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Pressemitteilungen | Neuigkeiten

Zwei herausragende Erwerbungen für die Musiksammlungen der Staatsbibliothek:

Der Musikabteilung der Staatsbibliothek zu Berlin gelang es zum Ende des letzten Jahres, ihre qualitativ und quantitativ herausragenden Sammlungen um zwei bedeutende Stücke zu ergänzen: Bei Sotheby’s wurde das Partiturautograph der „Jubel-Messe“ von Carl Maria von Weber ersteigert; außerdem wurde aus dem Besitz des 2004 verstorbenen Musikforschers und —antiquars Albi Rosenthal eine frühe Abschrift der Oper „Don Giovanni“ von Wolfgang Amadé Mozart erworben. Beide Stücke sind jetzt in den Bestand der Bibliothek aufgenommen.

In den Jahren 1818/1819 schuf Carl Maria von Weber für Friedrich August I. von Sachsen die Missa Nr. 2 G-Dur, auch bekannt als „Jubel-Messe“. Sie ist eine der vier Kirchenmusik-Werke - zwei Messen und zwei dazu gehörige Offertorien - die Weber in seiner Zeit als Dresdner Hofkapellmeister für den sächsischen Hof komponierte. Mit dem ersteigerten Autograph, welches zuletzt im Besitz der Nachfahren des Komponisten war, befinden sich jetzt drei dieser Dresdner Werke in der Berliner Weber-Sammlung: Die Messe Nr. 1 Es-Dur sowie das dazugehörige Offertorium „Gloria et honore“ wurden von der Witwe Caroline von Weber früh verschenkt und kamen auf Umwegen in die Bibliothek. Das zur soeben erworbenen Messe gehörige Offertorium „In die solemnitatis“ befindet sich weiterhin in Familienbesitz.

Das Autograph der Jubel-Messe umfasst 26 Blatt und zeigt - wie für Webers reife Autographe typisch — eine sehr saubere, gut lesbare Schrift. Unter konservatorischen Gesichtspunkten ist es in einem sehr guten Zustand.

Carl Maria von Weber war im Jahr 1826 im Alter von 39 Jahren gestorben. Im Jahr 1851 nahm die heute mit bedeutenden Werken aus seinem kompositorischen Nachlass und mit dem Familiennachlass überaus reich bestückte Weber-Sammlung der Staatsbibliothek ihren Anfang. Damals schenkte die Witwe des Komponisten der Bibliothek das Freischütz-Autograph. Danach wuchs die Sammlung vor allem durch den Ankauf der Sammlung des Weber-Forschers Friedrich Wilhelm Jähns im Jahr 1881 zur größten Weber-Sammlung weltweit an. Zuletzt hatte sie im Jahr 1986 durch eine überaus großzügige Schenkung aus der Familie eine wertvolle Bereicherung erfahren.

Die andere Erwerbung wurde in die größte Mozart-Sammlung der Welt eingefügt: Die um 1788 bis 1790 gefertigte Abschrift der Oper „Don Giovanni“ KV 527 von Wolfgang Amadé Mozart war zuletzt im Besitz des 2004 verstorbenen Oxforder Musikforschers und -antiquars Albi Rosenthal und wurde vor kurzem von der Musikabteilung gekauft.

Der Forschung war die Abschrift bislang nur durch eine kurze, nicht sonderlich exakte summarische Beschreibung bekannt. Sie ist eine der frühesten erhaltenen Abschriften der 1787 in Prag erstaufgeführten Meisteroper Mozarts. Ungeklärt ist noch, ob die Handschrift aus Prag oder aus dem südwestdeutschen Raum stammt. - Die Abschrift überliefert alle Musiknummern der Prager Fassung von „Don Giovanni“ mit Ausnahme der offenbar erst zu einem relativ späten Zeitpunkt während der Vorbereitungen der Prager Uraufführung 1787 in ihrer endgültigen Gestalt komponierten Arie des Masetto Nr. 6. Hingegen sind alle Secco-Rezitative vom Schreiber ausgelassen worden.

Im 18. und 19. Jahrhundert spielten Abschriften für die Verbreitung von Opern eine herausragende Rolle. Da die Werke häufig erst lange nach der Erstaufführung und oft unvollständig gedruckt wurden, ließen jene Theater, die eine Oper aufführen wollten, sich vom Theater der Erstaufführung oder aus anderer Quelle eine Abschrift anfertigen. Auch die vorliegende Abschrift wurde möglicherweise im Auftrag eines interessierten Theaters angefertigt.

Die Staatsbibliothek zu Berlin beherbergt die weltweit größte und bedeutendste Mozart-Sammlung. Durch glückliche Umstände gelangten vor allem im 19. Jahrhundert viele der Originalmanuskripte Mozarts in die Musikabteilung der Bibliothek. Bis zum Jahr 1939 wuchs die Sammlung auf knapp 270 Autographe und über 600 Abschriften an; in Folge kriegsbedingter Verlagerungen werden derzeit allerdings über einhundert Autographe der Berliner Sammlung in Krakau aufbewahrt.