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Pressemitteilungen | Neuigkeiten

Zum ersten Mal der Forschung zugänglich: Bach'sche Lautensuite vorgestellt

Die im letzten Jahr aus Privatbesitz erworbene bedeu­tende Abschrift eines der Lautensuite e-Moll BWV 996 von Johann Sebastian Bach wurde heute von der Generaldirektorin der Staatsbibliothek zu Berlin, Barbara Schneider-Kempf, und der Generalsekretärin der Kulturstiftung der Länder, Isabel Pfeiffer-Poensgen, in einer Pressekonferenz vorgestellt.

Bachs Autograph der Lautensuite, komponiert um 1714 bis 1717, ist nicht erhalten, daher kommt der Abschrift aus dem Jahr 1725 von der Hand Nikolaus Heinrich Gerbers, eines Schülers Bachs in Leipzig, die Bedeutung der Primärquelle zu. Die Erwerbung wurde von der Kulturstiftung der Länder mitfinanziert.

Generaldirektorin Schneider-Kempf führte zur Bedeutung dieser Erwerbung aus, dass „… allein öffentliche Institutionen garantieren können, dass der Forschung sowie allen anderen Interessenten die Zeugnisse kulturellen Schaffens auf Dauer zugänglich sind.“ Sie bedankte sich bei der Kulturstiftung der Länder für das finanzielle Engagement der Stiftung beim Kauf der Abschrift, die nun zur weltweit größten Bach-Sammlung gehört. Generalsekretärin Pfeiffer-Poensgen führte ihrerseits aus, dass „ ... es für die Kulturstiftung der Länder ein besonderer Glücksfall ist, dabei helfen zu können, bestehende bedeutende Sammlungen mit einem wichtigen Zeugnis zu bereichern. Museen, Bibliotheken und Archive in Deutschland können sich seit über 20 Jahren auf die Unterstützung und Beratung der Kulturstiftung der Länder, die von allen 16 Ländern Deutschlands getragen wird, verlassen: National wertvolle Kunstwerke und Kulturgüter von der Vor- und Frühgeschichte bis zur Gegenwart, Nachlässe von bedeutenden Künstlern, Autographen, Archivalien und Objekte der Natur- und Technikgeschichte konnten mit unserer Unterstützung von öffentlichen Sammlungen angekauft werden."

Für die musikwissenschaftliche und die musikhistorische Forschung ist es von außerordentlicher Bedeutung, dass nun auch dieses Werk umfassend erforscht werden kann. Für die kürzlich erfolgte Neuedition der Werke Johann Sebastian Bachs — besorgt vom Johann-Sebastian-Bach-Institut in Göttingen und vom Bach-Archiv Leipzig — konnte die Gerbersche Quelle zur Lautensuite e-Moll BWV 996 noch nicht berücksichtigt werden, da sie sich in Privatbesitz befand. Die Herausgeber stützten sich einzig auf die ebenfalls in der Staatsbibliothek zu Berlin befindliche zweite erhaltene Abschrift der Suite, gefertigt von Johann Gottfried Walter. Einer Neu-Edition innerhalb der Neuen Bachausgabe kann daher mit Spannung entgegen gesehen werden.

Die Abschrift der Lautensuite von der Hand Nikolaus Heinrich Gerbers, bekannt als Quelle B, galt seit Anfang des letzten Jahrhunderts als verschollen. Vor zwanzig Jahren wurde sie überraschend zum Verkauf angeboten und kam so erneut in Privatbesitz. Dass die Abschrift der Staatsbibliothek zu Berlin jetzt direkt zum Kauf angeboten wurde, unterstrich die Überzeugung aller Seiten, dass ein solches Werk dauerhaft in einen Sammlungszusammenhang von höchster Qualität sowie in staatliche Obhut gelangen sollte.

Sofort nach Bekanntwerden dieser Erwerbung erreichten die Musikabteilung Anfragen nach Reproduktionen, was das Bedürfnis nach einer wissenschaftlichen und interpretatorischen Auseinandersetzung mit der Bach’schen Lautensuite belegt.

Für die Bach-Forschung besteht in der Musikabteilung der Staatsbibliothek zu Berlin eine ideale Umgebung: Die soeben erworbene Abschrift reiht sich in die weltweit größte Sammlung mit Werken Johann Sebastian Bachs ein. Rund 80% aller Autographe des Meisters werden hier aufbewahrt. Ergänzt werden diese Originalquellen durch einen umfangreichen Bestand an frühen Abschriften der Werke Bachs sowie durch Autographen und Abschriften von Werken seiner komponierenden Söhne Wilhelm Friedemann, Carl Philipp Emanuel, Johann Christoph Friedrich und Johann Christian.