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Musik

Der Nachlass von Woldemar Bargiel

Woldemar Bargiel als Berliner Professor im Jahr 1885
Bild zeigt: Woldemar Bargiel als Berliner Professor im Jahr 1885

Es war ein besonderer Glücksfall, dass im September 2007 Elisabeth Schmiedel als Enkelin von Woldemar Bargiel den reichhaltigen Nachlass dieses Berliner Komponisten und Musikpädagogen der Musikabteilung angeboten hatte. Die besondere Wertschätzung verdient dieser Nachlass (Signatur 55 Nachl 59) vor allem, weil er neue Aspekte zum Künstlerkreis um das Künstlerehepaar Clara und Robert Schumann, Johannes Brahms und den Geiger Joseph Joachim liefert und eine wichtige Ergänzung zum bereits bestehenden Autographen- und Nachlassbestand (Mus.Nachl. Bargiel) aus diesem Umfeld darstellt. Das facettenreiche Material des Nachlasses lässt den Komponisten aber auch Menschen Woldemar Bargiel wieder lebendig werden. An erster Stelle sind die rund 1500 Briefe zu nennen, welche der Komponist mit seiner Mutter Marianne, seinen Schwestern Clara, Cäcilie und Clementine, mit Musikerkollegen, Verlegern und befreundeten Familien, wie etwa die von Arnims oder Grimms austauschte. Hinzu kommen Zeugnisse, Urkunden, Reisetagebücher, Fotografien, Programmzettel, Kritiken aus Zeitungen, kompositorisches Material und vieles andere.

Woldemar Bargiel war Halbbruder der neun Jahre älteren Clara Schumann und hat brieflichen Kontakt nicht nur mit dem Umfeld der Schumanns, sondern eigentlich mit allen Komponisten gehabt, die zum Ende des 19. Jahrhunderts auf der Höhe der Zeit standen. Er wurde 1828 in Berlin geboren und ist dort auch 1897 gestorben. Dazwischen hat er in Leipzig bei Ferdinand David, Ignaz Moscheles und Joseph Joachim studiert, lebte einige Zeit mehr schlecht als recht vom Musikstundengeben in Köln, wurde dann 1865 Dirigent und Kapellmeister in Rotterdam und schließlich 1874 von seinem Freund Joseph Joachim an die von ihm gegründete Königliche Musikhochschule in Berlin berufen. Hier wurde er zu einem der einflussreichsten Musikpädagogen der Kaiserzeit, war aber als Musiklehrer eher unzufrieden und sah sich selber vor allem als Komponist.

Undatierter Brief von Johannes Brahms aus Düsseldorf an seinen Freund Woldemar Bargiel
Bild zeigt: Undatierten Brief von Johannes Brahms aus Düsseldorf an seinen Freund Woldemar Bargiel

Schwerpunkte seines 47 Opuszahlen umfassenden Werkes liegen in der Kammermusik, was kaum verwundert, pflegte er neben Joachim noch mit anderen bedeutenden Kammermusikinterpreten wie Emanuel Wirth, Otto von Königslow, Julius Rietz oder Robert Hausmann ständigen Austausch. Robert Schumann gehörte von Anfang an zu den Förderern Bargiels. Nicht zuletzt hatte er ihn 1853 in seinem berühmten Aufsatz „Neue Bahnen“ zu den „hochaufstrebenden Künstlern“ der jüngsten Zeit gezählt.

Bargiel erscheint als ein Komponist, der auf der Suche nach seinem persönlichen Stil und eigenen Anschauungen war. Die schöpferische Auseinandersetzung mit den damals maßgeblichen Komponisten, sein besonders Verhältnis zu Brahms, Joachim und Schumann machen Bargiel zu einer interessanten Figur. Bargiel wurde zu Lebzeiten oftmals übertönt vom erbittertet geführten Streit zwischen den sogenannten „Brahminen“ und „Neudeutschen“. Der Nachlass steht als ein in sich abgeschlossener Kosmos da, der auch ein Abbild der Berliner Musikkultur des 19. Jahrhunderts liefert. Zugleich ist er ein wichtiger Mosaikstein für die Schumann- und Brahmsforschung und überhaupt die Musikforschung dieser für die Musikentwicklung so wichtigen Zeit.