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Von Sansibar nach Berlin und weiter

Nach Sansibar unter deutscher Flagge (1885)

„Ansicht der Stadt Sansibar vom Hafen aus“

(nach Originalfotografie von Dr. G. Fischer), in: „Deutschlands Kolonialbestrebungen. Sansibar“ von Oskar Canstadt, Die Gartenlaube (Heft 6), 1885

Im selben Jahr, in dem dieses Bild in der Gartenlaube erschien, fuhr Emily Ruete nach langer Wartezeit auf die deutschen Kriegsschiffe, die ihr Schiff, die „Adler“, begleiten sollten, in den Hafen der Stadt Sansibar ein. Sie beschrieb ihren ersten Eindruck nach ihrer „Wiederkehr nach der Heimath nach neunzehn Jahren“ folgendermaßen:
„Am Horizont tauchte der Mastenwald des Hafens auf. [Wir…] fuhren […] dicht am Lande an herrlichen Palmenhainen, in denen kleine Negerdörfer zerstreut liegen, vorbei. […] Der Eindruck, welchen diesmal die Stadt Zanzibar von der See aus auf mich machte, war der gleiche wie früher, eher noch etwas freundlicher; es sind viele neue Häuser erstanden und der vor dem Palais sich erhebende Leuchtthurm mit seinem elektrischen Licht nimmt sich recht stattlich aus […].“ (Memoiren einer arabischen Prinzessin, 4. Aufl., Bd. 2, S. 167 ff.)
Der Titel „Deutschlands Kolonialbestrebungen. Sansibar“ des anscheinend ethnografischen Artikels, in dem die Handelsmöglichkeiten sowie die Fruchtbarkeit und Größe des Gebiets betont werden, zeigt damit das wirkliche Interesse Deutschlands an Sansibar im Frühjahr 1885.

Signatur: Staatsbibliothek zu Berlin,  4° Ac 7218


Ottilie Labuske

„Mit Frau Ruete nach Zanzibar (Unter deutscher Kriegsflagge)“  3. Fortsetzung, Hamburgischer Correspondent (Nr. 215) 1886 (5. August)

„‚Fräulein, ich möchte mit Ihnen etwas besprechen!‘ Mit diesen Worten rief mich Frau Ruete vom Balcon in ihr Zimmer, welches sie nach meinem Eintritte hinter uns verschloß. Ich muß gestehen, in diesem Augenblick wurde mir angst und bange. Stand ich jetzt vor der Lösung der mich umgebenden Räthsel? […] Zuerst sollte ich schwören, von Alledem, was ich nun hören würde, vor Erledigung der Sache keiner menschlichen Seele das Geringste zu verrathen; als ich das gethan, sagte Frau Ruete: ‚Wir gehen nach Zanzibar!‘ […]“. („Mit Frau Ruete nach Zanzibar“, 3. Fortsetzung, S. 1)

Ottilie Labuske veröffentlichte ihre „Reise-Erinnerungen“ in Fortsetzungen fast ein Jahr, nachdem sie als Reisebegleiterin der Familie Ruete 1885 heimlich „unter deutscher Flagge“ nach Sansibar gefahren war. Die deutsche Regierung wollte, dass Emily Ruetes Reise nach Sansibar unbemerkt durchgeführt wurde, damit sie nicht durch die Engländer, die ein gutes Verhältnis zu Sultan Bargasch und eigene Interessen in der Region hatten, verhindert werden konnte. Emily Ruete und ihre Erbansprüche spielten nämlich eine zentrale Rolle für die deutschen Ostafrikapläne. Diese Reise und ihre Folgen – Emily Ruete kehrte schließlich nach Deutschland zurück, ohne ihre eigenen Ziele erreicht zu haben – werden auch in den Memoiren sowie im Literarischen Nachlass beschrieben.

Signatur: Staatsbibliothek zu Berlin, Londoner Bestand F 427


Rosa Ruete

Brief aus Sansibar (27. August 1885)

Briefanfang:  „Liebe gnädige Frau,
wie überrascht und erstaunt werden Sie sein, jetzt von hier aus Nachricht von uns zu erhalten! Ja, leider dürften wir niemandem von unserer Reise mitteilen, es war Alles äußerst secret, leider erfahren wir aber jetzt dennoch, daß in Berlin darüber gesprochen ist […]“

Ein Brief von Emily Ruetes jüngster Tochter an eine Empfängerin der Familie Ebers (Georg Ebers (1837–1898) war Ägyptologe). Rosa Ruete fuhr 1885 mit ihrer Mutter und ihren Geschwistern samt Reisebegleiterin Ottilie Labuske „unter deutscher Flagge“ nach Sansibar. Emily Ruetes persönliches Ziel war es, ihren Anteil des Erbes ihrer verstorbenen Familienmitglieder in Sansibar zu erhalten und sich mit ihrem Bruder Bargasch, dem Sultan von Sansibar, zu versöhnen. Eine solche Reise (mit dem deutschen Geschwader) wurde ihr aber letzten Endes nur erlaubt, da ihre Präsenz auch deutschen Interessen diente – sie wurde als Trumpfkarte bei Verhandlungen mit dem Sultan eingesetzt. Näheres zu dieser Episode erfährt man in ihren Memoiren.

Signatur: Staatsbibliothek zu Berlin, Handschriftenabteilung, Nachl. Ebers, K 22b