Diese Website setzt Cookies ein. Für die Nutzungsanalyse wird die Software Piwik verwendet.
Wenn Sie der Nutzungsanalyse widersprechen oder mehr über Cookies erfahren möchten, klicken Sie bitte auf die Informationen zum Datenschutz.

Pressemitteilungen | Neuigkeiten

25 Jahre Scharoun-Bau im Berliner Kulturforum: Staatsbibliothek feiert mit ihren Benutzern

Täglich kommen 3.500 Benutzer aus aller Welt in dieses Gebäude, Stadtplanern und Architekten dient es immer wieder als herausragendes Studienobjekt, Wim Wenders machte es gar filmisch berühmt: Das 12 Stockwerke umfassende umfassende, 229 Meter lange und 42 Meter hohe, goldglänzende Bibliotheksgebäude an der Potsdamer Straße 33 ist seit 25 Jahren ein besonderer Anziehungspunkt des Berliner Kulturforums.

Am 15. Dezember 1978 wurde nach elfjähriger Bauzeit das vom Berliner Architekten Hans Scharoun entworfene Gebäude mit einem großen Festakt durch den damaligen Bundespräsidenten Walter Scheel eröffnet. Damit erhielt über 30 Jahre nach dem Ende des 2. Weltkriegs auch der Westteil der Stadt Berlin einen Standort zur nationalen und internationalen Literaturversorgung für Wissenschaft und Forschung.

Das Gebäude der Staatsbibliothek sorgte seit den ersten Planungen in den 60-er Jahren stets für Aufsehen. Damals wie heute markierte der Bau aus vielerlei Sicht - funktional, ästhetisch, städtebaulich und als wichtiger Faktor des Wissenschaftsbetriebs - Meilensteine. Seit der Wiedervereinigung Deutschlands und der Zusammenführung der beiden Standorte der Staatsbibliothek Unter den Linden in Berlin (Ost) und Potsdamer Straße in Berlin (West) im Jahr 1992 bekam die Institution die Chance, als Ganzes wieder ihre einstige Bedeutung zu erlangen und neue Akzente zu setzen.

Die Staatsbibliothek zu Berlin feiert das 25-jährige Jubiläum ihres Scharoun-Baus an der Potsdamer Straße 33 mit ihren Benutzern und Besuchern am Montag, 15. Dezember 2003 und lädt alle Interessenten dazu ein. Wir bieten

  • lange Nacht in der Stabi - geöffnet ist bis 23 Uhr
  • freier Eintritt für alle - wie vor 25 Jahren
  • Preisausschreiben - zu gewinnen sind 25 à 1 Jahr kostenlose Benutzung der Bibliothek
  • Sonderverkauf von Publikationen mit 20-50% Preisnachlässen ab 12 Uhr: halbstündige Führungen zu verschiedenen Themen:
  • Bücherschiff und Lesesaallandschaft - die Architektur des Scharoun-Gebäude
  • Recherche, Barcode, Fristzettel - Wie das Buch zum Benutzer kommt
  • Von der Poststelle ins Magazin - der Weg des Buches durch die StaBi


Hintergrundinformationen zu

25 Jahre Scharoun-Bau der Staatsbibliothek zu Berlin

Gesellschaftspolitischer, baukünstlerischer und städtebaulicher Meilenstein

Das vom Berliner Architekten Hans Scharoun entworfene Haus für den Standort Potsdamer Straße 33 markierte damals wie heute in mehrfacher Hinsicht Meilensteine:
Das Gebäude ist Teil des in den 60-er Jahren neben dem Tiergarten und dicht an der Berliner Mauer begründeten Kulturforums. An der Nahtstelle des Kalten Krieges war dieses Kulturforum mit seiner funktionalen Ausrichtung als Ort der Begegnung von Kunst und Wissenschaft schon damals ein Symbol für die Zuversicht in die künftige Wiedergewinnung des Berliner Zentrums.

Die wesentlichen Bestandteile des Bibliotheksgebäudes - Lesesäle, Magazine, Veranstaltungs- und Ausstellungsräume - sind als Orte der Kommunikation und Gemeinschaft konzipiert. Die Weitläufigkeit des Eingangsbereiches sowie die Offenheit der einmaligen Lesesaallandschaft stehen für das zeitgenössische Verständnis von breiter Bildungsbeteiligung sowie Transparenz, Konzentration und Struktur. Die Technik des Gebäudes begegnet den hohen Anforderungen an einen modernen Bibliotheksbetrieb. Die Großzügigkeit der Magazinflächen nahm schon damals das stetige Wachsen der Literaturproduktion voraus. Für den Städtebau und die architektonische Entwicklung Berlins galt und gilt das Gebäude als Meisterwerk. Am Wichtigsten jedoch waren für das Bibliothekswesen und die Forscher aus aller Welt, dass mehr als 30 Jahre nach dem Ende des 2. Weltkrieges die Dienstleistungen rund um den einmaligen Bestand der Bibliothek wieder in ein räumlich-organisatorisches Umfeld eingebettet werden konnten, das die umfassende und effiziente Nutzung der vorhandenen Literatur ermöglichte.

Die Geschichte der Bibliothek - beispielhaft für Nachkriegszeit in Deutschland

Im Frühjahr 1945 befand sich der größte Teil der einmaligen, während des Krieges in 30 Orte ausgelagerten Bestände der Bibliothek in allen vier Besatzungszonen sowie Polen. Die in der sowjetischen Besatzungszone aufbewahrten Bände kehrten rasch in das angestammte Haus der Bibliothek Unter den Linden zurück, wo mit 900.000 Bänden und damit rund einem Drittel des früheren Gesamtbestandes der Dienstleistungsbetrieb wieder aufgenommen wurde.

Für den größeren Teil der Literatur und der Sammlungen jedoch - rund 1,5 Millionen Bände -, welcher sich in den Besatzungszonen der westlichen Alliierten befand, gab es zunächst weder eine institutionelle noch eine physische Adresse. Interimistisch wurden die Bestände bis zur Mitte der 60er Jahre als Hessische, später Westdeutsche Bibliothek in Marburg und teilweise in der Universitätsbibliothek Tübingen aufbewahrt, betreut sowie um gezielte Neuerwerbungen und Ersatzkäufe für im Krieg verloren gegangene Literatur ergänzt.

1964 begann die Zusammenführung der in den von den westlichen Alliierten kontrollierten Gebieten befindlichen Bestände in Berlin (West) sowie der Umzug von Dienststellen und Personal. Zwei Jahre zuvor war hier unter dem Dach der Stiftung Preußischer Kulturbesitz die Staatsbibliothek institutionell etabliert und gleichzeitig ein Architekturwettbewerb zur Errichtung eines entsprechenden Bibliotheksgebäudes durchgeführt worden. Im Jahr 1968 waren schließlich die Bestände nach Berlin (West) umgezogen und das neue Haus seit einem Jahr im Bau.

Die Eröffnung des spektakulären Gebäudes erlebte der Architekt des Berliner Kulturforums, Hans Scharoun, nicht mehr. Dennoch war er mit seinen Ideen von einer offenen demokratischen Bildungslandschaft, die sich in der unvergleichlichen Lesesaallandschaft konkretisierte, am 15. Dezember 1978 für alle Ehrengäste und Tausende von Besuchern präsent.

Bauverlauf und Technische Daten

Im Mai 1963 beschloss der Berliner Senat, für den künftigen Standort der Staatsbibliothek unter zehn renommierten Architekten einen Wettbewerb auszuloben. Im Juli 1964 entschied sich die Jury für den Entwurf von Hans Scharoun. 1967 fand die Grundsteinlegung statt, 1971 wurde der erste Bauteil bereits zur Nutzung an die Mitarbeiter der Staatsbibliothek übergeben.
1977 eröffnete das im Südende des Gebäudes gelegene Ibero-Amerikanische-Institut, ein Jahr später die Staatsbibliothek mit all ihren Funktionen.

    • Länge des gesamten Gebäudes 229 Meter
    • höchster Punkt des Magazinbaus 42 Meter
    • größte Breite 152 Meter
    • 12 Stockwerke, davon 2 unterirdisch
    • Gesamtnutzfläche 78.000 qm
    • davon Lesesäle 9.300 qm
    • Magazinkapazität bis zu 5,4 Millionen Bände
    • Arbeitsplätze für Benutzer 900

Scharoun folgte bei der Anordnung der Arbeitsräume und der technischen Anlagen sowie der öffentlichen Bereiche von Nord nach Süd dem "Weg des Buches" - von der Anlieferung über die Erschließung bis hin zur Bereitstellung für die Benutzer in den Lesesälen bzw. den Ausleihstellen. Die Kastenförderanlage und die Rohrpostanlage durchlaufen in mehreren Geschossen das gesamte Gebäude und sorgen für den Transport von Büchern und Dokumenten binnen kürzester Zeit; beide Anlagen werden in der Förderzentrale überwacht und gesteuert.

Im Scharoun-Bau befinden sich neben den Lesesälen für den Allgemeinen Buchbestand sowie für Orientalia, Ostasiatica, Slawistica, Kartographische Werke, Parlamentaria, abendländische Handschriften und Nachlässe auch Veranstaltungsräume. Fest etabliert im Berliner Kulturleben sind die Veranstaltungsorte Otto-Braun-Saal mit knapp 500 Plätzen, Simon-Bolivar-Saal mit 100 Plätzen sowie der Ausstellungsbereich mit 325qm Fläche.

Entwicklung der Bestände von 1946 bis in die Gegenwart

Ab 1946 waren in Marburg 1,5 Millionen Bände, und damit der größere Teil der kriegsverlagerten Bestände der Preußischen Staatsbibliothek, als Hessische Bibliothek der Öffentlichkeit zugänglich; in der Universitätsbibliothek Tübingen lagerten als Depositum besonders wertvolle Materialien, vor allem Handschriften und Musikautographe. Nach der Unterzeichnung des "Staatsabkommens über die Finanzierung wissenschaftlicher Forschungseinrichtungen" (Königsteiner Abkommen) durch die Kultus- und Finanzminister der elf Bundesländer und Westberlins im Jahr 1949 wurde die Bibliothek in Westdeutsche Bibliothek umbenannt und erhielt als bedeutende überregionale bibliothekarische Einrichtung entsprechende Aufgaben. So wurden u.a. bis 1961 eine eigenständige Osteuropa-Abteilung aufgebaut, das Gesamtverzeichnis ausländischer Zeitschriften und Serien erstellt sowie der internationale amtliche Schriftentausch für die Bundesrepublik Deutschland eingerichtet.

Mit dem Umzug nach Berlin und spätestens seit dem Bezug des Gebäudes Potsdamer Straße 33 war die Staatsbibliothek trotz ihrer Berliner Insellage fest in das Bibliothekssystem der Bundesrepublik Deutschland eingebunden. Insbesondere die dauerhaft großzügige Unterstützung durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) integrierte die Bibliothek fest in das System der überregionalen Literaturversorgung. Zugleich wurden wichtige überregionale Dienstleistungen und Sammelschwerpunkte übernommen, u.a. die Zeitschriftendatenbank, den Zentralkatalog des kartographischen Schrifttums, den Zentralkatalog der Orientalia, den Gesamtindex der mittelalterlichen Handschriftenkataloge, die Internationale ISBN-Agentur. Die Staatsbibliothek betreute die Sondersammelgebiete Rechtswissenschaft, Orientalistik, Ost- und Südostasien, Kartographische Literatur, Topographische Karten, Ausländische Zeitungen, Parlamentsschriften, Slawische Sprachen und Literatur.

Am 1. Januar 1992 wurde die Fusion beider Berliner Institutionen - Staatsbibliothek Preußischer Kulturbesitz (West) und Deutsche Staatsbibliothek (Ost) - zur Staatsbibliothek zu Berlin Preußischer Kulturbesitz vollzogen. So begann nach knapp einem halben Jahrhundert wieder das Zusammenwachsen dessen, was zusammengehört.

Die Geschichte der heutigen Staatsbibliothek zu Berlin war fünfzig Jahre lang von Hemmung und Teilung bestimmt, was sie in ihrer Entwicklung und hinsichtlich ihrer internationalen Bedeutung behinderte. In den vergangenen elf Jahren wurde erhebliche Basisarbeit geleistet, um die vereinte Institution als Ganzes wieder auf ein angemessenes Niveau zu bringen: Bestände wurden wieder ineinander sortiert, umfangreiche Umstellungen und Konzentrationen von inhaltlich zusammenhängenden Sammlungen vorgenommen sowie der Großteil des Bestandes elektronisch nachgewiesen. Darüberhinaus sieht die Bibliothek eine ihrer wesentlichen Aufgaben in der Bewahrung der ihr anvertrauten Kulturgüter.

Gegenwärtig besitzt die Staatsbibliothek zu Berlin 10 Millionen Bücher, 4.400 Inkunabeln (Frühdrucke), 18.300 abendländische Handschriften, 40.000 orientalische Handschriften und 40.000 Turfan-Fragemente in Verwahrung, 250.000 Autographe, 66.350 Musik-Autographe, 1.400 Nachlässe und Archive, 450.000 Notendrucke, 960.000 Karten und Atlanten, 38.000 laufend abonnierte Zeitschriftentitel und Schriftenreihen, 180.000 historische Zeitungsbände und 400 laufend abonnierte Zeitungen, diverse elektronische Datenbanken, 2,3 Millionen Mikrofiche und -filme, 13,5 Millionen Bilder im Bildarchiv.

Rund 1.000 Mitarbeiter erwerben und erschließen pro Jahr einen Zugang von ca. 100.000 neuen Bänden an wissenschaftlicher Literatur und stellen diese für die Benutzung bereit.

Ästhetisch ansprechende Bauten der Bibliothek sowie deren zweckmäßige Einrichtung sind hierfür die technisch-organisatorische Grundlage - verwirklicht seit 25 Jahren mit dem Scharoun-Bau an der Potsdamer Straße, geplant für 2008 im dann generalsanierten und durch den Architekten HG Merz mit einem neuen Lesesaal ergänzten Standort Unter den Linden.