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Das Kinderbuch erklärt den Krieg

Pazifismus im Kinder- und Jugendbuch von 1871 bis 1932

Im Vergleich zur großen Anzahl kriegsverherrlichender und hurrapatriotischer Texte ist die Menge der pazifistischen Kinderbücher in Deutschland sehr gering.
Bertha von Suttners erfolgreiches Antikriegsbuch »Die Waffen nieder!«, das 1889 erschien und in zwölf Sprachen übersetzt wurde, kam acht Jahre später in Dresden in einer jugendliterarischen Bearbeitung von Hedwig Gräfin Pötting unter dem Titel »Martha’s Tagebuch« heraus.

Ein Manifest der Kriegsgegnerschaft schlechthin ist das schmale Bändchen »Das Menschenschlachthaus. Bilder vom kommenden Krieg« des Reformpädagogen und Schriftstellers Wilhelm Lamszus. Bereits zwei Jahre vor Ausbruch des Ersten Weltkriegs warnt Lamszus in dieser Erzählung über einen jungen Familienvater, der einberufen wird und an der Front das Grauen des Kriegs erlebt, eindringlich vor einem Krieg mit Massenvernichtungsmitteln. Seine Schreckensvision wurde nur zwei Jahre später in den Schlachten an der Westfront Wirklichkeit.
Während des Ersten Weltkriegs hatten angesichts der allgemeinen Kriegseuphorie auf der einen und den strengen Zensurbestimmungen auf der anderen Seite Antikriegsbücher kaum die Chance veröffentlicht zu werden, auch »Das Menschenschlachthaus« wurde 1915 verboten und beschlagnahmt.
Nur in Untertönen kommen in dieser Zeit Kritik am Krieg und die Sehnsucht nach Frieden in Kinderbüchern zum Ausdruck. So propagiert 1916 der Wiener Philosoph und Pädagoge Wilhelm Börner in der Broschüre »Werdet Helden! Ein offener Brief in der Kriegszeit an die deutschen Kinder« eine humanistische Form des Heldentums und fordert seine Leser dazu auf, »Helden des Alltags«, »Helden der Liebe« und »Helden des Friedens« zu werden.

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Der Wunsch nach Frieden wird mit zunehmender Dauer des Kriegs immer deutlicher und zeigt sich beispielsweise auch in der Werbung des Verlags Gustav Müller in Leipzig am Ende des Bilderbuchs »Das U-Buch« von Karl Bauer und Carlos Tips, in der ein »Friedensbuch« des Illustrators angekündigt wird, das nach dem Friedensschluss erscheinen soll.

Auch wenn in der Weimarer Republik einige kriegs- und militärkritische Texte veröffentlicht wurden, darf das nicht darüber hinwegtäuschen, dass diese gegenüber den auflagenstarken glorifizierenden und revanchistischen Publikationen von Autoren wie Paul von Lettow-Vorbeck, Nikolaus zu Dohna-Schlodien und Hans Henning von Grote deutlich in der Minderzahl waren.
Eines der wichtigsten pazifistischen Jugendbücher über den Krieg, Rudolf Franks Erzählung »Der Schädel des Negerhäuptlings Makaua«, erschien kurz vor dem Ende der Weimarer Republik im Jahr 1931. Das Buch wurde 1933 von den Nationalsozialisten verboten.

Wie in Deutschland gab es auch in Österreich (sowohl in der Habsburger-Monarchie als auch nach 1918) nur wenige Beispiele von pazifistischen Kinder- und Jugendbüchern. Man darf dabei allerdings nicht übersehen, dass auch jene Veröffentlichungen einem »stillen« Pazifismus dienen konnten, die sich nicht explizit mit Krieg und Frieden auseinandersetzten.
So ist der Versuch von Helene Scheu-Riesz, mit einer Kinderbibliothek der Weltliteratur, der Schriftenreihe »Konegens Kinderbücher «, Interesse für Jugendliteratur außerhalb der deutschen Sprache zu erwecken, als ein Beitrag zur Völkerverständigung zu werten. Ähnlich mochten zahlreiche Texte und Bilder in Kinderzeitschriften (vor allem jene des Jugendrotkreuzes und jene der sozialdemokratischen Kinderfreunde) das Ideal von Freundschaft und Verständnis über Grenzen hinweg fördern.