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Das Kinderbuch erklärt den Krieg

Die Darstellung des ersten Weltkriegs in Kinder- und Jugendbüchern vom Kriegsende bis 1933

Die kurze historische Epoche der Weimarer Republik war gekennzeichnet durch radikale Umbrüche, Instabilität und Unsicherheit, aber auch durch Wertewandel und Neubeginn.

Politischer Extremismus, die Verelendung ganzer Bevölkerungsteile im Zusammenhang mit den für Deutschland verheerenden Folgen des Ersten Weltkriegs und der Kollaps der bisherigen wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Systeme kennzeichneten die ersten Nachkriegsjahre. Der ständige Wechsel der Regierungen – in 14 Jahren wurden 16 Regierungen gebildet – war ein Indiz für die Zerrissenheit des Landes in verschiedene politische Lager.
Die Heterogenität der Gesellschaft spiegelt sich auch in der Kinder- und Jugendliteratur dieser Zeit und besonders in der Behandlung von Krieg und Militär.
Neben deutschen Heldensagen und Büchern über die Kriege vergangener Epochen wurden zahlreiche (und vor allem auflagenstarke) Darstellungen zum Ersten Weltkrieg veröffentlicht. Die Masse dieser Publikationen bildeten kriegsverherrlichende Jugendbücher, welche die deutsche Niederlage als Schmach betrachteten.

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Dazu gehören Hans Henning von Grotes Kriegserzählung »Was sollen wir mit dem Jungen?« oder Paul von Lettow-Vorbecks Buch »Heia Safari! Deutschlands Kampf in Ostafrika«. In einigen dieser Bücher wird bereits Revanche für die im Versailler Vertrag festgeschriebenen Gebietsabtretungen und Reparationszahlungen gefordert.
Daneben gab es aber auch den Geist einer neuen Zeit spiegelnde Kinderbücher, wie das Bilderbuch »Woraus wird alles gemacht, was wir zum täglichen Leben gebrauchen?«, das den Beitrag von Menschen aus verschiedenen Kontinenten an der Herstellung von Waren würdigt und damit für ein friedliches Miteinander der Völker plädiert.
Realistische Bilder vom Ersten Weltkrieg vermitteln neben Rudolf Franks »Der Schädel des Negerhäuptling Makaua« auch Erna Langes Mädchenerzählung »1914 bis 1918 auf der Schulbank« und der Tagebuchroman »Die Katrin wird Soldat« der jüdischen Schriftstellerin Adrienne Thomas (eigentlich Hertha Strauch), in dem die Erlebnisse eines jungen Mädchens in Elsass-Lothringen geschildert werden, das als Krankenschwester mit dem Leid der verwundeten und verstümmelten Soldaten konfrontiert wird.

In der jungen Republik Österreich hat eine konsequente kritische Auseinandersetzung mit dem Weltkrieg, mit seinen Ursachen und Folgen, in Kinder- und Jugendbüchern kaum stattgefunden.
Zunächst waren es Schulbücher in Wien, die – aus reformpädagogischer Tendenz – in historisch rückblickenden Darstellungen den Krieg als fatales Erbe der Monarchie anprangerten. Dabei wurde allerdings die Rolle der internationalen Politik, die zum Krieg geführt hatte, nie verdeutlicht. Im Grunde also wurde die im Krieg vorhandene Freund-Feind-Ideologie nunmehr auf die Historie angewendet – die damit verbundenen Appelle zu einer neuen republikanischen Gesinnung waren angesichts der weiter existierenden politischen Polarisierungen nur wenig wirksam.
Erst in den Spätjahren der Republik kam es zur Veröffentlichung einiger Kinder- und Jugendbücher, die den Krieg als politisches Mittel grundsätzlich in Frage stellten. Sie waren dem im Wiener Kreis der Philosophie gepflegten Rationalismus verpflichtet und versuchten – ohne politische Ideologisierung – die Inhumanität des Kriegs darzustellen. In einer Zeit, in der (als Folge der Wirtschaftskrise) viele Menschen sich keine Bücher mehr leisteten und anderseits ideologisch aufgeladene Schriften wieder überhandnahmen, wurden diese Zeugen eines Humanismus aber wohl nur von wenigen beachtet.