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Musik

Der Nachlass von Harry Goldschmidt

Harry Goldschmidt 1985
Bild zeigt: Harry Goldschmidt 1985

Harry Goldschmidt war ein Schweizer Musikwissenschaftler. Er wurde am 17. Juni 1910 in Basel als Sohn eines Bankiers geboren, der aus Frankfurt am Main stammte. Nach dem Dirigentenstudium bei Hermann Scherchen in Königsberg und Felix Weingartner in Basel, studierte Harry Goldschmidt Musikwissenschaft, Ethnologie und Philosophie u. a. bei Karl Nef, Felix Speiser und Jacques Handschin. Von 1933-39 war er als Musikkritiker der „Basler National-Zeitung“ tätig. Daneben betätigte er sich als Referent bei den Volkssinfoniekonzerten in Basel. Prägende Erlebnisse und Erfahrungen mit der Musik außereuropäischer Völker fand er auf Reisen, u. a. nach Westafrika und China.
Im Gründungsjahr der DDR 1949 fing Goldschmidt zusammen mit seiner Ehefrau, der Choreographin und Buchautorin Aenne Goldschmidt-Michel,  in Ost-Berlin ein neues Leben an und übernahm die Leitung der Musikabteilung beim Berliner Rundfunk. Jedoch wurden ihm bürgerliche Tendenzen vorgeworfen, die schließlich zu seiner Entlassung führten.
1951 folgte er dem Ruf als Professor für Musikgeschichte an die neu gegründete Deutsche Hochschule für Musik (ab 1964: Hochschule für Musik „Hanns Eisler“ Berlin), deren damaliger Rektor der österreichische Musikwissenschaftler Georg Knepler war. Neben der Dozententätigkeit widmete sich Goldschmidt den Konzeptionen von mehreren Ausstellungen und Kongressen, darunter dem Beethoven-Kongress des Jubiläumsjahres 1977 in Berlin, der auf ein internationales Interesse stieß.

Im Zeitraum 1960-65 war Goldschmidt Leiter des Zentralinstituts für Musikforschung, das die musikwissenschaftlichen Forschungsarbeiten in der DDR koordinierte. Er schrieb maßgebliche Beiträge zur Musikästhetik, die auf ein umfassendes Verständnis von Musik im Kontext von Sprache und geschichtlicher Realität zielte.
Harry Goldschmidt legte zahlreiche Publikationen über den Zusammenhang von Werk und Biographie bei Beethoven und Schubert vor. Zu seinen bekanntesten Werken gehört das Buch „Um die Unsterbliche Geliebte“ (Leipzig 1977), in dem er die Suche nach jener unbekannten Dame, die im Leben Beethovens aufgrund eines rätselhaften Briefes aus dem Jahr 1812 eine besondere Rolle spielte, zum Mittelpunkt eines präzise nachgezeichneten Beethoven-Porträts machte. Ebenso fand Goldschmidts in sieben Auflagen erschienene Schubert-Biographie „Schubert - ein Lebensbild“ (1954) weltweite Beachtung, deren zweite Auflage aus dem Jahr 1958 als Dissertation von der Humboldt-Universität angenommen wurde.
Unter dem Pseudonym Titus Oliva schrieb er ein Lesebuch zu einem imaginären Beethoven-Film mit dem Titel „Es muß sein“ (Leipzig 1982).
Harry Goldschmidt starb am 19. November 1986 in Dresden während eines Kongresses zu Carl Maria von Weber, auf dem er ein Referat „Die Wolfsschlucht - eine Schwarze Messe?“ gehalten hatte.
Er hinterließ einen umfangreichen wissenschaftlichen Nachlass, darunter Manuskripte, Arbeitsbücher, Korrespondenzen sowie eine umfangreiche Musikaliensammlung mit zahlreichen handschriftlichen Eintragungen. Die Witwe übergab den Nachlass 1989 der Staatsbibliothek zu Berlin. Er steht für die wissenschaftliche Forschung zur Verfügung. Die Recherchen sind anhand von Inventarlisten möglich.