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Manuscript Department

Johann Gottfried Wetzstein(1815-1905) Orientalist, Diplomat und Forscher

Johann Gottfried Wetzstein sorgte dafür, dass die orientalische Sammlung der Preußischen Staatsbibliothek internationale Bedeutung gewann. Er sammelte Tausende arabische Handschriften, über 2000 befinden sich heute in der Orientabteilung der Staatsbibliothek.

Sein umfangreicher Nachlass zur orientalischen Literatur, Philologie und Geschichte ist bis heute ein wichtiger Schatz für Forschung und Wissenschaft arabischer Sprachwissenschaften.

Wetzstein, geboren am 19. Februar 1815 in Oelsnitz im Vogtland als Sohn eines Gerbers, nahm nach dem Abitur 1836 das Studium evangelischer Theologie und semitischer Sprachen an der Universität Leipzig auf. Dort lernte er Arabisch und Aramäisch – später auch Türkisch und Persisch und schloss sein Studium im Sommer 1839 mit einer Promotion ab.

Nahezu gleichzeitig mit dem Antritt als Privatdozent der Friedrich-Wilhelms-Universität in Berlin im Jahre 1846 heiratete er Henriette Geigenmüller, die bereits zwei Jahre später starb. Dies nahm Wetzstein zum Anlass, sich fern der Heimat mit Erfolg um die Stelle des ersten königlich-preußischen Konsuls in Damaskus zu bewerben. In Syrien konnte Wetzstein sein Interesse und seinen Forschungsdrang gut ausleben: Er sammelte orientalische Handschriften, reiste durch Teile Syriens und Palästinas (nach Ostsyrien und das Haurangebirge) und brachte unglaublich viel Wissenswertes über die Kultur, Literatur und Geschichte, aber auch Geographie und Ethnologie des Landes in Erfahrung. Schon zu Lebzeiten war er bemüht, seine Erkenntnisse der westlichen Welt darzulegen, er verkaufte Teile seiner Handschriftensammlung nach Berlin, Leipzig und Tübingen; 1851 waren es 251 und 1862 bereits 1962 Einzelstücke. Er veröffentlichte 1844 ein arabisch-persisches Wörterbuch und schrieb populäre Artikel für Zeitungen. Für seine Tätigkeit als Konsul wurde er nicht bezahlt. Deshalb baute er die Dörfer Sekka und al-Gassula auf, deren Erträge zum Lebensunterhalt seiner mittlerweile entstandenen Familie (Heirat mit Ernestine Rudolph 1853) beitrug. Der Nachlass enthält beispielsweise u.a. auch Rechnungen, Kostenbilanzen und Belege der beiden Dörfer.

Im Jahre 1862 kehrte Wetzstein nach Deutschand zurück und verbrachte fünf Jahre mit der Ausarbeitung seiner bis dahin gesammelten Materialien. Als erster Sprach- und Literaturwissenschaftler zeichnete er das syrische Arabisch auf. Von 1867-75 lehrte er an der Friedrich-Wilhelm-Universität und an der Lehranstalt für die Wissenschaft des Judentums und war Berater der Regierung Bismarck. Er starb am 18. Januar 1905.

Besonders wertvoll ist seine umfangreiche Korrespondenz mit anderen herausragenden Wissenschaftlern, so mit Paul Ascherson, Friedrich Delitzsch, Alexander von Humboldt, Gustav Nachtigal und Carl Ritter.

Der umfangreiche Nachlass wurde in der Verbunddatenbank Kalliope verzeichnet.

Die Publikation des Nachlassverzeichnisses erfolgte 2006 durch Ingeborg Huhn. Briefwechsel und Einzelautographe Wetzsteins befinden sich auch in der Sammlung Darmstaedterund im Nachlass von Alexander von Humboldt.