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Pressemitteilungen | Neuigkeiten

"Beschlagnahmte Bücher" - Staatsbibliothek zu Berlin und Max-Planck-Institut für Geschichte starten Forschungsprojekt

Heute beginnt in der Staatsbibliothek zu Berlin das auf 18 Monate angelegte Forschungsprojekt "Beschlagnahmte Bücher" - Reichstauschstelle und Preußische Staatsbibliothek zwischen 1933 und 1945. Aspekte der Literaturversorgung unter der Herrschaft des Nationalsozialismus". In Kooperation mit dem Göttinger Max-Planck-Institut für Geschichte (MPIG), finanziell unterstützt von der Fritz Thyssen Stiftung für Wissenschaftsförderung, werden systematisch die Erwerbung und die Distribution "beschlagnahmter Bücher" durch die an die damalige Preußische Staatsbibliothek angegliederte Reichstauschstelle sowie die Rolle der Preußischen Staatsbibliothek selbst analysiert.

Mit der Untersuchung zur Reichstauschstelle setzt die Staatsbibliothek zu Berlin (SBB) die Aktivitäten der Stiftung Preußischer Kulturbesitz mit Blick auf die Washingtoner Erklärung von 1999, die Erklärung der Bundesregierung, der Länder und der kommunalen Spitzenverbände zur Auffindung und zur Rückgabe NS-verfolgungsbedingt entzogenen Kulturgutes, insbesondere aus jüdischem Besitz (2001) sowie den Hannoverschen Appell des Symposiums Jüdischer Buchbesitz als Beutegut aus dem Jahre 2002 konsequent fort.

Mit der interdisziplinären Fallstudie sollen Kenntnisse über die Bestandszugänge während der NS-Zeit gewonnen, die Rolle der Bibliotheken in dieser Zeit untersucht und bewertet sowie die Feinstrukturen der Erwerbung geraubter Bücher im Zusammenspiel von Dienststellen, Lieferanten und Bibliotheken herausgearbeitet werden. Zugleich soll ermittelt werden, in welchem Umfang die Preußische Staatsbibliothek Bücher und Sammlungen aus nationalsozialistischen Enteignungen in ihren Bestandsaufbau einfließen ließ und wie diese Bestände an heutige Erben oder Rechtsnachfolger der Enteigneten restituiert werden können.

Im Mittelpunkt der Recherchen stehen zunächst die überlieferten Archivalien und Erwerbungsunterlagen der Preußischen Staatsbibliothek. Mit diesem Projekt verbindet die Staatsbibliothek zu Berlin auch die Hoffnung, Einsicht in kriegsbedingt verlagerte Erwerbungsunterlagen der Preußischen Staatsbibliothek zu erhalten, die seit 1945 in polnischen Archiven lagern. Erste Ergebnisse des Projekts werden im kommenden Jahr vorgestellt.

In den letzten Jahren hat die Staatsbibliothek zu Berlin wesentliche Voraussetzungen für den Erfolg der Untersuchung geschaffen: Neben einer Vorstudie aus dem Jahre 1999 und der intensiven Beteiligung wissenschaftlicher Mitarbeiter der Bibliothek an bundesweiten bibliothekarischen Initiativen zu diesem Thema ist vor allem die Nachweissituation für die Erwerbungen der Preußischen Staatsbibliothek bis zum Jahre 1945 deutlich verbessert worden. Der elektronische Katalog der Staatsbibliothek zu Berlin enthält jetzt viele relevante Daten, welche nunmehr komfortabel zu recherchieren und weiterzuverarbeiten sind. Erst dadurch ist es möglich, das Forschungsprojekt in einem vertretbaren Zeitrahmen durchzuführen.

Das Gemeinschaftsprojekt wird von Dr. Hans Erich Bödeker (MPIG) und Gerd-Josef Bötte (SBB, Abteilung Historische Drucke) geleitet; für die Durchführung der Untersuchung zeichnet Dr. Cornelia Briel, wissenschaftliche Mitarbeiterin des MPIG, verantwortlich, sie wird unterstützt von Olaf Hamann (SBB, Abteilung Historische Drucke ).