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Pressemitteilungen | Neuigkeiten

Architektenwettbewerb für die Wiederherstellung der Staatsbibliothek Unter den Linden und für den Neubau eines großen Lesesaals entschieden

Am 2. März 2000 hat die Jury im Architekturwettbewerb zur Erweiterung und Grundinstandsetzung der Staatsbibliothek zu Berlin - Preußischer Kulturbesitz, Haus Unter den Linden, entschieden.

Folgende Preisträger wurden ermittelt:

  1. Preis: Prof. HG Merz Architekt; Stuttgart/Berlin
  2. Preis: Thomas Müller, Ivan Reimann; Berlin
  3. Preis: Diener + Diener Architekten; CH-Basel/Berlin und Prof. Adolf Krischanitz; A-Wien
  4. Preis: Gruber + Kleine-Kraneburg Architekten; Frankfurt/Main

Der Wettbewerb wurde im Auftrag der Stiftung Preußischer Kulturbesitz durch das Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung ausgelobt. Das Haus Unter den Linden ist neben dem Scharounbau am Kulturforum eines der beiden Häuser der Staatsbibliothek zu Berlin, der größten wissenschaftlichen Universalbibliothek in Deutschland.

Nach einem europaweiten Bewerberauswahlverfahren wurden 15 Architekturbüros auf der Grundlage der Entscheidung eines Auswahlgremiums zum Wettbewerb eingeladen. 14 Architekten reichten Entwürfe ein. Aufgabe des Wettbewerbes war ein gestalterisches Konzept für ein neues Zentrum innerhalb des bestehenden denkmalgeschützten Gebäudes und die Entwicklung eines Erschließungskonzeptes.

Das Gebäude der Staatsbibliothek wurde 1903 - 1914 nach den Plänen des Architekten Ernst von Ihne errichtet und ist mit seinen Abmessungen von 170 x 106 m eine der größten historischen Gebäudekomplexe in der Mitte Berlins. Bis heute hat der für die Königliche Bibliothek errichtete Bau nach der Zerstörung des zentralen Kuppellesesaales - dem Herzstück der Bibliothek - seine volle Funktionalität nicht wieder erreicht.

Nach der Vereinigung der in beiden Teilen Berlins entstandenen Nachfolgeinstitutionen der Preußischen Staatsbibliothek 1992 erhielt das Gebäude Unter den Linden ein neues Aufgabenprofil, das der Stiftungsrat der Stiftung Preußischer Kulturbesitz 1999 bestätigte. Auf der Grundlage des Unterbringungskonzeptes, das die historischen Druckschriften der ehemaligen Preußischen Staatsbibliothek, Handschriften und Autographen, Musikalien, Karten, Zeitungen und Kinder- und Jagendbücher beinhaltet, soll ein Zentrum für bestandbezogene historische und wissenschafthistorische Forschung entstehen. Das Gebäude soll hierfür eine dem internationalen Stellenwert dieses einmaligen Bestandes wissenschaftshistorischer Quellen und Dokumente des kulturellen Erbes adäquate Archivierung und Präsentation ermöglichen und den Benutzern aus aller Welt hervorragende Arbeitsbedingungen bieten.

Kern der Wettbewerbsaufgabe war es, im Innern der vorhandenen denkmalgeschützten Altbausubstanz auf einer Grundfläche von ca. 45 x 65 m einen neuen Dienstleistungsbereich der Bibliothek mit insgesamt 7.700 m² Hauptnutzungsfläche (HNF) zu entwerfen, zu dem ein allgemeiner Lesesaal und ein Forschungslesesaal (zusammen 250 Plätze ca. 1.700 m² HNF) mit einem freizugänglichen Buchbestand von rund 350.000 Bänden (ca. 2.200 m² HNF), ein Raralesesaal für die kostbarsten Bücher (525 m² HNF) sowie Ausstellungsräume mit einer Schatzkammer gehören, in der die Bibliothek die von ihr verwahrten Dokumente des kulturellen Erbes auch einer breiten Öffentlichkeit zeigen kann (ca. 700 m² HNF).

Für die dauerhafte und geschützte Aufbewahrung sind im Untergeschoß Tresormagazine vorgesehen, die den internationalen Anforderungen des Kulturgutschutzes entsprechen (ca. 3.100 m² HNF).Mit der Entscheidung der Jury am 2. März 2000 ist die Voraussetzung geschaffen für die Wiedergewinnung der vollen Funktionalität des Gebäudes Unter den Linden in der historischen Bildungs- und Kulturlandschaft aus Museumsinsel, Humboldt-Universität und Staatsbibliothek in der Berliner Mitte.

Der Siegerentwurf nimmt die historische Idee des Lesesaales als Zentrum des Gebäudes in einer modernen Architektursprache auf und schafft mit seinem würfelförmigen "Lichtkörper" eine monumentale Dimension. Zugleich umschließt er die Hauptlesesaalebene optisch wirksam mit auf mehreren Ebenen angeordneten Büchern. Im Gesamteindruck entsteht so gleichsam ein "Haus des Buches".

Der Entwurf des 2. Preisträgers entwickelt dagegen eher ein Modell, das eine kontemplative Leseatmosphäre um einen Bibliotheksgarten zum Inhalt hat. Die Präsidenten der Stiftung Preußischer Kulturbesitz und des Bundesamtes für Bauwesen und Raumordnung begrüßen das Ergebnis und sprechen sich für einen raschen Baubeginn aus.