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Pressemitteilungen | Neuigkeiten

„Drei Schriften - Drei Sprachen. Kroatische Schriftdenkmäler und Drucke durch Jahrhunderte"

Die Bascanska ploca, die Tafel von Baska von der Insel Krk, geschaffen um 1100, gehört zu den bedeutendsten Quellen kroatischer Politik- und Kulturgeschichte. Als „Edelstein der kroatischen Sprache", „kroatisches Nationalheiligtum" und „goldene Tafel der kroatischen Sprache" bezeichnet, enthält die Tafel viele historische Fakten über die Entwicklung Kroatiens.

Auf ihr findet sich zum ersten Mal die Nationalbezeichnung der Kroaten sowie der Beweis, dass sich die Herrschaft des kroatischen Königs Zvonimir bis zur Insel Krk erstreckte. Die Tafel aus weißem Kalkstein - sie misst knapp 2m x 1m x 9cm - enthält die längsten und informativsten Inschriften jener Zeit in glagolitischer Schrift. Ein originalgetreuer Abguss der Tafel von Baska ist vom 26. April an bis zum 8. Juni 2002 in der Staatsbibliothek zu Berlin in einer Ausstellung zu sehen, welche rund 1000 Jahre kroatischer Schrift- und Sprachkultur vorstellt.

Im Mittelpunkt der Ausstellung „Drei Schriften - Drei Sprachen. Kroatische Schriftdenkmäler und Drucke durch Jahrhunderte" steht jedoch das Berliner Meßbuch, auch Missale Romanum aus dem Jahr 1402. Außerhalb des Landes Kroatien befinden sich in den großen Bibliotheken Europas insgesamt nur zwanzig kroatische, außerordentlich bedeutsame Handschriften, eine davon in der Staatsbibliothek zu Berlin, welche von Kroaten als ‚Berlinski misal‘, ‚Berliner Meßbuch‘ bezeichnet wird. Sie gehört zu den ältesten und am besten erhaltenen Handschriften des Schreibers Bartol Krbavac. Diese Handschrift ist nicht zuletzt wegen ihrer Pracht und ihrer Vollständigkeit - sie umfasst 218 Seiten - von hohem Wert als Zeugnis kroatischer Schriftkultur.

Mit den rund 300 Exponaten der National- und Universitätsbibliothek Zagreb und dem Altslawischen Institut Zagreb wird anhand von Früh- und Erstdrucken, Meßbüchern, Bibeln, Inschriften, Archivalien und anderem den Besuchern eine Besonderheit der kroatischen Kultur vorgestellt: Über die Jahrhunderte hinweg wurden die drei Schriften Glagolitisch, Kyrillisch und Lateinisch in den drei Sprachen Kirchenslawisch, Kroatisch und Latein benutzt. Zum Verständnis dessen befinden sich bei den Vitrinen mit den Exponaten zahlreiche Erläuterungen. Zu den ausgestellten Spitzenstücken zählen weiterhin das erste gedruckte kroatische Buch aus Zagreb (1483) sowie vier Meß- und Gebetbücher aus Rom (1741, 1791). Durch Leihgaben aus der Herzogin Anna Amalia Bibliothek in Weimar, der Württembergischen Landesbibliothek in Stuttgart und der Universitätsbibliothek in Tübingen ist es außerdem möglich, vier Uracher Drucke auszustellen, die weder in Berlin noch in Kroatien vorhanden sind.

Seit 1998 betreut die Staatsbibliothek zu Berlin das Sondersammelgebiet Slawische Sprachen und Literaturen in der Osteuropa-Abteilung sowie der Abteilung Historische Drucke. Die jetzt präsentierte Ausstellung ist nicht nur ein Spiegel der kroatischen Kulturgeschichte; die glagolitische Schrift weist den Weg zu den Wurzeln der ersten slawischen schriftlichen Denkmäler schlechthin. Sie ist damit Teil der Pflege des in Berlin beheimateten Sondersammelgebietes.

Die Ausstellung wird von einem reich bebilderten, 260 Seiten starken Katalog zum Preis von 20 Euro begleitet, der die einzelnen Exponate ausführlich erläutert.

Die Ausstellung „Drei Schriften - Drei Sprachen. Kroatische Schriftdenkmäler und Drucke durch Jahrhunderte" ist ein Projekt des Ministeriums für Kultur in Kroatien. Die Ausstellung ist damit Auftakt der im Oktober und November stattfindenden kroatischen Kulturwochen in Deutschland, die vom Ministerium für Kultur der Republik Kroatien und dem Auswärtigen Amt der Bundesrepublik Deutschland gemeinsam gestaltet werden.

Ort und Öffnungszeiten der Ausstellung
26. April bis 8. Juni 2002
Staatsbibliothek zu Berlin - Preußischer Kulturbesitz
Ausstellungsraum, Haus Potsdamer Straße 33
10785 Berlin-Tiergarten


Hintergrundinformation

Kroatien und Berlin - gewachsene Kultur- und Wissenschaftsbeziehungen Slavica in der Staatsbibliothek zu Berlin

In Berlin leben rund zwanzigtausend Kroaten. Berlin-Wilmersdorf ist schon viele Jahre die Partnerstadt von Split. Vor der Kommunalen Galerie am Hohenzollerndamm steht seit zwei Jahren ein Denkmal des Vaters der kroatischen Literatur Marko Marulic. Am Urbankrankenhaus in Kreuzberg erinnert eine Tafel an Fran Mazuranic. In der Mommsenstraße lebt und schreibt Irena Vrkljan.
1874 begründete Vatroslav Jagic die Slawistik in Berlin. Da die polnischen Studenten wegen der Berufung eines Nichtpolen seine Vorlesungen zunächst mieden, nutzte er die freie Zeit und gab das Archiv für slawische Philologie heraus. Aus Petersburg, wo er anschließend lehrte, schickte er viel russische Literatur an den damaligen Oberbibliothekar der Königlichen Bibliothek Karl Richard Lepsius.

Heute betreut die Staatsbibliothek zu Berlin das Sondersammelgebiet für slawische Sprachen und Literaturen. Von den zehn Millionen Bänden in den Lesesälen und Magazinen der beiden Hauptstandorte der Staatsbibliothek kommen über eine Million Titel aus osteuropäischen Ländern. Ein Zehntel davon sind Publikationen aus Südosteuropa und davon wiederum ein Fünftel Croatica.

Auch wenn die Erwerbungen des kroatischen Schrifttums der Staatsbibliothek nicht bis in die Anfänge zurückreichen, so hat sie doch zwei bedeutende kroatische Bücher, das Neue Testament. Prvi del novoga testamenta, Tübingen 1562, in kyrillischer, glagolitischer und lateinischer Schrift und Confessio, oder Bekanntnuß des Glaubens. Artikuli ili deli prave stare krstianske vere, Tübingen 1562, in kyrillischer Schrift zählten zum ersten Slavicabestand der 1661 gegründeten Churfürstlichen Bibliothek zu Cölln an der Spree. Schon davor gehörten sie der kurfürstlichen Hausbibliothek an, und dahin gelangten sie aufgrund eines Druckzuschusses, den der damalige Kurfürst von Brandenburg Joachim II. mit anderen großen Herren bereit war zu entrichten, damit der lutherische Glaube unter den Kroaten verbreitet werde. Gebeten wurden sie darum vom Freiherrn Johann Ungnad von Sonneck, der Primoz Trubar, Antun Dalmatin und Stjepan Konzul Istranin nach Urach und Tübingen geholt hatte. Dort wurden in den Jahren 1560-1565 achtundzwanzig verschiedene kroatische Ausgaben gedruckt, davon dreizehn in glagolitischer und acht in kyrillischer Schrift. Von den fast 25.000 gedruckten Exemplaren sind heute noch 300 Drucke erhalten. Sechs davon waren einst im Bestand der Staatsbibliothek, und fünf davon, darunter auch die beiden oben genannten Slavicabände, gingen im Zweiten Weltkrieg verloren. Nur Beneficium Christi. Govorenje vele prudno, ein glagolitischer Druck aus dem Jahre 1563, ist erhalten geblieben und kann ausgestellt werden.
Mit den Uracher glagolitischen Lettern warb später die Gegenreformation für ihre Sache. Davon sind Missale Romanum Slavonico idiomate. Missal rimskij slavenskim jazikom, Rom 1741, Breviarium Romanum Slavonico idiomate - pars hiemalis. Casoslov rimskij slavenskim jazikom - cast zimovaja, Rom 1791 und Breviarium Romanum Slavonico idiomate - pars aestiva. Casoslov rimskij slavenskin jazikom - cast letnaja, Rom 1791, immer noch im Bestand der Staatsbibliothek und sind unter den Exponaten der Ausstellung.

Erfreulicherweise konnten seit 1995 durch unerwartete Angebote von privater Hand die Erwerbung alter kroatischer Drucke wieder aufgenommen werden. Drei Werke in der Redaktion von Ivan PaÅ¡tric Breviarium Romanum Slavonico idiomate. Casoslov rimskij slavinskim jazikom, Rom 1688, Missale Romanum Slavonico idiomate. Missal rimskij va jezik slovenskij, Rom 1706, und die Totenmessen Misse za umervÅ¡ie samo iz misala rimskoga izvadene, Rom 1707, ergänzen jetzt die glagolitische Sammlung der Staatsbibliothek. Erworben wurde auch in lateinischen Lettern die zweite Ausgabe des Lektionars von Bernardin Splicanin Stumacenia od svetich, Venedig 1543, in der Bearbeitung von Benedikt Zborovcic. Von den gegenwärtig 170 Werken des Mathias Flacius Illyricus sind Catalogus testium veritatis, Basel 1556, und Clavis scripturae sacrae, 1.2. Basel 1567, ausgestellt.

Besondere Erwähnung verdient aus Berliner Sicht das glagolitische Missale Romanum, MS Ham. 444, das in Kroatien als Berlinski misal, Berliner Meßbuch, bekannt ist. Die Handschrift stammt aus dem frühen 15. Jahrhundert und zählt zu den ältesten kroatischen Messbüchern. Durch den Kauf der Sammlung Hamilton kam es 1882 in den Bestand der Staatsbibliothek.

Schon die annähernd 20 Tausend kroatischen Druckerzeugnisse im eigenen Bestand wären Anlass genug, eine repräsentative Ausstellung der neueren kroatischen Literatur auszurichten. Wenn aber auch das ältere kroatische Schrifttum umfassend vorgeführt werden soll, dann bedarf es der Hilfe aus Kroatien. Durch die Zusammenarbeit mit dem Ministerium für Kultur der Republik Kroatien, dem Außenministerium der Republik Kroatien, der National- und Universitätsbibliothek Zagreb, dem Altslavischen Institut Zagreb und dem Erasmus Verlag für Wissenschaft und Kunst aus Zagreb kann daher der kritischen Fachwelt mit der jetzt präsentierten Ausstellung eine wissenschaftlich fundierte und dem breiten Publikum eine anschauliche und sehenswerte Sammlung an kroatischen Inschriften, Handschriften und Büchern gezeigt werden, die in drei Schriften und drei Sprachen einen Zeitraum von tausend Jahren umspannt.