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Pressemitteilungen | Neuigkeiten

Jüdischer Buchbesitz als Raubgut. Zweites Hannoversches Symposium

Zu den Folgen des Nationalsozialismus zählte am Ende des Zweiten Weltkrieges die Zerstörung und Zerstreuung tausender Bibliotheken.

Jüdische Sammlungen, aber auch Bibliotheken anderer „Systemgegner“ — waren in ganz Europa zwecks „Studium des Feindes“ von nationalsozialistischen Institutionen wie dem Reichssicherheitshauptamt oder dem Einsatzstab Reichsleiter Rosenberg (ERR) geplündert worden. Parallel zum Raub der institutionellen und privaten Bibliotheken verloren abertausende jüdische Familien mit ihrem Hab und Gut ihre Bücher, später oft auch ihr Leben.

Nach Kriegsende befanden sich allein im Offenbach Archival Depot, einem von den amerikanischen Alliierten eingerichteten Sammelpunkt für geraubtes und verlagertes Kulturgut, über 2.000.000 Bücher. In Ratibor (heute Racibórz) in Schlesien (heute Polen) fand die Rote Armee ca. 1.000.000 Bücher der so genannten „Ostbücherei“ des ERR. Von Tanzenberg (Kärnten) aus konnten die Briten mehrere hunderttausend Bücher restituieren, die für die Zentralbibliothek der so genannten „Hohen Schule der NSDAP“ zusammengeraubt worden waren.

Am 10. und 11. Mai 2005 werden Bibliothekare und Historiker aus Deutschland, dem europäischen Ausland, Argentinien und den USA über die Strukturen, Akteure und Opfer des nationalsozialistischen Bücherraubs berichten. Diskutiert wird über die Restitution von Büchern nach 1945 und über Erfahrungen bei der Suche nach dem heutigen Standort der geraubten Bücher und ihren rechtmäßigen Eigentümern im Sinne der „Washingtoner Grundsätze“ von 1998 und der „Berliner Erklärung“ von 1999, in der sich Bund, Länder und kommunale Spitzenverbände gemeinsam verpflichtet haben, nach fairen und gerechten Lösungen zu suchen.

Die Gottfried Wilhelm Leibniz Bibliothek — Niedersächsische Landesbibliothek und die Stiftung Preußischer Kulturbesitz haben mit Unterstützung der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien zu diesem Zweiten Hannoverschen Symposium ›Jüdischer Buchbesitz als Raubgut‹ eingeladen.

"Die Tagung in Hannover ist ein wichtiges Forum für Bibliothekare aus Deutschland und anderen Ländern, um sich über Hintergründe und Folgen des nationalsozialistischen Bücherraubs auf internationaler Ebene auszutauschen", sagte Staatsministerin Christina Weiss aus Anlass dieser Einladung. Sie sagte weiter: "Das Aufspüren von geraubtem Kulturgut insbesondere aus jüdischem Besitz in öffentlichen Bibliotheken und Museen und der Wille zu seiner Rückgabe bilden sechzig Jahre nach Kriegsende einen Teil unserer aktiven Erinnerungsarbeit. Gerade Bücher und Bibliotheken bergen oft letzte Zeugnisse der von den Nationalsozialisten grausam verfolgten und fast vollständig zerstörten jüdischen Kultur in Deutschland und Mittelosteuropa."

Wichtiger Hinweis an die Redaktionen: Aus Anlass des Zweiten Hannoverschen Symposium „Jüdischer Buchbesitz als Raubgut“ findet am 9. Mai um 13:00 Uhr im Panoramatreff der Gottfried Wilhelm Leibniz Bibliothek eine Pressekonferenz statt. Dr. Jürgen Babendreier (Staats- und Universitätsbibliothek Bremen) und Herr Frits J. Hoogewoud (Bibliotheca Rosenthaliana, Amsterdam) stehen für Fragen und Interviews zur Verfügung. Im Anschluss wird eine Führung durch die Ausstellung „AUF TRANSPORT! Deutsche Stationen ‚sichergestellter’ jüdischer und freimaurerischer Bibliotheken aus Frankreich und den Niederlanden (1940— 1949)“ im Foyer der Bibliothek angeboten. Wir bitten Sie, sich diesen Termin schon jetzt vorzumerken.

Dr. Regine Dehnel
Gottfried Wilhelm Leibniz Bibliothek
Niedersächsische Landesbibliothek
Zentrale Aufgaben / Projektleitung