwerpunkte gibt es bei den theologischen und fachwissenschaftlichen lateinischen und griechischen sowie den deutschen bzw. germanischen literarischen Texthandschriften; doch werden auch slawisch- und romanischsprachige Handschriften in einem breiteren Spektrum erworben. Besonderes Augenmerk gilt den illuminierten Handschriften sowohl aus bekannten Werkstätten als auch aus der breit gestreuten Produktion für die Bereiche der Frömmigkeit und Populärwissenschaften. 

Neuzeitliche Buchhandschriften werden nur ausnahmsweise, wenn bedeutende Texte und Bilder individueller Prägung enthalten sind, erworben. 

Nachlässe und Autographen 

Es werden besondere Anstrengungen unternommen, um die schriftlichen Hinterlassenschaften überregional bzw. national bedeutender deutscher Persönlichkeiten aus Wissenschaft, Kunst und Kultur neu zu erwerben oder durch inhaltlich relevante Einzelautographen zu ergänzen. Schwerpunkte liegen z. B. auf der deutschen idealistischen Philosophie, dem literarischen Naturalismus und auf den Naturwissenschaften des 19./20. Jahrhunderts. Erwerbungsverhandlungen werden nach vereinbarter Abgrenzung und Absprache mit anderen sammelnden Bibliotheken, Literaturarchiven u.a. Instituten bevorzugt in Berliner und ehemaligen preußischen kulturellen und universitären Bereichen aufgenommen, und zwar nach Möglichkeit bereits mit den Personen selbst (Vorlass-Verhandlungen). 

Es wird Wert darauf gelegt, die Nachlässe möglichst vollständig mit Werkmanuskripten und Korrespondenzen und in Auswahl mit Lebensdokumenten und Sammelstücken (ohne die Bibliotheken) zu erwerben und zu erhalten.

Inkunabeln 

Bei der Erwerbung von Drucken des 15. Jahrhunderts wird wegen des von der Staatsbibliothek zu Berlin herausgegebenen „Gesamtkatalogs der Wiegendrucke“ eine umfassende Sammlung paradigmatischen Charakters gepflegt. Vorrang haben jeweils unikale, sehr seltene bzw. in Deutschland sonst nicht vorhandene Exemplare sowie Ausgaben, deren Texte bisher in der Sammlung nicht enthalten oder deren Offizinen und Typenmaterialien bisher nicht vertreten sind. Exemplare mit handschriftlichen Anmerkungen zeitgenössischer Leser und anderen Gebrauchsspuren (Besitzeinträge, Bücherpreise) und historisch wichtigen Einbänden werden bevorzugt erworben. 

Einblattmaterialien 

Es werden durch laufende Zukäufe von Konvoluten (Einzelstücke nur in Ausnahmefällen) die drei großen Spezialbestände ergänzt: 

  • Einblattdrucke zur deutschen Geschichte und Kulturgeschichte, deren Charakteristikum die Bild-Textrelation mit propagandistischer Zielsetzung ist (keine autonome künstlerische Graphik, keine Gebrauchs- und Akzidenzgraphik, Plakate usw.) Schwerpunkte liegen auf dem Dreißigjährigen Krieg, der Revolution 1848, dem Krieg 1870/71, den Weltkriegen und dem Kalten Krieg. 
  • Porträtsammlung: Originale, Graphiken und Fotos von Persönlichkeiten aus historischen und kulturhistorischen Bereichen ohne nationale Abgrenzungen. Vorrang bei der Erwerbung haben Beziehungen zu herausragenden Beständen der Bibliothek. 
  • Exlibris: Historisch orientierte Sammlung von internationalem Zuschnitt. Schwerpunkte liegen in der künstlerischen Graphik um 1900 und in neuerer Zeit in der Graphik aus Osteuropa. 

Handbibliothek 

Die Bibliothek des Handschriftenlesesaals dient sowohl als interne Hand- und Referenzbibliothek zur Erschließung der Bestände als auch als Forschungsbibliothek für die Benutzung der Bestände. Die Erwerbungen für ihren weiteren Aufbau konzentrieren sich auf: 

  • Fachbibliographien, Lexika, Handbuch- und u. a. Referenzliteratur sowie vor allem Kataloge von abendländischen Handschriften-, Nachlass-, Autographen-, Inkunabel- und Einblattbeständen, weltweit mit dem Ziel der Vollständigkeit. Dabei sind auch Verkaufskataloge. 
  • Wissenschaftliche Literatur und Zeitschriften zur Handschriftenkunde allgemein, zur Paläographie, Buchmalerei, Inkunabelkunde, Einblattdruckkunde sowie Einbandkunde (Mittelalter und frühe Neuzeit) in großer Breite. 
  • Faksimileausgaben herausragender wissenschaftlich bearbeiteter Handschriften und Inkunabeln. 
  • Ausgaben mittelalterlicher und neuzeitlicher Autoren in bestandsbezogener enger Auswahl. 

Belegsammlung 

Literatur zu den Beständen der Handschriftensammlung wird ebenfalls möglichst vollständig gesammelt. Dies umfasst z.B. auch Sonderdrucke, Ausschnitte oder Kopien, die in der Regel als kostenlose Belegexemplare abgegeben werden.