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Musik

Die Musikaliensammlung der Königlichen Hausbibliothek

"Friedrich der Große", Gemälde
von Anton Graff (1781)

© bpk | Stiftung Preußische Schlösser und Gärten | Jörg P. Anders
Friedrich der Große, Gemälde von Anton Graff (1781) © bpk | Stiftung Preußische Schlösser und Gärten | Jörg P. Anders
Abschrift einer Flötensonate Friedrichs des Großen; Kopist: Theile I (nach Eva Renate Wutta)
Signatur: KHM 1343 (Titelblatt)

Die Musikabteilung der Staatsbibliothek zu Berlin verwahrt seit 1958 einen Teil der Musikalien aus der ehemaligen Königlichen Hausbibliothek der Hohenzollern, die im Berliner Stadtschloss untergebracht war.
Die Königliche Hausbibliothek stellt eine im Jahr 1862 vollzogene Zusammenführung von Privatbibliotheken verschiedener preußischer Herrscher dar, die seit 1925 staatlich verwaltet wurde. Ziel dieser Zusammenführung war es, die in den verschiedenen Schlössern verstreut aufbewahrten Privatsammlungen der Regenten im Stadtschloss in einer zentralen Bibliothek zu vereinigen.
Nach ihrer Auslagerung während des Zweiten Weltkriegs wurden die Bestände bei Kriegsende zunächst in die damalige Sowjetunion transportiert. Im Zuge einer ersten Rückführung von Kulturgütern aus der Sowjetunion in die DDR (1957 bis 1959) wurden schließlich mehr als die Hälfte der Musikalien der Sammlung zurückgegeben und sind seitdem Teil der Musiksammlung der Staatsbibliothek.

Neben etlichen Gebrauchsabschriften für die praktische Musikausübung am Hof enthält die Musiksammlung der Königlichen Hausbibliothek ein weites Spektrum an Autographen, darunter Eigenschriften von so bedeutenden Komponisten wie Georg Benda, Luigi Boccherini, Carl Ditters von Dittersdorf, Friedrich II., Franz Liszt, Carl Loewe, Felix Mendelssohn-Bartholdy, Johann Friedrich Reichardt, Johann Carl Stamitz, Gaspare Luigi Spontini und anderen. Als ältestes Bestandssegment enthält sie Teile der verschiedenen Musikaliensammlungen Friedrich II. aus Schloss Sanssouci, dem Neuen Palais, Schloss Charlottenburg und dem Potsdamer Stadtschloss, darunter die (weithin bekannten) Flötensonaten und -konzerte von J. J. Quantz und Friedrich II. selbst.

Ein großer — wenn nicht sogar der größte — Teilbestand der Königlichen Hausbibliothek ist jedoch die Notensammlung Friedrich Wilhelms II., der in der Nachfolge Friedrichs II. Preußen von 1786 bis 1797 regierte. Friedrich Wilhelms Neuerungen auf musikhistorischem Gebiet werden generell als sehr bedeutend eingestuft: Sein Bestreben, den Anschluss an die internationalen Standards der Instrumental- und Opernmusik herzustellen sowie den Einfluss des Hofes auf die städtische Musikkultur Berlins und Potsdams zu verstärken, ist nicht zu unterschätzen.

Friedrich Wilhelm selbst erlernte als Kronprinz das Gamben- und Cellospiel und ließ sich zahlreiche Stücke aus Opern- und Ballettmusiken für diese Instrumente arrangieren. Dieses Repertoire ist zu großen Teilen in der Königlichen Hausbibliothek überliefert, so etwa Arrangements von Opernarien Carl Heinrich Grauns und Johann Adolf Hasses, aber auch etliche Bearbeitungen von Stücken aus französischen Opern (etwa von Rameau, Grétry, Philidor, Gluck, Mondonville und Rousseau).

Bereits während der Regierungszeit Friedrichs II. sind Musiker nachweisbar, die im Dienst seines Neffen Friedrich Wilhelm II. standen; sie wirkten unter anderem bei Johann Friedrich Reichardts nach französischem Vorbild gestalteten ‚Concerts spirituels’ in den Jahren 1783/84 mit; die in diesem Kontext zu Gehör gebrachten Werke stammten sämtlich aus dem Umfeld der älteren italienischen Kirchenmusik und sind als Stimmenmaterial ebenfalls in der Königlichen Hausbibliothek vorhanden.

„Ausgeliehen“ wurden die Musiker Friedrich Wilhelms II. daneben auch an Johann Adam Hiller für dessen monumentale Messias-Aufführung, die 1786 im Berliner Dom stattfand. Auch zu diesem Werk findet sich Stimmenmaterial in der Hausbibliothek, das zweifelsfrei mit der genannten Aufführung in Zusammenhang steht. Im letztgenannten Fall ergeben sich darüber hinaus Querverbindungen zum bereits erschlossenen Bestand der Sing-Akademie zu Berlin, der unter der Signatur SA 55 eine Partitur nachweist, die in Aufbau und Anlage des Werks eindeutige Parallelen zum genannten Stimmenmaterial aus der Königlichen Hausbibliothek aufweist.

Johann Friedrich Reichardt: Autograph einer Kantate zum Geburtstag der Prinzessin Friederike von Preußen am 7. Mai 1787,
Signatur: KHM 4568 (Titelblatt)
Abschrift eines Streichquintetts
von Boccherini für 2 Vl, Va, 2 Vc
(Nr. 34, Gérard-Nr. 298), unbekannter Schreiber, Signatur: KHM 464, p. 2

Literaturhinweise

Thouret, Georg: Katalog der Musiksammlung auf der Königlichen Hausbibliothek im Schlosse zu Berlin. Verfasst und erläutert von Georg Thouret, Leipzig 1895 (Nachdruck: Wiesbaden 1983).  

Ziegler, Frank: Die Musikaliensammlung der Königlichen Hausbibliothek. Bemerkungen zur zweiten königlichen Bibliothek in Berlin, in: Forum Musikbibliothek 1994/3, S. 253 - 263.  

Hell, Helmut / Kolasa, Ingo / Rathert, Wolfgang / Vries, Willem de: Wiederentdeckt - Eine Sammlung von Musikhandschriften und Musikdrucken deutscher Provenienz am Staatlichen Zentralen Glinka-Museum für Musikkultur in Moskau, in: Forum Musikbibliothek, 24. Jg., 2003/4, S. 416 - 425.  

Geck, Karl Wilhelm / Hell, Helmut / Kolasa, Ingo: Spuren - Auf der Suche nach Musikhandschriften deutscher Provenienz in der Handschriftenabteilung der Russischen Staatsbibliothek in Moskau, in: Forum Musikbibliothek, 27. Jg., 2006/4, S. 333 - 345.  

Henzel, Christoph: Hiller — Lehmann — Zelter. Zu einigen Berliner Messias-Aufführungen, in: Händel-Jahrbuch 2008, S. 224 - 274.