Jahresberichte deutscher Handelskammern

Kurzcharakteristik des Bestands

Angesichts der hochgradig fragmentierten Überlieferungssituation dieser außerhalb des Buchhandels erschienenen Quellengattung kann der Bestand der Staatsbibliothek zu Berlin an historischen Jahresberichten deutscher Handelskammern als herausragend gelten. Konkret besitzt sie etwa 80% des bis zum Berichtsjahr 1918 in der Zeitschriftendatenbank unter häufig wechselnden Titeln verzeichneten Korpus – meist in durchgängigem Erscheinungsverlauf.
Charakteristisch für diese in den 30er Jahren des 19. Jahrhunderts emergierende Quellengattung ist ihr zweiteiliger Aufbau: So beginnen die Handelskammern ihre Jahresberichte in der Regel mit einer differenzierten Einschätzung der Wirtschaftslage des eigenen Sprengels, an die sich ein Statistikanhang mit Daten zur regionalen Entwicklung von Industrie, Handel, Gewerbe und Beschäftigung anschließt. Im Fokus des ersten, meist mit Ansichten, Gutachten, Wünsche überschriebenen Berichtsteils – der zweite figuriert dann als Tatsächliches – stehen die von den Kammern ausgewählten Äußerungen einzelner Unternehmer, die zuvor vermittels Fragebögen eingeholt wurden und ein nuanciertes, zumal in Hinblick auf deren Zukunftserwartung aufschlussreiches Stimmungsbild zeichnen.

Erschließungssituation

Alle Werke dieses Bestandsegments sind sowohl in der Zeitschriftendatenbank als auch im Online-Katalog der Staatsbibliothek zu Berlin formal nachgewiesen.

Forschungs- und Kooperationsperspektiven

Aufgrund ihres zweigeteilten Aufbaus eignen sich die historischen Jahresberichte deutscher Handelskammern als Grundlage sowohl für qualitative wie quantitative Studiendesigns auf den Feldern von Wirtschafts-, Sozial- und Unternehmensgeschichte als auch zur Erprobung von Mixed Methods-Ansätzen der Digital Humanities – etwa von Sentiment Detection und automatischer Tabellenextraktion.
Ein gemeinsamer Projektantrag bei der Deutschen Forschungsgemeinschaft mit Univ.-Prof. Dr. Mark Spoerer (Universität Regensburg) zur Digitalisierung des Bestands der Staatsbibliothek zu Berlin an Jahresberichten deutscher Handelskammern bis zum Berichtsjahr 1918 als Quellengrundlage für eine Neuschätzung der gewerblich-industriellen Wertschöpfung im Deutschland des langen 19. Jahrhunderts ist in Vorbereitung.

Kontakt

Dr. Christian Mathieu
Benutzungsabteilung – Wissenschaftliche Dienste
Tel.: + 49 30 266 43 3240
christian.mathieu@sbb.spk-berlin.de
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