Diese Website setzt Cookies ein. Für die Nutzungsanalyse wird die Software Piwik verwendet.
Wenn Sie der Nutzungsanalyse widersprechen oder mehr über Cookies erfahren möchten, klicken Sie bitte auf die Informationen zum Datenschutz.
flagDeutschEnglish

E.-T.-A.-Hoffmann-Archiv

Weinhandlung "Lutter & Wegner"

Fotografie des Eckhauses Charlottenstraße/ Französische Straße, 1888, von Friedrich Albert Schwartz.
"Seine [d.i. Hoffmanns] Lebensordnung in den letzten sechs Jahren, von 1816 bis 1822, war die. Am Montage und Donnerstage brachte er die Vormittage in de
Weinhandlung "Lutter & Wegner"

Fotografie des Eckhauses Charlottenstraße/ Französische Straße, 1888, von Friedrich Albert Schwartz; Staatsbibliothek, Kartenabteilung (Signatur 1 : 44252-195A).

Seine [d.i. Hoffmanns] Lebensordnung in den letzten sechs Jahren, von 1816 bis 1822, war die. Am Montage und Donnerstage brachte er die Vormittage in den Sitzungen des Kammergerichts, an den andern Tagen, zu Hause, arbeitend, die Nachmittage in der Regel schlafend, im Sommer auch spazierengehend, zu; die Abende und Nächte in dem Weinhause. War er, was häufig, in manchen Perioden täglich, geschah, Mittags oder Abends, oder Mittags und Abends [...], oft Abends in zwei Cirkeln, von sieben bis neun, und von neun bis zwölf, gewesen; so ging er, es mochte so spät seyn, als es wollte, wenn alle andere sich nach Hause begeben, noch in das Weinhaus, um dort den Morgen zu erwarten; früher in seine Wohnung zurückzukehren, war ihm nicht gut möglich.

Man denke hiebei aber nicht etwa an einen gemeinen Trinker, der trinkt und trinkt, aus Wohlgeschmack, bis er lallt und schläft; gerade das Umgekehrte war Hoffmann's Fall. Er trank, um sich zu montiren; dazu gehörte Anfangs, wie er noch kräftig war, weniger; später, natürlich mehr; - aber, war er einmal montirt; wie er es nannte, in exotischer Stimmung, die, oft bei einer halben Flasche Wein, auch nur ein gemüthlicher Zuhörer hervorrufen konnte, so gab es nichts Interessanteres, als das Feuerwerk von Witz und Glut der Fantasie, das er dann unaufhaltsam, oft fünf, sechs Stunden hintereinander, vor der entzückten Umgebung aufsteigen ließ. War aber auch seine Stimmung nicht exaltirt, so war er im Weinhause nie müßig [...]; er schaute vielmehr mit seinen Falkenaugen überall umher; was er an Lächerlichkeiten, Auffallenheiten, selbst an rührenden Eigenheiten, bei den Weingästen, bemerkte, wurde ihm zur Studie für seine Werke, oder er warf es mit fertiger Feder auf das Papier; kurz, er sprach selten seine Freunde, ohne daß er ihnen neue und pikante Curiosa aus dieser seiner Welt zu erzählen wußte.

[...] Oft war der geistreichste Kreis um ihm versammelt, und Fremde, die nach Berlin kamen und ihm gern sehen wollten, suchten ihn, da seine Lebensweise bekannt war, immer in seinem Weinhause auf [...].

Aus Hoffmann's Leben und Nachlass. Herausgegeben vom Verfasser des Lebens-Abrißes Friedrich Ludwig Zacharias Werners [d.i. Julius Eduard Hitzig], Zweiter Theil, Berlin 1823, S. 125-128.