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Pressemitteilungen | Neuigkeiten

Chamisso ist online!

zu finden in http://kalliope.staatsbibliothek-berlin.de, Datenbank der Nachlässe und Autographen


Finanziert von der Robert Bosch Stiftung, ist ein weiteres großes Digitalisierungs- und Erschließungsprojekt der Staatsbibliothek zu Berlin nahezu abgeschlossen: Der Nachlass des Dichters und Naturforschers von Adelbert von Chamisso (1781-1838) ist jetzt online. In der Handschriftenabteilung der Staatsbibliothek zu Berlin befinden sich in 37 Kästen etwa 20.000 Seiten mit dem wissenschaftlichen, literarischen und privaten Nachlass Chamissos. Jetzt kann ihn jeder Interessent nach Herzenslust online anschauen. Die Robert Bosch-Stiftung ist seit langem für Chamissos Erbe engagiert, unter anderem vergibt sie seit 1985 den Adelbert von Chamisso-Preis an Schriftsteller.

Sämtliche Lebenszeugnisse, Manuskripte und Korrespondenzen Chamissos, die sich im Besitz der Staatsbibliothek zu Berlin befinden, sind jetzt archivalisch und wissenschaftlich erschlossen, zugleich können die jeweils zugehörigen digitalen Bilder aufgerufen werden. Die Digitalisate sind über die einzelnen Datensätze aufzurufen, in denen die Materialien erschlossen wurden. Bei der Erschließung des Nachlasses wurden die komplexen Zusammenhänge berücksichtigt, die einerseits in den Materialien manifestiert sind, andererseits sich im Zuge der Arbeit in weiterführenden Fragestellungen zeigten. Der stetige Austausch der Bearbeiterinnen mit externen Experten der Chamisso-Forschung führte zu einem guten Gelingen der Tiefenerschließung.

Die Datenbank Kalliope ist via http://kalliope.staatsbibliothek-berlin.de/ aufzurufen, dort muss jeweils über 'Vollanzeige' eine tiefere Ebene der Erschließung angesteuert werden. Die Benutzung ist frei zugänglich. Verwertungen in Publikationen bedürfen einer Genehmigung durch die Staatsbibliothek zu Berlin und einer wissenschaftlichen Zitation. Der Nachlass ist u. a. nach Stichwörtern durchsuchbar, sodass sich nach thematischen Suchanfragen eine Kompilation von Datensätzen und entsprechenden Bildern zeigt.

weitere Informationen zum Projekt


Hintergrundinformationen

Der Chamisso-Nachlass hat, wie viele Materialien der Staatsbibliothek zu Berlin, aufgrund der Ereignisse während des und nach dem Zweiten Weltkrieg eine wechselvolle Geschichte, deren Auswirkungen jetzt beseitigt werden. Bis zum Projektbeginn bestanden zwei Kataloge, die die Inhalte des Nachlasses nur grob umrissen: Der erste wurde 1938 nach der Übernahme des Nachlasses angelegt. Nach Kriegsende gelangte der Nachlass in die Lenin-Bibliothek in Moskau, dort wurde ein zweites Verzeichnis angelegt. Im Jahr 1958 wurde der Nachlass mit den beiden Katalogen an die Deutsche Staatsbibliothek (DDR) zurückgegeben und blieb seither weitgehend unbearbeitet.

Das Erschließungsprojekt der Staatsbibliothek zu Berlin setzte nun den Startpunkt für weitere Projekte zu anderen Chamisso-Sammlungen, etwa in Naturkunde- und Botanischen Museen. Auch sollen in diesem Zusammenhang Korrespondenzbeziehungen zwischen Wissenschaftlern in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts aufgedeckt werden, unter anderem mit Alexander von Humboldt. Im Chamisso-Nachlass selbst konnten 400 Korrespondenzpartner identifiziert werden, die sich auf viele Wissensgebiete verteilen, sei es Ästhetik, Lyrikgeschichte, Gesellschaftsgeschichte, botanische Spezialfragen, zoologische Entdeckungen, Forschungsreisende.

Von 1815 bis 1818 nahm Chamisso an der Forschungsweltreise mit dem Schiff Rurik teil, deshalb wird er oft auch als "der kleinere Humboldt" apostrophiert. Sein Schaffen war von zwei großen Leidenschaften geprägt: von der Dichtung und den Naturwissenschaften. So galt und gilt er als ausgezeichneter Botaniker wie auch als bedeutsamer Lyriker des 19. Jahrhunderts. Zugleich zeigt ihn sein privater Schriftwechsel mit Zeitgenossen etwa in Frankreich als einen stets politisch wachen und wirksamen Zeitgenossen.

Der Impuls zur Erschließung des bis dato unbearbeiteten Nachlasses wurde auf der 1. Internationalen Chamisso-Konferenz in Paris 2011 durch den Berliner Kulturjournalisten Michael Bienert gesetzt. Jetzt ist der Nachlass uneingeschränkt für alle Interessierten weltweit zugänglich. Die wissenschaftliche Tiefenerschließung wird noch bis zum Projektende im Januar 2015 fortlaufend ergänzt.

Die Digitalisate sollen zur weiteren Beschäftigung mit Handschriften im allgemeinen, und insbesondere mit diesem vielseitigen Gelehrten und Schriftsteller anregen. Nach einiger Übung ist es leicht, die Handschrift zu entziffern. Mehrere universitäre Kurse haben sich bereits mit diesen Handschriften auseinandergesetzt und sogar an Editionen mitgewirkt, etwa eine Gruppe von Nachwuchswissenschaftler/innen der Humboldt-Universität.

Die Digitalisate sind auch in ihrer Materialität interessant, durch die Vielzahl an Papierarten, Siegeln und etliche Urkunden- und Dokumentarten, wie etwa Zeugnisse, Urkunden und Verträge. Desgleichen finden sich Dokumentschmuckstücke und handschriftliche Bücher neben Zetteln, die für mehrere Inhalte genutzt wurden. Für Medienwissenschaftler/innen könnten insbesondere die vielfachen Text-Bild-Beziehungen interessant sein.