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Pressemitteilungen | Neuigkeiten

Bestände verschiedener Bibliotheken im Februar aus Russland zurückgekehrt

Am 7. Februar 2003 kehrten rund 180 Zeitungstitel mit insgesamt etwa 86. 000 Ausgaben durch Vermittlung der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) aus Russland nach Deutschland zurück. Die Bestände werden seither in der Zeitungsabteilung der Staatsbibliothek zu Berlin treuhänderisch verwaltet und gesichtet.

Die überwiegend aus verschiedenen deutschen Bibliotheken stammenden Titel wurden während des Zweiten Weltkriegs ausgelagert und nach 1945 nach Moskau verbracht, wo sie in die Lenin-Bibliothek (jetzt Russische Staatsbibliothek) gelangten. Die DFG hat seit vielen Jahren gute Beziehungen zu einer Reihe von Bibliotheken im östlichen Europa, so auch zur Russischen Staatsbibliothek.

Anlieferung der Bestände am Freitag, 7. Februar 2003

 

Sichtung und Sortierung ergaben

 

  • 180 Zeitungstitel, von denen 30 bislang in Deutschland überhaupt nicht nachgewiesen sind
  • 86.600 Ausgaben liegen vor in
  • 760 Bänden, Bündeln, Schubern, davon

    • 42 aus der Preußischen Staatsbibliothek und Königlichen Hausbibliothek,
    • 19 aus dem Geheimen Staatsarchiv Preußischer Kulturbesitz,
    • 284 mit erkennbaren Provenienzen außerhalb Berlin (u.a. Sächsische Landesbibliothek Dresden, Herzogliche Meiningische Bibliothek, Ernst-August-Bibliothek Hannover),
    • 415 sind ohne erkennbare Provenienzen.

Die Ausgaben stammen überwiegend aus dem 19. Jahrhundert und der ersten Hälfte des 20. Jahrhundert.

Beispiele aus den Beständen, teilweise mit eindeutiger Provenienz

Gnädigst privilegirtes Leipziger Intelligenzblatt — Leipzig: 1766-1843
Das Gnädigst privilegirte Leipziger Intelligenzblatt von 1766 ist das älteste Stück der aus der Russischen Staatsbibliothek Moskau zurückgegebenen Zeitungen. Der Band fällt durch seinen einst prächtigen Ledereinband auf. Die Signatur „Oecon A161" wird bei der Suche nach der Provenienz helfen.

Jenaische Zeitungen von gelehrten Sachen — Jena: 1778
Die Jenaischen Zeitungen von gelehrten Sachen von 1778 sind eindeutig der Herzoglichen S. Meiningischen Bibliothek zuzuordnen.

Gothaische gelehrte Zeitungen — Gotha: 1792, 1797
Die Gothaischen gelehrten Zeitungen von 1792 enthalten überwiegend Rezensionen und Kulturnachrichten. Das Ex libris „Ex Bibliotheca electoralis publica“ von 1792 ist noch nicht eindeutig zuzuordnen. Vermutlich gehört es zu Meinigen, zumal der Band von 1797 einen eindeutigen, wenn auch mehrfach überstempelten Besitznachweis der Herzoglichen S. Meiningischen Bibliothek aufweist.

Bamberger Zeitung — Bamberg: 1799
Dieser Band der Bamberger Zeitung ist ein Separatum: Er enthält, erschienen von 1799 -1805, sieben Artikel über das Auffinden der altsächsischen „Heliand-Handschrift“ und Übersetzungen aus dieser Handschrift. Diese separat gebundene Artikelserie befand sich im Besitz der Preußischen Staatsbibliothek, deutlich erkennbar an dem Besitzstempel auf der zweiten Seite des ersten Artikels. Im Vorsatz der Bamberger Zeitung sind neben der Signatur der Staatsbibliothek handschriftliche Notizen zum Inhalt der Artikelserie.

Allergnädigst privilegirtes Leipziger Intelligenzblatt — Leipzig: 1826
Der Besitzstempel belegt das Exemplar als Eigentum der Bibliotheca Regia Dresdensis. In der Ausgabe vom 14.1.1826 ist die für Bibliothekare äußerst wichtige Bekanntmachung zum Pflichtexemplar von Büchern abgedruckt.

Journal de Francfort — Frankfurt: 1829, 1843-45, 1848
Das Journal de Francfort enthält mit Datum vom 1.1.1843 einen Jahresrückblick auf das Jahr 1842. Der Besitzstempel ist kaum lesbar, aber im Vergleich mit ähnlichen Stempeln in anderen Bänden unschwer der bereits verifizierten Ernst-August-Bibliothek Hannover zuzuordnen.

Freimaurer-Zeitung — Leipzig: 1847, 1900, 1901
Die Freimaurer-Zeitung von 1847, dem ersten Jahrgang, verfügt über einen eindeutigen Besitzstempel der Preußischen Staatsbibliothek.

Illustrirte Zeitung — Leipzig: 1843-1918
Die in Leipzig erschienene Illustrirte Zeitung ist mit einem eindeutigen Besitzstempel der „Königlichen Hausbibliothek Berlin“ versehen. Die Ausgabe vom 27.10. 1855 enthält einen illustrierten Bericht über die Grundsteinlegung der Rheinbrücke zu Köln durch Friedrich Wilhelm IV. von Preußen am 3.10.1855

Moskauer deutsche Zeitung — Moskau: 1870
Die Moskauer deutsche Zeitung ist in der ZeitschriftenDatenBank nicht nachgewiesen, daher wahrscheinlich unikaler Bestand in Deutschland. Die Titelseite vom 28.3.1870 enthält einen Artikel über das Baltikum. Als Fortsetzungsroman veröffentlichte die Moskauer deutsche Zeitung Lew Tolstois Roman „Krieg und Frieden“. Da der Roman erst 1868/69 veröffentlicht wurde, ist es vermutlich der erste Abdruck einer deutschen Übersetzung.

Der Floh — Wien: 1884
Die satirische Zeitung Der Floh aus Wien ist für den Jahrgang 1884 in der ZeitschriftenDatenBank nicht nachgewiesen, daher wahrscheinlich unikaler Bestand in Deutschland. Auf der letzten Seite hat die hier abgebildete Ausgabe von 1884 die Bleistifteintragung „Eph.lit.18e“  und einen Stempel „Bildniskatalog“, wonach sich die Provenienz feststellen lassen wird.

Interessant ist in der letzten Nummer dieses Jahrgangs eine Karikatur Bismarcks, der einen Vertreter ins Parlament schickt, dieses stellvertretend für ihn zu verachten: „Sie, Eckensteher, da haben Sie 50 Pfennige, jehen Sie mal in den Reichsdag und verachten Se mich dat Parlament. For mein eijenes Jeld werde ick mich doch eenen Stellvertreter halten dürfen.“

Zustand der Zeitungen

 

 

  • gebundene und größtenteils ungebundene Zeitungen, die wiederum sorgsam in Schuber verpackt sind;
  • insgesamt guter Erhaltungszustand mit für Zeitungen normalem Alterungsprozess aufgrund der  nach 1850 z.T. verwendeten stark holzhaltigen Papiere

 

Bearbeitungsstand April 2003

Der Bestand ist geordnet und aufgestellt. Es fand eine erste Sichtung im Zusammenhang mit dem Abgleich der Lieferlisten statt.

Weiteres Vorgehen

 

  • Zeitungen mit eindeutiger Provenienzkennzeichnung werden dem Eigentümer übergeben
  • zur Erarbeitung eines Verfahrens für die Verwendung der Zeitungen ohne Provenienzkennzeichnung wird demnächst eine Expertenkommission berufen
  • es bleibt den besitzenden Bibliotheken überlassen, wie sie sich hinsichtlich der Verfilmung bzw. Digitalisierung ihrer Bestände verhalten.