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Die Geschichte der Bibliothek

Kurzfassung

Die historische Entwicklung der Institution von einer barocken Fürstenbibliothek zu einer der bedeutendsten bibliothekarischen Einrichtungen ihrer Art im deutschen und europäischen Raum lässt sich zunächst in zwei große Epochen gliedern:

Von ihrer Gründung im Jahre 1661 bis zum Jahre 1810 war die zunächst Churfürstliche Bibliothek zu Cölln an der Spree, ab 1701 Königliche Bibliothek, eine Hofbibliothek absolut regierender Fürsten. Der Herrscher sah diese Institution als die ihm gehörende - der Öffentlichkeit zugängliche - Privatbibliothek an, er entschied persönlich über alle wesentlichen Fragen. Die Bestandsentwicklung hing in dieser ersten Phase daher immer vom Interesse und Wohlwollen des jeweiligen Fürsten ab, daher war sie von Diskontinuitäten gekennzeichnet.

Nachdem die Bibliothek seit 1810 vom Herrscher unabhängiger Bestandteil der Preußischen Staatsverwaltung - dies in engem Zusammenhang mit der neugegründeten Berliner Universität - geworden war, prägte ein zunehmendes Wachstum die zweite Hauptepoche. Es vollzog sich ab 1810 bis etwa 1884 der Aufstieg zur führenden Bibliothek Preußens. In der Zeit von 1885/86 bis in die dreißiger Jahre des 20. Jahrhunderts, ab 1918 als Preußische Staatsbibliothek, gelang es, die Bibliothek zu einer der bedeutendsten wissenschaftlichen Gebrauchsbibliotheken der Welt zu entwickeln.

Der Nationalsozialismus und der Zweite Weltkrieg richteten große Zerstörungen an dieser Institution an, aufgrund der Teilung der Bibliothek zwischen Ost und West war ihre Entwicklung fast ein halbes Jahrhundert lang gehemmt. Die Beseitigung der Schäden und das Anknüpfen an moderne Dienstleistungen beschäftigen die Staatsbibliothek bis heute.

Überblick

Die Staatsbibliothek zu Berlin - Preußischer Kulturbesitz von 1661 bis heute

1661 Churfürstliche Bibliothek zu Cölln an der Spree   eingerichtet im Apothekenflügel des Schlosses
       
       
1701 Königliche Bibliothek 1784 Einzug in das neu errichtete Gebäude Unter den Linden ("Kommode")
    1914 Einzug in das neu errichtete, gegenüberliegende Gebäude (heute Unter den Linden 8)
       
       
1918 Preußische Staatsbibliothek 1941 - 1945 Verlagerung des Bestandes an 30 Orte im gesamten Deutschen Reich; starke Beschädigungen des Bibliotheksgebäudes; nach Kriegsende Verbleib der Bestände in den jeweiligen Besatzungszonen und in Polen
       
       
1946 - 1991   Berlin (Ost), Unter den Linden
1946
Marburg
1946 - 1947
    Öffentliche Wissenschaftliche Bibliothek Überführung der in der amerikanischen Besatzungszone lagernden Bestände
    Wiedereröffnung des Gebäudes 1946 Hessische Bibliothek
    Rückführung nahezu aller in der sowjetischen Besatzungszone lagernden Bestände 1949 Westdeutsche Bibliothek
      1962 Staatsbibliothek der Stiftung Preußischer Kulturbesitz
       
      Universitätsbibliothek Tübingen
      1948 Überführung der in der französischen Besatzungszone lagernden Handschriften und Musikalien
    1954 Deutsche Staatsbibliothek 1948 - 1968 Tübinger Depot
       
      Berlin (West)
      1964 - 1968 Umzug der Bestände aus Marburg und Tübingen nach Berlin (West)
      1968 - 1991 Staatsbibliothek Preußischer Kulturbesitz
    1990/91 Deutsche Staatsbibliothek in der Stiftung Preußischer Kulturbesitz 1978 Einzug in das neu errichtete Gebäude Potsdamer Straße, Zusammenführung aller in Berlin (West) vorhandenen Bestände
       
       
seit 1992 Staatsbibliothek zu Berlin - Preußischer Kulturbesitz   Durch den Einigungsvertrag werden die Deutsche Staatsbibliothek in der Stiftung Preußischer Kulturbesitz und die Staatsbibliothek Preußischer Kulturbesitz institutionell zusammengeführt
1661-

1661 bis 1810 - Die Bibliothek der Könige

Im Jahre 1658 verfügte Friedrich Wilhelm von Brandenburg, der Große Kurfürst, die Ordnung und Verzeichnung seiner bislang privaten Büchersammlung durch Johann Raue (1610 bis 1679). 1661 gab er sie für den - zeitgemäß eingeschränkten - öffentlichen Gebrauch frei und ließ sie im "Apothekerflügel" seines Schlosses benutzbar aufstellen. Dort blieb sie 120 Jahre lang. Durch die Gewährung erheblicher Mittel (ca. 325 Taler pro Jahr) bewies der Große Kurfürst, daß er die Bibliothek nicht bloß als Repräsentationsobjekt ansah. Seine intensive Bestandspflege kam fast allen Fächern einschließlich der besonders geförderten Ostasiatica zugute (Bestand 1688: 20.600 Bände und 1.618 Handschriften).

Kurfürst Friedrich III. (seit 1701 König Friedrich I. in Preußen) vermehrte den Bestand auf mehr als das Doppelte (50.000 Bände), verlängerte die Öffnungszeiten und führte 1699 als erster preußischer Herrscher das brandenburgisch-preußische Pflichtexemplarrecht ein. Nach 1694 wurden bis zu 500 Taler jährlich für Bucherwerbungen bewilligt. Der erste große Übernahme einer geschlossenen Büchersammlung bildete die Bibliothek des Ministers Ezechiel von Spanheim (1629 bis 1710).

König Friedrich Wilhelm I., der Soldatenkönig, strich 1722 den Erwerbungsetat und übergab 1735 die wertvolle naturwissenschaftliche Literatur an die Akademie der Wissenschaften (bis 1798).
Auch Friedrich der Große kümmerte sich zunächst wenig um die Bibliothek. Ab dem Jahre 1770 bewilligte er jedoch erhebliche Mittel, deren Einsatz er persönlich kontrollierte (ca. 8.000 Taler pro Jahr für die Erwerbung). Er bevorzugte in erster Linie das französischsprachige Schrifttum und ließ grundlegende Nachschlagewerke aller Fachgebiete kaufen. Eine wertvolle Bereicherung bildete der Erwerb der Bibliothek des Schriftstellers Quintus Icilius (eigentlich Karl Theophilus Guichard, 1724 bis 1775). In den Jahren 1775 bis 1784 wurde für die Bibliothek ein eigenständiges Gebäude, nach seiner Architektur "Kommode" genannt, an der Westseite des Opernplatzes errichtet. Es blieb das Domizil der Bibliothek für über 125 Jahre (heute von der Humboldt-Universität genutzt). Der Bestand betrug 1786 150.000 Bände, die größtenteils nicht katalogisiert waren.
Unter Friedrichs Nachfolgern gewannen die Bibliothekare (insbesondere Johann Erich Biester, amt. ab 1784; 1749 bis 1816) größere Eigenverantwortung: sie konnten nunmehr selbst - ohne Genehmigung des Herrschers - Bücher bestellen, sie führten die bis dahin getrennt aufbewahrten Sammlungen zusammen und stellten sie systematisch auf. Allerdings fielen die Etatmittel in diesen Jahren erheblich geringer aus. Von 1798 bis 1810 stand die Bibliothek unter der Oberaufsicht der Akademie der Wissenschaften, welche ihre eigene Büchersammlung dieser größtenteils übergaben.

1810-

1810 bis 1945 : Aufstieg und Zersplitterung

Im Zuge der Preußischen Reformen legt Wilhelm v. Humboldt die Grundlagen für den Ausbau der Königlichen Bibliothek zur zentralen bibliothekarischen Einrichtung Preußens. Die Zuordnung der Bibliothek zur Akademie der Wissenschaften wird wieder gelöst und sie als organisatorisch selbständige Institution mit einer festen Position im Staatsetat 1810 der Sektion für Kultus und öffentlichen Unterricht im Ministerium des Innern unterstellt. Ab 1817 ressortierte sie beim Ministerium der geistlichen, Unterrichts- und Medizinalangelegenheiten.Mit der Gründung der Friedrich-Wilhelms-Universität im Jahre 1810 erwuchsen der Bibliothek neue Aufgaben. Der Aufstieg dieser Hochschule zur bedeutendsten Universität Deutschlands mit Vorbildfunktion für das Bildungswesen in ganz Europa und Nordamerika konnte u.a. auch nur gelingen, weil mit der Königlichen Bibliothek eine funktionierende und bestandsreiche Institution in unmittelbarer Nachbarschaft vorhanden war. Sie blieb auch dann noch jahrzehntelang der wichtigste Partner für die Literaturversorgung, als 1831 - in zunächst enger personeller, organisatorischer und baulicher Verknüpfung mit der Königlichen Bibliothek - eine eigene Universitätsbibliothek gegründet wurde.

Mit der Berufung von Friedrich Wilken (1817; 1777 bis 1840) zum Oberbibliothekar und unter seinen Nachfolgern Georg Heinrich Pertz (amt. 1842 bis 1873, ab 1823 erster Leiter der Monumenta Germaniae historica; 1795 bis 1876) und Richard Lepsius (amt. ab 1873; 1810 bis 1884) begann der Aufstieg der Königlichen Bibliothek zur bedeutendsten und modernsten Bibliothek Preußens und (seit 1871) des Deutschen Reichs. Das von Friedrich Schleiermacher (1768 bis 1834) stammende Reglement (1813) reorganisierte die Verwaltung der Königlichen Bibliothek und führte zeitgemäße Benutzungsbedingungen ein; es wurde ein Muster für viele preußische Bibliotheksordnungen.

Eine langfristig planmäßige Erwerbungspolitik setzte ein (Verdopplung des Etats von 3.500 auf 7.000 Taler), nachdem die Königliche Bibliothek nunmehr fest etatisiert worden war. Durch ein gezieltes Anschaffungsprogramm, welches alle für Wissenschaften und Künste wichtigen Neuerscheinungen einschließlich der Naturwissenschaften und der entstehenden Fachzeitschriften erfaßte und zugleich das Pflichtexemplarrecht durchsetzte sowie im großen Stil Lückenergänzung betrieb, entwickelte sich die Königliche Bibliothek bei nur mäßiger Personalverstärkung zur umfassenden Forschungsbibliothek. Bedeutendste Ewerbungen dieser Epoche bilden die Bibliothek Diez (17.000 Bände, 836 Handschriften, besonders Orientalia), die Sammlung Nagler (vor allem ältere deutsche Literatur und viele Handschriften), die Sammlung Méjan (14.000 Bände, besonders Frühdrucke) und die Sammlung Meusebach. Der Bestand umfaßte 1840 325.000 Bände und über 6.000 Handschriften.

Insbesondere während der Amtszeit des berühmten Ägyptologen Richard Lepsius und seiner Nachfolger wurden die Sondersammlungen der Bibliothek entschieden gefördert und zu bedeutenden internationalen Forschungsstätten ausgebaut. Ihre organisatorische Verselbständigung als Sonderabteilungen erfolgte allerdings erst spät

Auch die Katalogsituation erfuhr entscheidende Verbesserungen: Bereits 1811 wurde die Anlage des ersten alphabetischen Bandkatalogs begonnen (1827 vollendet) und von 1842 bis 1881 entstand mit dem universal-hierarchisch gegliederten Realkatalog eines der bedeutendsten Erschließungssysteme des 19. Jahrhunderts mit großer Vorbildfunktion im deutschen Raum. Er bestimmte - ergänzt und teilweise erweitert - im Prinzip bis zum Zweiten Weltkrieg Systematik und Aufstellung der Bestände.

Aufbauend auf dem Statut von 1885, wonach die Königliche Bibliothek die deutsche Literatur "in möglichster Vollständigkeit" und die ausländische "in angemessener Auswahl" zu sammeln und zugänglich zu machen habe, begann unter August Wilmanns (amt. 1886 bis 1905; 1833 bis 1917) und verstärkt unter der Ägide von Adolf von Harnack (amt. 1905 bis 1921; 1851 bis 1930) die Entwicklung zur modernen universalen wissenschaftlichen Gebrauchsbibliothek mit Archivcharakter. Das Ziel war im Grunde, eine universale wissenschaftliche Weltbibliothek wie in London, Paris oder Washington zu schaffen. Zusätzlich zu den traditionellen Sammelgebieten wurden jetzt auch Belletristik, Zeitungen und amtliche Drucksachen erworben. Doch war Wilmanns wie Harnack der Gedanke absolut vollständiger Aufbewahrung des nationalen Schrifttums fremd. Der Erwerbungsetat wurde erheblich erhöht, die Anlage eines alphabetischen Zettelkatalogs begonnen und eine neue Benutzungsordnung erlassen.

Um die Jahrhundertwende ist die Königliche Bibliothek nach Bestand und Benutzung zur größten und leistungsfähigsten Bibliothek des deutschen Sprachraums geworden (1905: ca. 1,2 Mio. Bände). Gleichzeitig entwickelte sie sich unter dem Einfluß des Hochschulreferenten im preußischen Kultusministerium, Friedrich Althoff (1839 bis 1908), und der Mitwirkung des späteren Generaldirektors Fritz Milkau (1859 bis 1934) zum organisatorischen Mittelpunkt überregionaler bibliothekarischer Gemeinschaftsaufgaben:

  • Berliner Titeldrucke (ab 1892; Veröffentlichung der Titelaufnahmen der Neuerwerbungen)
  • Auskunftsbüro der Deutschen Bibliotheken (1904)
  • Gesamtkatalog der Wiegendrucke (1904 begonnen)
  • Gesamt-Zeitschriftenverzeichnis (1914 abgeschlossen)
  • Gesamtverzeichnis der ausländischen Zeitschriften (GAZ) 1914 - 1924 (1929 abgeschlossen)
  • Gesamtkatalog der Preußischen Bibliotheken / Deutscher Gesamtkatalog (1895/1935 begonnen; unvollendet)

Die Errichtung des Neubaus Unter den Linden (1903 bis 1914) nach Entwürfen des Architekten Ernst v. Ihne (1848 bis 1917) bildete den Höhepunkt der Bibliotheksentwicklung vor dem Ersten Weltkrieg.

Nach 1918 galt es vor allem die Kriegs- und Inflationsfolgen auf dem Erwerbungssektor zu überwinden; dies gelang insbesondere durch die tatkräftige Unterstützung der Notgemeinschaft der deutschen Wissenschaft (seit 1930 Deutsche Forschungsgemeinschaft). Unter den Generaldirektoren Fritz Milkau (amt. 1921 bis 1925) und Hugo Andres Krüß (amt. ab 1925; 1879 bis 1945) konnte bis zum Kriegsbeginn die örtliche und überregionale Funktionstüchtigkeit der Preußischen Staatsbibliothek mittels beträchtlicher Etatanhebungen wiederhergestellt werden. Im Jahre 1924 übernahm sie die Aufgabe einer Zentralstelle für den deutschen, seit 1937 auch für den internationalen Leihverkehr.

In der Zeit des Nationalsozialismus von 1933 bis 1945 wurde der Bibliothek durch die Entlassung von Mitarbeitern aus politischen und rassistischen Gründen und durch die Einschränkung des Kaufs ausländischer Literatur schwerer Schaden zugefügt.

Bestände 1939:

  • 3 Millionen Bände Druckschriften
  • 360.000 Notendrucke
  • 7400 Inkunabeln
  • 72.000 abendländische, orientalische und Musik-Handschriften zahlreiche Gelehrten- und Dichternachlässe
  • 475.000 Autographen (ohne die Sammlung Varnhagen)
  • 300.000 Karten 

 

ab 1941: Verlagerung der Bestände zum Schutz vor Kriegsverlust

Im Jahre 1941, nachdem das Gebäude der Preußischen Staatsbibliothek Unter den Linden zum ersten Mal von einer Bombe getroffen worden war, begann die Evakuierung der Bestände der Bibliothek. Nach und nach wurde der gesamte Bestand der größten wissenschaftlichen Bibliothek des Deutschen Reiches  in 30 Auslagerungsorte - von der Schwäbischen Alb bis nach Pommern - in Klöster, Bergwerke und Schlösser gebracht, um sie vor Kriegsschäden wie Bombentreffer, Brände, Löschwasser, Plünderungen zu schützen.

Zum Zeitpunkt der Kapitulation Deutschlands war das Gebäude Unter den Linden teilweise zerstört, die wertvollen Bestände übers Land verteilt, Mitarbeiter der Bibliothek hatten vielfach den Tod gefunden oder waren über ganz Deutschland zerstreut - all dies führte zum Ende der Preußischen Staatsbibliothek. Mit dem Deutschen Reich hatte 1945 auch der preußische Staat, der Träger der Bibliothek, aufgehört zu existieren, offiziell aufgelöst wurde er im Jahr 1947.

1945-

1945 bis 1990 - Teilung in Ost und West

Mit der nach 1945 einsetzenden Spaltung Deutschlands entstanden - entlang der etablierten politischen Blöcke - zwei eigenständige Nachfolgeinstitutionen der Preußischen Staatsbibliothek. Im Jahr 1990, dem Jahr der Wiedervereinigung Deutschlands, existierten die Deutsche Staatsbibliothek in Berlin (Ost) und Staatsbibliothek Preußischer Kulturbesitz in Berlin (West).

Erste Rückkehr von Beständen

Nach dem Ende des Krieges fanden im Lauf der Jahre die auf dem Gebiet der westlichen Allierten geborgenen Bestände ebenso in die geteilte Stadt Berlin zurück, wie auch ein erheblicher Teil jener Bestände, der nach 1945 auf dem Gebiet der sowjetischen Besatzungszone geborgen wurde: rund 1,5 Millionen Bände kamen nach Westberlin, rund 900.000 Bände nach Ostberlin.

Aufgrund der Kriegswirren müssen dennoch 335.000 bis 400.000 Bände als vernichtet sowie 300.000 Bände als verschollen gelten. Diese Bestände befanden sich zusammen mit umfangreichen weiteren Beständen in elf Auslagerungsorten im damaligen Osten des Deutschen Reiches. Die in diesen elf Orten unversehrt aufgefundenen Bücher und Sondermaterialien gelangten nach 1945 in Bibliotheken Polens und der ehemaligen Sowjetunion, wo sie sich bis heute befinden.


Deutsche Staatsbibliothek (Berlin-Ost)

Namen: Öffentliche Wissenschaftliche Bibliothek (1946 - 1954), Deutsche Staatsbibliothek (1954 - 1990), Deutsche Staatsbibliothek in der Stiftung Preußischer Kulturbesitz (1990/91)

Zwar war bei Kriegsende der wilhelminische Prachtbau Unter den Linden schwer beschädigt - unter anderem war der zentrale Kuppellesesaal unbenutzbar geworden - und die Bestände der preußischen Staatsbibliothek waren auf viele Auslagerungsorte verstreut, aber bereits im Oktober 1946 nahm die Öffentliche Wissenschaftliche Bibliothek unter ihrem Leiter Rudolf Hoecker (amt. 1946 bis 1950) den Benutzungsbetrieb wieder auf.

Es gelang ihm und seinen Mitarbeitern, die Bestände, die in Orte auf dem Gebiet der sowjetischen Besatzungszone während des Krieges ausgelagert worden waren - falls sie nicht zerstört oder von der Siegermacht als Kriegsbeute mitgenommen wurden - wieder in das Stammhaus zurückzuholen. Ende 1949 wurden bereits wieder 900.000 Bände gezählt.

Im Jahre 1955 kam die Wiederherstellung des Gebäudes vorerst zu einem Abschluss, der Kuppellesesaal jedoch blieb als Ruine im Zentrum des Gebäudes stehen. Erst zwanzig Jahre später, 1975, wurde auch diese Ruine abgerissen, damit klaffte endgültig ein architektonisches und funktionales Loch. An dieser Stelle wurden Anfang der 1980er Jahre vier - inzwischen wieder abgerissene - Magazintürme errichtet, um die dringendsten Raum- und Magazinprobleme zu lösen.

Weitere Rückführungen von verlagertem Besitz der Preußischen Staatsbibliothek an Druck- und Handschriften erfolgten mit der Übergabe wertvoller Bestände durch die Sowjetunion 1957, von 90.000 naturwissenschaftlich-technischen Veröffentlichungen bzw. Zeitschriften und Zeitungen im Jahre 1965, mit der Übergabe von 6 weltberühmten Musikautographen im Jahre 1977 durch Polen sowie zuletzt durch die Rückgabe einer Bibel, ebenfalls aus Polen.

Nach der Absetzung Rudolf Hoeckers aus politischen Gründen wurde die Deutsche Staatsbibliothek (DSB) von Horst Kunze (amt. 1950 bis 1976), Friedhilde Krause (amt. 1977 bis 1988) und Dieter Schmidmaier (amt. 1989 bis 1991) geleitet.

Die DSB war die zentrale wissenschaftliche Universalbibliothek der Deutschen Demokratischen Republik (DDR) und fungierte zusammen mit der Deutschen Bücherei in Leipzig als Nationalbibliothek. Sie war für die Sammlung und Archivierung des vor 1913 erschienenen deutschsprachigen Schrifttums und den Erwerb der wichtigen ausländischen Forschungsliteratur zuständig. Für den deutschen Sprachbereich wurde Vollständigkeit der wissenschaftlich und belletristisch wichtigen Literatur angestrebt, bei der ausländischen Literatur lag das Hauptgewicht auf wissenschaftlichen Zeitschriften aller Fächer. Außerdem besaß sie das Pflichtexemplarrecht für alle in der DDR erschienenen Publikationen und war Depotbibliothek für Veröffentlichungen der Vereinten Nationen und ihrer Gliederungen.

Durch ausgedehnte internationale Tauschbeziehungen mit über 1.000 Partnern aus ca. 80 Staaten - vor allem den sozialistischen Ländern - wurden etwa 30% der jährlich rund 70.000 Neuerwerbungen beschafft; ergänzt wurde der Altbestand durch antiquarische Käufe, Geschenke oder Tausch.

Neben den traditionellen Sammelschwerpunkten geisteswissenschaftlicher Literatur, Nachschlagewerken und der Ergänzung der Sondersammlungen, spielte die Beschaffung naturwissenschaftlich-technischer Literatur und der Publikationen aus den sozialistischen Staaten eine zunehmend größere Rolle.

Aus politischen Gründen wurden ca. 120.000 Bände in einer Abteilung für spezielle Forschungsliteratur sekretiert; sie waren nur sehr eingeschränkt benutzbar.

Während die ersten Jahrzehnte der Entwicklung der DSB durch eine großzügige Erwerbungspolitik und die Übernahme neuer zentraler Aufgaben positiv verlief, wirkten sich in den letzten Jahren der DDR die zunehmenden ökonomischen Schwierigkeiten auch auf die Bibliothek aus: Devisenmangel führte zu erheblichen Bestandslücken bei der Literatur aus den Ländern des sogenannten Nichtsozialistischen Währungsgebietes, der stagnierende Ausbau des Gebäudes bedingte zwangsläufig die fortschreitende bauliche und technische Überalterung.

Das 1970 als Abteilung der DSB eingerichtete Institut für Leihverkehr und Zentralkataloge führte u.a. die Arbeit des Auskunftsbüros der Deutschen Bibliotheken fort. Neu gegründet wurden

Die DSB übernahm zahlreiche zentrale bzw. überregionale Aufgaben im Rahmen des Bibliothekssystems der DDR, so zum Beispiel die Verantwortung für

  • die Zentralkataloge ausländischer Literatur in der DDR
  • den nationalen und internationalen Leihverkehr
  • den internationalen Schriftentausch, insbesondere mit den Nationalbibliotheken osteuropäischer Länder auf der Grundlage zwischenstaatlicher Abkommen
  • Zentralstelle für wissenschaftliche Altbestände (ZwA; nichtkommerzielle Verwertung der von Bibliotheken ausgeschiedenen Literatur)
  • das Zentralinventar mittelalterlicher Handschriften.

Außerdem führte die DSB bedeutende Projekte der Preußischen Staatsbibliothek fort, vor allem den internationalen Gesamtkatalog der Wiegendrucke.

Von 1961 bis 1982 war der Bibliothek die Deutsche Fotothek in Dresden und von 1969 bis 1992 das Theodor-Fontane-Archiv in Potsdam angegliedert.

Bestände Ende des Jahres 1990

  • 3,8 Millionen Bände Druckschriften
  • 48.050 Handschriften (davon 7.000 abendländische, 1.050 orientalische und 40.000 Musik-Handschriften)
  • 140 Nachlässe
  • 44.000 Einzelautographen
  • 1.050 Inkunabeln
  • 325.000 Musikdrucke
  • 35.000 Tonträger
  • 390.000 Karten, Atlanten und Globen
  • 115.000 Kinder- und Jugendbücher
  • 630.000 Mikrofilme und Mikrofiches
  • 9.000 laufend bezogene Zeitschriften (davon 6.400 fremdsprachige)
  • 45.000 Serien
  • 385.000 Bildnisse, Stiche, graphische Blätter und Exlibris

Die Deutsche Staatsbibliothek führte im Jahr 1990 546 Planstellen.


Staatsbibliothek Preußischer Kulturbesitz (Berlin-West)

Namen: Hessische Bibliothek (1946 - 1949), Westdeutsche Bibliothek (1949 - 1962), Staatsbibliothek der Stiftung Preußischer Kulturbesitz (1962 - 1967) und Staatsbibliothek Preußischer Kulturbesitz (1968 - 1991)

Die ca. 1,5 Millionen Bände, die sich im Kalibergwerk Hattorf in Hessen (amerikanische Besatzungszone) befanden, wurden nach Kriegsende nach Marburg überführt, im Gebäude der Universitätsbibliothek bzw. dem Wilhelmsbau des Schlosses aufgestellt und ab dem 1. November 1946 als Hessische Bibliothek der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Im Jahre 1947 gelangten auch die übrigen Bestände der Preußischen Staatsbibliothek, soweit sie sich in Auslagerungsorten auf dem Gebiet der amerikanischen Besatzungszone befanden, nach Marburg. Die nach Kloster Beuron (französische Besatzungszone) verbrachten Zimelien kamen 1948 als Depositum in die Universitätsbibliothek Tübingen.

Die Hessische Bibliothek wurde 1949 in das Königsteiner Abkommen zur gemeinsamen Finanzierung bedeutender überregionaler wissenschaftlicher Einrichtungen aufgenommen und erhielt den Namen Westdeutsche Bibliothek. Von überregionaler Bedeutung waren in den Jahren in Marburg u.a. folgende Schritte:

Im Jahre 1962 wurde die Westdeutsche Bibliothek als "Staatsbibliothek der Stiftung Preußischer Kulturbesitz" von dieser 1957 durch Bundesgesetz errichteten Stiftung übernommen. Seit 1968 hieß sie vereinfacht Staatsbibliothek Preußischer Kulturbesitz (SBPK). Damit wurde ein Interim rechtlicher Unsicherheit und finanzieller Beschränkung endgültig beendet.

Unter den Generaldirektoren Ludwig Borngässer (amt. 1963 bis 1972) und Ekkehart Vesper (amt. 1972 bis 1987) wurde vor allem der Neubau für die Bibliothek energisch vorangetreiben. Nach Plänen des Architekten Hans Scharoun (1893 bis 1972) entstand von 1967 bis 1978 ein gewaltiger Baukomplex an der Potsdamer Straße im Bezirk Tiergarten im damaligen Berlin (West), der übrigens auch das Ibero-Amerikanische Institut beherbergt.

Seit 1964 begann die Übersiedlung von Beständen, Dienststellen und Personal aus Marburg beziehungsweise Tübingen nach Berlin. Das neue repräsentative Bibliotheksgebäude mit großartiger Lesesaallandschaft, im Demzember 1978 feierlich eingeweiht, lag dicht an der Mauer und nur 1,5 km Luftlinie vom alten Haus im damaligen Berlin (Ost) entfernt. Die Staatsbibliothek war trotz Startschwierigkeiten und ihrer Berliner Insellage in das Bibliothekssystem der Bundesrepublik Deutschland eingebunden und hatte vor allem mit großzügiger Unterstützung der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) wichtige überregionale Dienstleistungen und Sammelschwerpunkte übernommen.

In Anknüpfung an die Traditionen der Preußischen Staatsbibliothek und auf Anregung der DFG übernahm sie als Trägerinstitution oder in eigener Verantwortung zahlreiche bibliothekarische Gemeinschaftsaufgaben:

  • Zeitschriftendatenbank (ZDB, gemeinsam mit der Deutschen Bibliothek)
  • Gemeinsame Körperschaftsdatei (GKD, gemeinsam mit der Deutschen Bibliothek und der Bayerischen Staatsbibliothek)
  • Gesamtverzeichnis der Kongreßschriften (GKS)
  • Standortkatalog der ausländischen Zeitungen und Illustrierten (SAZI)
  • Verzeichnis rechtswissenschaftlicher Zeitschriften und Serien (VRZS)
  • Bibliographia cartographica
  • Deutschsprachige Redaktion der European Bibliography of Soviet, East European and Slavonic Studies
  • Osteuropa-Sammelkatalog
  • Zentralkatalog des kartographischen Schrifttums
  • Zentralkatalog der Orientalia
  • Gesamtindex der mittelalterlichen Handschriftenkataloge
  • Zentrum für die Katalogisierung von Handschriften nord- und westdeutscher Provenienz
  • Zentralkartei der Autographen
  • Redaktion des Sigelverzeichnisses der deutschen Bibliotheken
  • Clearingstelle für den Internationalen Leihverkehr
  • Internationale ISBN-Agentur
  • Sammlung Deutscher Drucke (1871 - 1945).

Im Rahmen des Förderprogramms der DFG übernahm die SBPK folgende Sondersammelgebiete:

  • Rechtswissenschaft
  • Orientalistik, Allgemeines
  • Ost- und Südostasien
  • Veröffentlichungen zur Kartographie
  • Topographische Karten
  • Ausländische Zeitungen
  • Parlamentsschriften

Die Staatbibliothek Preußischer Kulturbesitz erwarb unter Beachtung des in den meisten Wissensgebieten reichen Altbestands und der traditionellen Sammelschwerpunkte vorrangig wissenschaftliche Zeitschriften aller Fächer, Literatur aus den Gebieten Geschichte und die übrigen Geisteswissenschaften, Veröffentlichungen aus und über Osteuropa, Asien und Afrika, Musicalia, deutsche und ausländische Amtsdruckschriften, Publikationen internationaler Organisationen. Mittels beträchtlicher Etaterhöhungen fand eine großzügige Bestandserweiterung einschließlich der Lückenergänzung im Altbestand, des Ausbaus der Sonderabteilungen sowie der DFG-Sondersammelgebiete statt.

Bestände Anfang 1991

  • 4,4 Millionen Bände Druckschriften
  • 65.100 Handschriften (davon 11.500 abendländische, 32.600 orientalische und 21.000 Musik-Handschriften)
  • 800 Nachlässe und Sammlungen
  • 12.500 Einzelautographen
  • 3.150 Inkunabeln
  • 240.000 Musikdrucke
  • 500.000 Karten und Globen
  • 970.000 Mikrofilme und Mikrofiches
  • 31.900 laufend bezogene Zeitschriften und Zeitungen (davon 21.500 ausländische)
  • 9 Millionen Bilderhttp://bpkgate.picturemaxx.com/webgate_cms/

Die Bibliothek hatte 1990 495 Stellen.

seit 1990

seit 1990 - Rückkehr in die Spitze

Die politische Entwicklung vom Ende der DDR bis zur Wiedervereinigung Deutschlands betraf auch die zwei Staatsbibliotheken im ehemaligen Osten und Westen Berlins in fundamentaler Weise. Es gelang, die beiden Nachfolgeeinrichtungen der Preußischen Staatsbibliothek unter dem Dach der Stiftung Preußischer Kulturbesitz nach über vierzigjähriger Trennung wieder zusammenzuführen.

Bereits Ende 1989 wurden schnell und unbürokratisch Kontakte geknüpft. Am 31. Mai 1990 legten beide Bibliotheken ein gemeinsames Memorandum vor: Die Deutsche Staatsbibliothek und die Staatsbibliothek Preußischer Kulturbesitz und ihre gemeinsame Zukunft als "Vereinigte Staatsbibliotheken zu Berlin".

Die dieses Dokument prägenden inhaltlichen Intentionen wurden wenige Monate später als Artikel 35, Abs. 5, auch Inhalt des am 3. Oktober 1990 in Kraft getretenen Einigungsvertrages zwischen den beiden deutschen Staaten:

Die durch die Nachkriegsereignisse getrennten Teile der ehemals staatlichen preußischen Sammlungen (...) sind in Berlin wieder zusammenzuführen. Die Stiftung Preußischer Kulturbesitz übernimmt die vorläufige Trägerschaft. Auch für die künftige Regelung ist eine umfassende Trägerschaft für die ehemals staatlichen preußischen Sammlungen in Berlin zu finden.

Unmittelbare Folge dieses Verfassungsartikels war am Tag der Deutschen Einheit am 3. Oktober 1990 die Aufnahme der Deutschen Staatsbibliothek in die Stiftung Preußischer Kulturbesitz.

Im Januar 1992 konnten die beiden Staatsbibliotheken institutionell zusammengeführt werden. Der seither geführte Name ist Staatsbibliothek zu Berlin - Preußischer Kulturbesitz.

 

Neue Chancen für die bedeutende Wissenschafts- und Kulturinstitution Staatsbibliothek

Zwei bis dahin selbständige wissenschaftliche Universalbibliotheken mit jeweils vollem Funktionsumfang - in Erwerbung, Erschließung, Benutzung und einiger in die Gesamtbibliothek eingebundener Sonderabteilungen - mussten jetzt zusammengefasst und so auf zwei bestehende Gebäude verteilt werden, dass eine sinnvolle und zweckmäßige Gesamtorganisation und eine klare Funktionsteilung entsteht.

Die zu entwickelnde Konzeption musste dem Rang der Institution im internationalen Maßstab gerecht werden, den Bedürfnissen der Benutzer/innen entgegenkommen sowie den Erwartungen und Anforderungen an eine durch den Bund und alle Bundesländer finanzierte Bibliothek entsprechen:

  • der in seiner Zusammensetzung einzigartige Literaturbestand der Staatsbibliothek muss umfassend und rasch recherchierbar und verfügbar sein,
  • die durch den 2. Weltkrieg zerstörten Sammlungszusammenhänge sind wieder herzustellen,
  • ausgewählte Bestände sind besonders zu schützen,
  • Bibliotheksabläufe sind modern und funktionsgerecht zu organisieren sowie
  • für Benutzer/innen und Mitarbeiter/innen gute Arbeitsbedingungen vorzuhalten.
  • Die Bibliothek muss mit all ihren Facetten Teil eines zeitgemäßen und weltweiten Informationssystems sein.
  • Die Dienstleistungen der Bibliothekarinnen und Bibliothekare sowie der Wissenschaftler/innen der Bibliothek sind darauf ausgerichtet, Benutzer/innen bei ihren Recherchen in den Beständen der Staatsbibliothek, in Datenbanken und weltweit verfügbaren Informationsquellen zu unterstützen und diese für ihre Forschungszwecke nutzbringend auszuwerten.
  • die Bibliothek muss zugleich auf die Begrenzung der Kosten für den Betrieb und die Pflege der Gebäude und Anlagen achten.

Diese und viele weitere Aspekte waren bei der Erarbeitung eines Zukunftskonzepts für die Staatsbibliothek zu Berlin zu berücksichtigen und durch angemessene räumliche, technische und personelle Infrastrukturen abzusichern.

Eine Bibliothek mit zwei Häusern

  • Das Haus Unter den Linden 8 entwickelt sich zur historischen Forschungsbibliothek.
    In den Magazinen wird der einzigartige Altbestand mit Erscheinungsjahr bis 1945 aufbewahrt und retrospektiv ergänzt. Der im neuen Allgemeinen Lesesaal und im Informationszentrum aufgestellte Freihandbestand widmet sich der Literatur sämtlicher Epochen der Vormoderne, deren Abschluss die Jahrhundertwende 19./20. Jh. markierte. Nach der Generalsanierung des Gebäudes werden hier außerdem die materialbezogenen Sonderabteilungen für Handschriften, Musik, Karten, Kinder- und Jugendbücher sowie Zeitungen konzentriert.
  • Das Haus Potsdamer Straße 33 wird sich zur Forschungsbibliothek der Moderne entwickeln.
    Während in den Magazinen der moderne Bestand mit Erscheinungsjahr ab 1946 weiter ausgebaut wird, setzt künftig der Allgemeine Lesesaal thematisch genau dort an, wo die Zuständigkeit des Allgemeinen Lesesaals Unter den Linden endet und präsentiert dann Literatur mit Bezug auf die Moderne bis zur Gegenwart; ein universaler Referenzbestand zu allen Epochen ergänzt diese Freihandliteratur. Die regionalspezifischen Sonderabteilungen für Literatur und andere Materialien aus Osteuropa, Ostasien und dem Orient bleiben an diesem Standort.

An allen Standorten: Bauen für Forschung und Kultur

Um den inhaltlichen Zielen der Konzeption gerecht zu werden, müssen die Standorte jedoch auch baulich ihren Aufgaben entsprechen: Die Beschaffenheit, die Ausstattung, das Platzangebot und die Lage der einzelnen Gebäude der Institution müssen eine moderne Bibliotheksorganisation und das Anbieten von Dienstleistungen auf hohem wissenschaftlichen Niveau unterstützen. Der Bund investiert zum Erreichen dieser Ziele seit vielen Jahren erhebliche Mittel:

  • Im Haus Potsdamer Straße genügten relativ geringe Umbaumaßnahmen, um moderne Dienstleistungen rund um den dortigen Bestand abzusichern. Jetzt wird das Gebäude asbestsaniert.

  • Der Bau eines Speichermagazins in Friedrichshagen als neuem, drittem Standort geht voran.

  • Für das Haus Unter den Linden waren jedoch tiefgreifende Entscheidungen zu treffen, die im Dezember 1998 durch den Stiftungsrat der Stiftung Preußischer Kulturbesitz fielen. Die Vertreter des Bundes und der Länder beschlossen, den seit 1914 angestammten Sitz der Bibliothek Unter den Linden 8 komplett zu modernisieren, indem
    • die gesamte Altbausubstanz des Gebäudes saniert und instand gesetzt wird sowie
    • in zwei Bauabschnitten durch Neubauten funktional und architektonisch ergänzt wird: Bis 2013 mit neuem Allgemeinem Lesesaal, Rara-Lesesaal, Tresormagazinen, bis 2015 mit großzügigen Ausstellungsbereichen.
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