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Musik

DFG-Projekt "Bach Digital"

Bach digital I – Digitalisierung der Werkautographen und der originalen Aufführungsmaterialien Johann Sebastian Bachs einschließlich der von ihm bearbeiteten Werke anderer Komponisten und deren Präsentation im Internet

J. S. Bach, Johannespassion, Autograph der ersten Seite (Mus.ms. Bach P 28)
Bild zeigt: J. S. Bach, Johannespassion, Autograph der ersten Seite (Mus.ms. Bach P 28)

Aufgrund des ungebrochenen Interesses an den Werken Johann Sebastian Bachs haben sich mehrere Institutionen zusammengefunden, um das Projekt Bach Digital durchzuführen. Es wird von der Deutschen Forschungsgemeinschaft gefördert. Ziel ist es dabei, alle erhaltenen Werkautographen Johann Sebastian Bachs, dazu alle von ihm benutzten Aufführungsstimmen sowie Abschriften von Werken anderer Komponisten von seiner Hand in einer digitalen Version frei verfügbar online zugänglich zu machen. Dieser für die musikwissenschaftliche Forschung zentrale Quellenbestand, an dem seit Generationen musikphilologische Arbeitsweisen entwickelt und erprobt worden sind, ist durch ein Kooperationsprojekt zeit- und ortsunabhängig im Internet einsehbar.

Neben der Staatsbibliothek zu Berlin - Preußischer Kulturbesitz sind auch die Sächsische Landesbibliothek - Staats- und Universitätsbibliothek Dresden, das Bach-Archiv Leipzig und das Universitätsrechenzentrum Leipzig an diesem Projekt beteiligt.
Der Projektstart war im April 2008. Seither sind 21.000 Seiten Bachscher Handschrift gescannt worden. Damit sind zwar noch nicht alle Autographe erfasst, doch die drei beteiligten Bibliotheken verwahren immerhin über 90% des weltweit erhaltenen Bestands. So werden in der Sächsischen Landesbibliothek - Staats- und Universitätsbibliothek Dresden die autographen Stimmen von J. S. Bachs h-Moll-Messe verwahrt, Werke wie das Weihnachtsoratorium, die Johannes- und die Matthäus-Passion, die Kunst der Fuge und das Wohltemperierte Klavier verwahrt die SBB.
Die Voraussetzungen für dieses Projekt waren günstig, da mit dem seit 2002 von der DFG geförderten "Göttinger Bach-Katalog" bereits eine Quellendatenbank mit umfangreichen Metadaten und vielfältigen Recherchemöglichkeiten vorliegt. Diese Datenbank wird durch das aktuelle Projekt nun mit Bildern der Handschriften in hoch auflösender Qualität ergänzt. Zusammengehörige - heute aber getrennt aufbewahrte - Quellen können dabei virtuell wieder vereint werden. Zugleich werden die besitzenden Bibliotheken entlastet und vor allem die Handschriften selbst durch Reduzierung der Nutzung an den Originalen geschont.
Im Lauf des Jahres 2011, mit Ende der DFG-Förderung, werden alle Autographen der drei genannten, bestandshaltenden Institutionen im Internet zu sehen sein.

Bach digital II – Digitalisierung der frühen abschriftlichen Überlieferung der Werk Johann Sebastian Bachs und deren Einbindung in die digitale Bibliothek „Bach Digital“

J. S. Bach, Lautensuite e-Moll (BWV 996), 1. Seite, Abschrift (55 MS 10149)
Bild zeigt: J. S. Bach, Lautensuite e-Moll (BWV 996), 1. Seite, Abschrift (55 MS 10149)

Vier Kooperationspartner - die Staatsbibliothek zu Berlin - PK (Projektleitung), das Bach-Archiv Leipzig, die Sächsische Landesbibliothek - Staats- und Universitätsbibliothek Dresden sowie das Universitätsrechenzentrum Leipzig) werden sich in den nächsten drei Jahren wieder der Digitalisierung und Tiefen-Erschließung von Quellen und Werken Johann Sebastian Bachs widmen. Ebenso ist natürlich die langfristige Datenvorhaltung das Ziel des gemeinsamen Projektes.

Bearbeitet werden diesmal Quellen der frühen abschriftlichen Überlieferung der Werke Bachs, die mit ihren Bildern in das digitale Portal Bach Digital eingebunden werden.
Mit Hilfe der Förderung durch die DFG wurde in den Jahren 2008 bis 2011 eine Digitale Bibliothek Johann Sebastian Bachs aufgebaut: Insgesamt ca. 18.000 Seiten an Autographen, Originalstimmen und Abschriften fremder Werke von seiner Hand sind nun weltweit und kostenfrei über das Internet zu sehen. Herausragend ist dabei die Erschließungstiefe der Digitalisate: diese machen sich als Metadaten die Daten des ebenfalls von der DFG geförderten Göttinger Bach-Katalogs zunutze, die für das Projekt jedoch aktualisiert und erweitert werden. Über das Portal Bach Digital kann damit neben der eigentlichen Digitalen Bibliothek auch eine Datenbank mit umfassenden Daten zu allen Werken und allen Quellen von Bachs Œuvre erreicht werden, also auch zur breiten abschriftlichen Überlieferung. Diese hat in der Bach-Forschung besondere Bedeutung, weil die Autographen bei Bach nicht einmal die Hälfte des Gesamtœuvres abdecken. Zu vielen seiner Werke haben sich seine Eigenschriften nicht erhalten, so dass u.U. Abschriften sogar den Rang von Primärquellen zukommen. Quellen aus Bachs unmittelbarem Umfeld - Abschriften seiner Söhne, Schüler und Freunde - haben überhaupt einen so hohen Stellenwert für die Forschung, dass ein Digitalisierungsprojekt die Nachfrage nach Quelleneinsicht befriedigen kann und zugleich die wertvollen und zum Teil fragilen Handschriften entlastet werden.

Für das jetzt gestartete Projekt Bach Digital II wurde das Quellenmaterial der drei beteiligten Bibliotheken mit ca. 13.500 relevanten Seiten eingegrenzt auf Abschriften namentlich bekannter Schreiber, die 1735 oder früher geboren wurden und somit Bach wahrscheinlich noch (als Schüler oder als jugendlicher Zeitgenosse) erlebt haben können. Anders als bei Bach Digital I werden die in der Staatsbibliothek zu Berlin (SBB) verwahrten relevanten Quellen (ca. 250 Signaturen mit 12.300 Seiten) nun im regulären Digitalisierungs-Geschäftsgang bearbeitet und außer im Portal Bach Digital auch in den "Digitalisierten Sammlungen" der SBB präsentiert.

Die für die Digitalisierung vorgesehenen Handschriften füllen in den meisten Fällen die Lücken in der autographen Überlieferung, so dass nach Abschluss des jetzt gestarteten Projektes Bachs Werke entweder als Digitalisat des Autographs oder einer frühen Abschrift verfügbar gemacht werden können. Für den Werkbestand der Klavier- und Orgelmusik wird dies bedeuten, dass mit Bach Digital II schließlich 80 % der genannten Werke online zugänglich wären, während die bisher durch Bach Digital I publizierte, rein autographe Überlieferung der Tastenmusik nur 30 % umfasst. In der Zukunft sind entscheidende Erkenntnisse zu Fragen der Datierung, Überlieferung und Rezeption dieser Bachschen Werke im 18. Jahrhundert zu erwarten.

Der Bestand an frühen abschriftlichen Quellen ist sowohl durch die Arbeit der Neuen Bach-Ausgabe (NBA) als auch durch den zu Bach Digital gehörenden Bach-Quellen-Katalog im Internet detailliert dokumentiert und recherchierbar. Die hier gegenüber der Dokumentation der Autographen fehlenden Abbildungen erscheinen gerade deshalb dringend notwendig, da die abschriftliche Überlieferung nicht in Faksimile-Ausgaben bzw. Dokumentationen verfügbar ist. Zudem fehlen bislang zusammenfassende Publikationen wie die Bände zur Schriftentwicklung Bachs oder zu den Kopisten der Originalquellen (vgl. NBA IX/2-3). An Informationen zu den Quellen stehen nur unterschiedlich umfangreiche Beschreibungen in den Kritischen Berichten der NBA sowie verschiedene Studien zu einzelnen Schreibern oder Quellengruppen zur Verfügung.

Zum Portal Bach Digital wird von der ebenfalls DFG-geförderten Virtuellen Fachbibliothek Musik (ViFa) der Bayerischen Staatsbibliothek in München aus verlinkt; eine vertiefte Zusammenarbeit - die Integration der Daten von Bach Digital in die Metasuche der ViFa Musik - ist derzeit in Vorbereitung.
Mit der Anzeige der Digitalisierungs- und Erschließungsdaten der SBB ist in der Folge auch die Präsentation der Berliner Digitalisate in der Deutschen Digitalen Bibliothek und im Portal Europeana sichergestellt. Darüber hinaus werden die Berliner und die Dresdner Handschriften über die Datenbank RISM-Kallisto recherchierbar sein, womit alle relevanten Zugänge zum bearbeiteten Material garantiert sind.