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Pressemitteilungen | Neuigkeiten

3-tägige Konferenz der Freien Universität und der Staatsbibliothek zu Berlin: "Flugblätter vom Spätmittelalter bis zur Gegenwart - kulturhistorische Quellen, bibliothekarische Sondermaterialien"

Erst seit etwa 35 Jahren befassen sich Wissenschaftler intensiv mit Flugblättern als eigenständige Text- und Bildträger. Seither sind Flugblätter sowohl für die historische als auch die philologische Forschung von größtem Interesse.

Hier werden politische Situationen und gesellschaftliche Veränderungen in äußerst verdichteter, zugespitzter Form dargestellt, und dies oft auf hohem sprachlichem und künstlerischem Niveau. Vom 23. bis 25. März 2006 befassen sich Wissenschaftler und Bibliothekare aus sieben Ländern mit diesen Einblattmaterialien als Forschungs- und Sammlungsgegenstand. Veranstaltet wird die Tagung Flugblätter vom Spätmittelalter bis zur Gegenwart - kulturhistorische Quellen, bibliothekarische Sondermaterialien vom Fachbereich Editionswissenschaft der Freien Universität Berlin und von der Staatsbibliothek zu Berlin, die zugleich Tagungsort ist.

Mit der Entwicklung des Buchdrucks im 15. Jahrhundert kamen auch Flugblätter in den Umlauf. Zahlreiche, auf einem einzigen Blatt gedruckte Texte, Bilder und Karikaturen konnten schnell und in großer Anzahl verbreitet werden. Seither berichten die meist unbekannten Autoren - überwiegend polemisch - mit ihren Flugblättern über Neues und Aktuelles, über Politik, Religion, Skandale, Wundersames. Flugblätter kommentieren Ereignisse, agitieren die Empfänger und rufen zum Widerstand auf. Bis ins 19. Jahrhundert hinein wurden Flugblätter von fliegenden Händlern vertrieben, später gab es Maueranschläge, gezielte Auslagen, Abwürfe von Ballons und Flugzeugen. Namhafte Autoren wie Martin Luther und Hans Sachs schrieben Flugblätter, in jüngerer Zeit Johannes R. Becher und Klaus Mann.

Die Staatsbibliothek zu Berlin besitzt rund 25.000 Einblattdrucke und Flugblätter des 16. bis 20. Jahrhunderts. Schwerpunkte der Sammlung sind Reformation und Gegenreformation, Dreißigjähriger Krieg, Preußische Geschichte, Revolution 1848/49, Krieg 1870/71, Flugblattpropaganda des 1. und 2. Weltkrieges sowie Flugblattpropaganda während des Kalten Krieges.

Während der Tagung im Simón-Bolívar-Saal im Haus Potsdamer Straße 33 der Staatsbibliothek zu Berlin werden drei große Themenbereiche mit Vorträgen näher beleuchtet:

Am Donnerstag, 14 bis 18 Uhr, stehen Flugblätter der Frühen Neuzeit (Mitte des 15. Jahrhunderts bis zum Ende des 18. Jahrhunderts) im Mittelpunkt, dabei auch ein Vortrag über "Die Funktion von Illustrationen auf Flugblättern der Reformationszeit";

Am Freitag, 9 bis 18 Uhr, befassen sich die Referenten mit den Flugblättern vom Ende der Frühen Neuzeit bis zur Moderne (19. Jahrhundert), mit Vorträgen über "Flugschriften im Netz - Materialien zur Revolution von 1848 in der Universitätsbibliothek Frankfurt a. M.", "Hans Sachs und die Medien seiner Zeit" sowie "Europäische Geschichte auf einem Blatt. Die Feindflugblattsammlung der Staatsbibliothek zu Berlin";

Am Samstag, 8.30 bis 13 Uhr, runden Vorträge zum Thema Altes Medium, neue Zeit: Flugblätter im 20. Jahrhundert die Tagung ab, darunter "Britische Flugblätter im Zweiten Weltkrieg als Warnung vor Vergeltung und Luftangriffen auf Deutschland", "Burn, warehouse burn - von der surrealistischen Provokation zur politischen Aktion. Flugblätter der Kommune 1" und "Deutsche Autoren im Dienste der Amerikaner. Die Flugblätter von Klaus Mann".