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Pressemitteilungen | Neuigkeiten

Max-Herrmann-Preis 2012 an Micha Ullman

In diesem Jahr erhielt der israelische Künstler Micha Ullman die wichtigste Auszeich­nung, die in Deutschland für Verdienste um das Bibliothekswesen vergeben wird, die Laudatio hielt der Theologe Christoph Markschies. Seit dem Jahr 2000 verleihen die Freunde der Staatsbibliothek zu Berlin e.V. den Max-Herrmann-Preis. Zu den von einer Jury ausgewählten Preisträgern gehörten bislang neben anderen die jüngst verstorbene Historikerin und Gründerin der Mendelssohn-Gesellschaft, Cécilie Lowenthal-Hensel, der langjährige Direktor der Herzog August-Bibliothek Wolfenbüttel und Retter der Franckeschen Stiftungen in Halle (Saale), Paul Raabe, der Schriftsteller Günter de Bruyn und zuletzt die Publizistin Inge Jens

Zum Gedenken an die Bücherverbrennung am 10. Mai 1933 auf dem Berliner Opernplatz schuf Micha Ullman im Jahr 1995 auf eben jenem Platz das Mahnmal „Bibliothek“. In das Pflaster des heutigen Bebelplatzes ist eine quadratische Glasscheibe eingelassen, in der sich die umliegenden Gebäude, der Himmel und der Betrachter selbst spiegeln. Erst der konzentrierte Blick in die Tiefe führt in das Mahnmal: ein unzugänglicher Raum, Tag und Nacht von beleuchtet, leere Bücherregale. Ebenfalls in das Pflaster eingelassen sind zwei Tafeln mit dem Zitat von Heinrich Heines prophetisch erscheinender Aussage: „Das war ein Vorspiel nur, dort wo man Bücher verbrennt, verbrennt man am Ende auch Menschen.“ Während eine Bibliothek ein sich entwickelnder Ort des Sammelns und der Bestandsmehrung ist, bleibt die „Bibliothek“ Ullmans hermetisch verschlossen, unveränderbar leer. Das Mahnmal „Bibliothek“ weist über das Ursprungsereignis seines Entstehens hinaus und lässt dem Betrachter die Fragilität und die Verletzlichkeit der Kultur bewusst werden.

Micha Ullman wurde 1939 in Tel Aviv geboren, wohin seine Eltern 1933 aus Deutschland emigriert waren. In Jerusalem und London studierte er Kunst und Design. Nach Deutschland kam er 1976 als Gastprofessor an der Kunstakademie in Düsseldorf. Zweimal nahm er an der documenta in Kassel teil und wirkte von 1991 bis 2005 in Stuttgart als Professor für Bildhauerei an der Akademie der Bildenden Künste. Er lebt und arbeitet in Ramat Hasharon, Israel.

Der Preis ist nach dem Literaturwissenschaftler Max Herrmann benannt, der 1923 an der Humboldt-Universität zu Berlin das weltweit erste Theaterwissenschaftliche Institut gründete. Bereits 1933 wurde er zwangsemeritiert, durfte fortan in der Staatsbibliothek keine Bücher mehr ausleihen, diese lediglich am Stehpult einsehen. Im Jahr 1942 wurde er im KZ Theresienstadt ermordet. Im Gedenken an Max Herrmann wird der Preis in der Regel am 10. Mai vergeben, jenem Tag, an dem im Jahr 1933 in unmittelbarer Nähe der Staatsbibliothek öffentlich Bücher verbrannt wurden.