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E.-T.-A.-Hoffmann-Archiv

Hoffmanns Wohnung in der Taubenstraße und Umgebung (der sog. Kunzische Riss)

Federzeichnung Hoffmanns, Original verschollen. in: E.T.A. Hoffmanns Briefwechsel. Gesammelt und erläutert von Hans von Müller und Friedrich Schnapp. Herausgegeben von Friedrich Schnapp. 2. Band, Berlin 1814-1822, München 1968, nach S. 66.
Staatsbiblioth
Hoffmanns Wohnung in der Taubenstraße und Umgebung (der sog. Kunzische Riss)

Federzeichnung Hoffmanns, Original verschollen. in: E.T.A. Hoffmanns Briefwechsel. Gesammelt und erläutert von Hans von Müller und Friedrich Schnapp. Herausgegeben von Friedrich Schnapp. 2. Band, Berlin 1814-1822, München 1968, nach S. 66 (Signatur 1a : 164196-2)

Dazu Friedrich Schnapp (ebd., S. 65-67):Hier hat H. zunächst seine neue Wohnung [...] im Haus des Geheimen OberBauraths von Alten, im Grundriß dargestellt. Der Eingang befindet sich TaubenStraße No 31; zwei Treppen hinaufsteigend gelangt man auf einen Flur, von dem eine Nebentür in die Küche mit dahinter gelegener DomestikenStube, die Haupttür in die eigentliche Wohnung führt. Sie besteht aus einem Vorzimmer, dem PrunkZimmer, dem Zimmer der Frau (dessen Eckfenster H. während seiner letzten Krankheit als Ausguck benutzte), der ArbeitsStube, dem SchlafCabinet (worin H. und Frau in ihren Betten ruhen) und einem Cabinet. 5 Fenster gehen auf die Taubenstraße, 3 auf die Charlottenstraße. Aus dem mittleren dieser 3 Fenster, dem des Arbeitszimmers, guckt der RegierungsRath Hoffmann heraus: die dampfende Pfeife im Munde wendet er sich seinem Nachbarn, dem Schauspieler Devrient zu, der seinerseits, ebenfalls rauchend, aus seiner im selben Hause gelegenen Wohnung, Charlottenstraße 38, zu H. hinüberblickt. [...] Inmitten dieses Marktes erhebt sich Langhans' Schauspielhaus [vgl. unten, Bild 4], flankiert durch die beiden Zwillingsdome, die französische Kirche und die deutsche Kirche. Auf den Kuppen der Gotteshäuser sitzen zwei Gloekner, die mit einer großen Glocke in der Hand einander zuläuten; den Giebel des Kunsttempels hat dagegen ein Affe erklettert.

In diesem TheaterGebaüde, dessen Eingang auf der JägerStraße liegt, findet gerade eine TanzProbe statt, und im Orchesterraum, bei leerem Parterre, üben Choristen. Im DirektionsZimmer drängen sich 4 servil gebückte Dichter dem stocksteif und in der Uniform eines Kammerherrn zugeknöpft dastehenden General-Intendanten Graf Brühl entgegen. Dieses Allerheiligste geht auf die Taubenstraße; sehr passender Weise stehen draußen vor der Schmalseite des Theaters, wohl noch von der Siegesfeier her, 2 qualmende Pylonen - Rauchfaß No 1 und Rauchfaß No 2. In die Restauration im Theater schleppt indessen - die TheaterUhr zeigt 12 - der dicke Capellm[eister] Weber, dessen kahler Kopf vor Anstrengung raucht, auf beiden Armen offenbar kulinarische Genüsse herbei, während vor ihm eine Unzahl Beefsteaks den Boden pflastern; zu ihren Seiten je ein Pokal Madeira und Chambertin. Rechts von dem imposanten Musikdirektor steht der zierliche Kreisler mit gekreuzten Armen und blickt ihn erwartungsvoll an. [...]

Von anderen persönlichen Bekannten H.s sind auf der Zeichnung dargestellt der schon genannte Geh. OberBaurath von Alten, wie er einen Zollstock an eine Mausefalle legt, die er im gotischen Kirchenstil erbaut hat. Ferner der Baron Fouqué aus Nennhausen in Uniform und Federhut in offenem Wagen sitzend, wie er sich die Taubenstraße entlang im Galopp kutschieren läßt. Sodann - bescheidener zu Fuß - zwei bedeutendere Männer, Ludwig Tiek (mit Spazierstock, aus Ziebingen zu Besuch gekommen), gefolgt von Brentano, beide die MarkgrafenStraße entlang schlendernd. [...] Hr. Kunz aus Bamberg hat sich in die Restaurat[ion] u: Große Weinstube bey Schonert an der Ecke Markgrafen- und Taubenstraße begeben, wo er die riesigen WeinZettel und SpeiseZettel studiert [...]. Die nähere Umgebung von H.s Wohnung bietet Herrn Kunz aber noch mehrere Möglichkeiten zur Restaurierung: die Italiänische Handl[ung] bey Thiermann auf der JägerStraße, wo es Austern, Caviar pp gibt und wo außerdem Extrafeiner Rum zu haben ist (Hoffmann hatte sie bereits in den Abentheuern der Sylverster-Nacht öffentlich gerühmt); die Italiänische Waarenhandlung Moretti auf der Französischen Straße, in deren Schaufenster allerlei Spezialitäten locken und woselbst ebenfalls Extrafeiner Rum lagert, sowie die Restaurat[ion] u: Weinstube - nebst Weinhandel - Lutter & Wegner, H.s späteres Hauptquartier, auf der Charlottenstraße, Ecke Französische Straße [vgl. unten, Bild Nr. 5], woselbst sich zwei Gäste niedergelassen haben. Weit weniger anziehend als diese einladenden Stätten ist das entlegenere Kammergericht [vgl. Bild Nr. 6] im äußersten Winkel oben rechts der Zeichnung, vor dem sich - in angemessener Entfernung - ein Anonymus zu einem unaufschiebbaren Geschäft niedergekauert hat.