Speichermagazin in Friedrichshagen
Das Speichermagazin der Stiftung Preußischer Kulturbesitz (SPK) am neuen Depotstandort in Berlin-Friedrichshagen (im Stadtteil Treptow-Köpenick) wird nach Plänen des Münchner Architekten Eberhard Wimmer gebaut.
Das Grundstück ist eine Bundesliegenschaft am Fürstenwalder Damm / Müggelseedamm. Bereits in der DDR befanden sich hier wissenschaftliche Einrichtungen. In den 1950er Jahren wurde es erstmals zur Unterbringung des Amtes für Standardisierung, Mess- und Regelwesen bebaut.
Der Architekt
Die Entscheidung für das Münchener Architekturbüro Wimmer ist das Ergebnis eines vom Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung (BBR) ausgelobten Architekturwettbewerbs. Das Preisgericht begründete seine Entscheidung für Eberhard Wimmer wie folgt (Auszug): "Die Idee, für die Sicherung und Konservierung von kostbaren Gütern ein 'Perpetuum-Gebäude', ein Gebäude von langer Dauer zu errichten, trägt und ist in der vorgeschlagenen Form, sowohl im Hinblick auf den Städtebau, die funktionale Zuordnung bis hin zur Materialität schlüssig. Die Magazinbereiche erlauben mit den Lichthöfen und den zugeordneten Sortierstellen ein angenehmes und effektives Arbeiten. Ihre Konstruktion ist denkbar einfach, logisch und konsequent. Der Entwurf lässt einen wirtschaftlichen Bau, aber auch niedrige Bauunterhaltskosten erwarten."

- Plan des Speichermagazins Friedrichshagen, Wimmer
Das Gebäude
Der Neubau, der in drei Abschnitten realisiert wird, begegnet dem langfristigen Magazinbedarf der Staatsbibliothek zu Berlin, des Iberoamerikanischen Instituts und der bpk - Bildagentur für Kunst, Kultur und Geschichte.
Im ersten Bauabschnitt werden das viergeschossige Magazin mit Außenmaßen von 126 mal 68 Metern, und damit rund 22.000 qm Hauptnutzfläche errichtet. Davon sind ca. 17.000 qm reine Magazinflächen, die Platz für rund 6 Millionen Bände bieten. Die Baukosten sind mit rund 84,7 Millionen Euro veranschlagt. Ein zweiter und dritter Abschnitt werden bis zum Jahr 2060 Fläche und Speicherkapazität des Magazins verdoppeln.
Da es in Friedrichshagen keine öffentlich zugänglichen Benutzungseinrichtungen oder Lesesäle geben wird, muss für den Transport der Bestände per LKW zur Bereitstellung in den zentralen Standorten der Einrichtungen gesorgt werden. Daneben sollen ausgewählte Texte und Zeitschriftenartikel gescannt und elektronisch zur Verfügung gestellt werden.

- Innenraum des Speichermagazins
So ist das Speichermagazin ein hochtechnisiertes Gebäude, das speziell auf die Einlagerung von Kulturgütern ausgerichtet ist. Es wird die besonderen Anforderungen hinsichtlich Sicherheit, Klimatisierung, Beleuchtung und Funktionalität berücksichtigen. Neben großen und komplexen Rollregal- und Buchförderanlagen werden beispielsweise für das Bildarchiv modernste Arbeitsplätze für die konservatorischen und restauratorischen Aufgaben hergerichtet. Zum Schutz der eingelagerten Kulturgüter wird das Magazin mit einer entsprechenden Klimaanlage ausgestattet, sowie mit einem gesonderten, auf 2 Grad Celsius gekühlten Raum für Mikrofilme. Eine elektrisch betriebene Kompakt-Regalanlage wird für eine möglichst platzsparende Unterbringung der Bände sorgen. Die Magazinräume erhalten eine UV-freie Beleuchtung ohne Tageslichteinfall, während die Arbeitsplätze der Sortierstellen sich um vier Lichthöfe gruppieren. Von dort aus werden die Bücher mittels einer Buchtransportanlage zur Ladestation für die LKW befördert.
Der Architekt Eberhard Wimmer (München) hat das Gebäude als Stahlbetonkonstruktion mit begrüntem Flachdach und einer Fassade aus Betonfertigteilen und Natursteinelementen geplant. Er interpretiert das Speichermagazin als eine Art Schatzhaus für die wertvollen Bestände und hat daher dem Eingangsbereich einen vorgerückten 'Verschlussstein' hinzugefügt, in dem sich auch Archiv- und Funktionsräume befinden. Dahinter liegt eine zentrale Halle, die direkten Zugang zu den verschiedenen Funktionsbereichen auf allen Ebenen erlauben wird. Die Magazinbereiche sind als vier gleiche Module nebeneinander angelegt. In ihrem Inneren befindet sich jeweils ein glasüberdachter Lichthof, um den die Arbeitsplätze der Mitarbeiter angeordnet sind.

- Bauarbeiten in Friedrichshagen
Auf dem Weg zur 'Speicherstadt Friedrichshagen'
Am 2. September 2009 wurde der Grundstein für das Magazin gelegt, am 28. Januar 2010 das Richtfest gefeiert.
In unmittelbarer Nachbarschaft wird auf dem Gelände in den nächsten Jahren auch ein Neubau für Depots und Werkstätten der Staatlichen Museen zu Berlin errichtet. So wird in den nächsten Jahren schrittweise die 'Speicherstadt Friedrichshagen' entstehen.


