SchreibZeit

Wissenschaftliches Arbeiten ohne Schreiben? Undenkbar! Schreiben gehört zum Forschungsalltag wie das kreative Entwickeln von Ideen und die präzise Analyse von Gegenständen. Und trotzdem wird dem Schreibprozess weniger Aufmerksamkeit gewidmet und Schreiben wird als selbstverständlich betrachtet.

Was aber, wenn es einfach nicht klappen will? Wenn die Motivation zur Textproduktion fehlt, wenn die Worte einfach nicht aufs Papier wollen oder wenn die Gedanken in zu viele Richtungen fliegen? Dann sind wir für Sie da, die SchreibZeit der SBB!
 

Angebote der SBB

   

SchreibZeit per Video

Jeden Freitag treffen wir uns von 10-12 Uhr als virtuelle Schreibgruppe. Wir arbeiten mit der Pomodoro-Technik, d.h. vier 25-minütige Schreibsprints wechseln sich mit Fünfminutenpausen ab, in denen der Austausch mit Gleichgesinnten im Vordergrund steht. So fällt es leichter, sich zum Schreiben zu motivieren und vor allem wird eine kontinuierliche Schreibroutine gefördert. Eine Anmeldung ist nicht nötig, die Teilnahme klappt ganz unkompliziert über unseren Link.

Schreib-Workshops

Mehrmals im Jahr finden Schreib-Workshops an der SBB statt. Externe Schreibtrainer:innen oder das SchreibZeit-Team reflektieren gemeinsam mit Ihnen verschiedene Schreibstrategien, spüren Hindernisse beim Schreiben auf oder stellen geeignete Methoden für mehr Schreibroutine vor. Auf unserer Übersichtsseite können Sie sich über die aktuellen Workshops informieren.

SchreibZeit Mailingliste

Wollen Sie unkompliziert up-to-date bleiben? Dann können Sie sich in unsere Mailingliste eintragen, über die Sie sich auch mit anderen SchreibZeit-Fans zu weiteren selbstorganisierten Schreibgruppen verabreden können. Bei Fragen helfen wir Ihnen gern.

Schreibtipps
 

Ein größeres wissenschaftliches (Schreib-)Projekt will gut geplant sein: Welche Artikel sollten gelesen werden? Welches Kapitel wird wann geschrieben und wann überprüft man das Literaturverzeichnis? Aus dem Bereich der Projektorganisation gibt es verschiedene Lösungen, die bei der Planung helfen können. Auf der Kanban-Methode beruht das Kanboard, eine beliebte Umsetzung bietet trello.

Standardmäßig richtet man drei Listen ein: Anstehende/geplante Aufgaben, aktuell in Arbeit befindliche Aufgaben und erledigte Aufgaben. Idealerweise wandern die Karten mit den Aufgaben dann von links (anstehend/geplant) nach rechts in die Spalte mit erledigten Aufgaben. Individuelle Anpassungen sind möglich und erwünscht, man kann etwa die anstehenden Aufgaben in kurzfristige und langfristige aufteilen oder eine Spalte für Aufgaben, bei denen man auf Feedback wartet, einrichten. Kategorien und Prioritäten können ebenfalls für die einzelnen Aufgaben vergeben werden.

Zur Organisation eines Projektes gehört aber auch die inhaltliche Arbeit. Gerade zu Beginn muss beispielsweise das Thema eingegrenzt oder eine Übersicht über Aspekte eines Themas erstellt werden. Mindmaps, Cluster oder Assoziogramme können einen Überblick bieten und fordern dazu auf, Inhalte zu strukturieren. Es gibt verschiedene Tools, die als ‘digitale Pinnwand’ das Erstellen von Mindmaps und komplexen Notiz-Geflechten ermöglichen, wie ConceptBoard oder Padlet. Der Vorteil gegenüber der analogen Variante mit Papier und Stift besteht darin, dass man bei digital erstellten Übersichten einfacher Aspekte hinzufügen, entfernen und umsortieren kann.

Schnelle Hilfe im Motivationstief gesucht? Wer mit der Pomodoro-Technik gut voran-kommt, kann sie natürlich auch ohne die SchreibZeit nutzen. Diverse Webseiten wie Tomato Timer helfen dabei, die Zeit im Blick zu behalten. Wer den Druck braucht, kann es mal mit der angeblich gefährlichsten Schreib-Applikation probieren. Wenn man in dieser browserbasierten App nicht innerhalb von 10 Sekunden weitertippt, wird alles davor Geschriebene wieder gelöscht. Vielleicht nicht ganz die richtige Wahl für ein langes Kapitel mit Fußnoten, aber wenn man Probleme hat, einen Einstieg zu finden oder ein Fazit auszuformulieren, wird man immerhin zu stetigem Tippen gezwungen.

Bei der konzentrationsfördernden Atmosphäre kann a soft murmur helfen. Die Webseite liefert eintönige Hintergrundgeräusche von Meeresrauschen über Regen und Vogelgezwitscher bis Coffeeshop. Unsere SchreibZeit-Mischung besteht aus Wind, Wellen und einer dezenten Prise Klangschale.

Für den Kampf gegen Ablenkungen im Internet gibt es auch diverse Tools, die zum disziplinierten Schreiben animieren. Mit Cold Turkey (Basis-Version kostenlos) oder Freedom (kostenpflichtig) wird der Besuch bestimmter Internetseiten während der Schreibphase geblockt. Rescue Time (kostenlose Basis-Version) liefert einen Überblick darüber, mit welchen Webseiten und Programmen man seine Zeit verbracht hat und kann helfen, die Zeitplanung zu verbessern.

Blitzschlag, Kaffeewelle, Verschlüsselungstrojaner – die Liste möglicher Gefahren für die hart erarbeiteten Texte auf dem eigenen Rechner ist lang. Deshalb gilt: Sichern, Kopieren, Backup! Wir geben drei Grundsätze für die Datensicherung an die Hand und liefern einige Tipps, um auch bei Gewitter entspannt Kaffee trinken und gleichzeitig schreiben zu können.

Die SchreibZeit-Grundsätze der Datensicherung:

  • Datensicherung ist Risikomanagement. Backups der eigenen Daten zu erstellen, schützt vor vielerlei Gefahren: Der Laptop geht verloren, die Festplatte ist beschädigt oder man überschreibt versehentlich wichtige Daten. Man muss sich nicht alle Schreckensszenarien ausmalen, doch es hilft, sich mögliche Gefahren vor Augen zu führen, um die vielfältigen Ursachen für einen Daten-GAU zu verstehen.
     
  • Die eigenen Schreibergebnisse zu sichern ist wichtig. Gleichzeitig sollten Backups für alle persönlichen Daten immer regelmäßig erstellt werden. Das Sichern der eigenen Daten sollte sich deshalb nie nur auf Abschlussarbeit, Dissertation oder Forschungsartikel beschränken.
     
  • LOCKSS! Lots of Copies Keep Stuff Save! Im Fall der Datensicherung ist mehr durchaus mehr und eine zusätzliche Kopie des eigenen Schreibprojekts kann nie schaden.

SchreibZeit-Faustregeln für die Datensicherung:

  1. „Working Backup“
    Auf welchem Gerät die Texte auch entstehen, mit dem Speichern des Texts entsteht bereits die Sicherung der eigenen Arbeit. Bei Schreibprojekten ist hier wichtig, frühzeitig eine sinnvolle Struktur der Dateien anzulegen. Das erleichtert das regelmäßige Sichern und hilft bei der Suche nach früheren Versionen. Die Dateien sind gespeichert, aber mit Datensicherung hat das noch wenig zu tun.
     
  2. USB-Stick/externe Festplatte
    Zur Basisausstattung der Datensicherung gehört der USB-Stick oder auch die externe Festplatte. Ob man hier händisch in bestimmten Speicherzyklen sichert oder mit einer Backup-Software, z.B. SyncBack, automatisiert Sicherungskopien erstellt, bleibt den eigenen Wünschen überlassen. Das Speichermedium sollte aber nicht durchgängig am eigenen Computer hängen, sondern nur für die Sicherung angeschlossen werden – so haben auch Trojaner keine Chance und das Sichern wird zur Belohnungsroutine am Ende des Arbeitstages. Für den Fall, dass das Massenspeichermedium mal verlorengeht, kommt die nächste Stufe der Sicherungskette ins Spiel.
     
  3. Cloud-Dienste
    Cloud-Dienste sind nicht nur hilfreich für das parallele Schreiben auf mehreren Geräten, sondern auch für die Datensicherung. Es muss nicht nur Google, Microsoft oder Dropbox sein. Denn gerade bei Diensten außerhalb der EU können möglicherweise Dritte auf die Cloud-Daten zugreifen. Ein vertrauensvoller Anbieter kann auch die eigene Hochschule oder Forschungseinrichtung sein. Die Daten werden dort in der Regel in eigenen Rechenzentren gespeichert und sind durch vielfältige Sicherungsmechanismen vor Datenverlust geschützt. Werden zudem Clients für den privaten PC angeboten, lassen sich komfortabel Backuproutinen für zu Hause einrichten und die Daten werden bequem synchronisiert. Wir können Dienste wie Nextcloud, Owncloud oder auch Tresorit empfehlen.

Beim Schreiben kann einen die Software gerne mal in den Wahnsinn treiben: die Seitenzahl lässt sich einfach nicht richtig platzieren, Zeilenabstände und Absätze sind uneinheitlich und wie waren jetzt nochmal die Vorgaben zu Seitenrändern? Alternativen zu den gängigen Textverarbeitungsprogrammen Word und Open Office werden auch im (geistes-)wissenschaftlichen Kontext verbreiteter und für manche Schreibaufgaben gibt es gute Tools:

  • Für das kollaborative Schreiben mit mehreren Personen an einem Dokument gibt es diverse kostenlose Dienste wie EduPad, board.net oder - mit etwas größeren Funktionsumfang nach Registrierung - CryptPad. Die anspruchsvollere Lösung ist das auf Markdown beruhende HackMD, das in Verbindung mit pandoc den gemeinsam geschriebenen Text in zahlreiche Dateiformate überführen kann.
     
  • Das umfangreiche Textverarbeitungsprogramm LaTeX macht - je nach Vorkenntnissen - den Einstieg nicht unbedingt leicht. Schon an der Installation und der Auswahl vom passenden Editor kann es scheitern. Abhilfe bietet Overleaf, ein komplett browserbasierter Editor, der eine einsteiger:innenfreundliche Dokumentation gleich mitliefert.
     
  • Auch wenn sie am Anfang nur drei Einträge hat: eine Literaturliste wird schnell unübersichtlich, professionelle Literaturverwaltung darf bei keinem größeren Schreibprojekt fehlen. Die SBB bietet regelmäßig Einführungs- und Aufbaukurse für Citavi (kostenpflichtig) und Zotero (kostenlos) an.

Welcher Schreibtyp bin ich – und welcher will ich sein?

Schreiben ist nicht gleich Schreiben. Jeder geht unterschiedlich an das Verfassen von Texten heran, hat einen eigenen Stil, bestimmte Gewohnheiten und Eigenheiten im Schreibprozess. Darüber nachzudenken, welche Herangehensweise man selbst beim Schreiben pflegt, kann dabei helfen, geeignete Strategien für die eigene Textproduktion zu finden.

Häufig sind vier Schreibtypen anzutreffen:

  1. Drauflos-Schreiber:in
    Auf die Plätze, fertig, los – rasch entstehen die ersten Sätze. Wer gerne einfach drauflosschreibt und dabei schnell große Textmengen produziert, gehört wahrscheinlich zu diesem Schreibtyp. Tempo und Freude am zügigen Schreiben zeichnen diesen Typ aus. Allerdings können Texte dadurch weniger zielführend geraten und für die Überarbeitung muss mehr Zeit eingeplant werden.
     
  2. Planer:in
    Planen geht vor Schreiben. Dieser Schreibtyp macht sich zunächst genau Gedanken über Thema, Fragestellung und Argumentation und entwirft eine Text-Gliederung, bevor es mit dem Schreiben losgeht. Diese Struktur trägt durch den Schreibprozess und schafft einen roten Faden. Viel Zeit fließt dabei in die Vorbereitung des Schreibens, was gerade bei komplexeren Themen dazu führen kann, sich in der Planung zu verlieren.
     
  3. Patchworker:in
    Schreiben ist Springen. Wenn dieser Schreibtyp einen neuen Einfall hat, wird der Schreibfluss unterbrochen und an eine neue Stelle gewechselt, um die Idee in Text zu fassen. Damit entstehen überall Textteile, die nach und nach zusammengefügt werden. Patchworker:innen können allerdings Gefahr laufen, den Überblick über den Text zu verlieren und verbringen viel Zeit mit dem Verknüpfen heterogener Textbausteine.
     
  4. Versionenscheiber:in
    Schreiben ist Denken. Nachdem ein Satz, Abschnitt oder eine bestimmte Formulierung geschrieben wurde, beginnt der Vorgang bei diesem Schreibtyp von vorne. Eine neue Textversion entsteht, die sich dem Kern der auszudrückenden Idee noch weiter annähert und die Textqualität erhöhen kann. Für diesen Schreibtyp kann es jedoch schwierig werden, den Punkt zu finden, an dem der Text „wirklich“ fertig ist und besonders bei hohen Ansprüchen ist diese Art des Schreibens sehr zeitraubend.


Und wie sieht das eigene Schreiben nun aus?  Vermutlich passt es nicht in nur eine dieser vier Typenbeschreibungen. Das eigene Schreiben kann eher als eine Mischung aus verschiedenen Schreibtypen bzw. -strategien verstanden werden, mit denen hervorragend experimentiert werden kann, falls der Schreibprozess ins Stocken geraten sollte.

Zum einen gibt es nämlich für jeden Schreibtyp wertvolle Tipps, um Schreibprobleme zu überwinden:

  • Drauflos-Schreiber:innen können regelmäßige Pausen machen, um den Überblick über ihren Text zu behalten.
  • Planer:innen können Slots für kreatives Schreiben einplanen, um Blockaden zu vermeiden.
  • Patchworker:innen helfen Minigliederungen, um die Orientierung über die Textbestandteile zu behalten.
  • Versionenschreiber:innen können besser zu einem Ende des Überarbeitens kommen, wenn sie das Ziel des Schreibens möglichst klar formulieren.

Zum anderen hilft die Kenntnis von Schreibtypen dabei, das eigene Schreiben bestimmten Situationen anzupassen. Fällt der Einstieg in die Textproduktion schwer, kann das Patchworken dabei helfen, mit kleinen Schritten einen Anfang zu machen und die Versionen-Strategie kann gerade bei kurzen Texten eine gute Textqualität sichern, ohne dass das Überarbeiten ausufert. Es kann sich also lohnen, eine andere Schreibstrategie zu testen, wenn die vertrauten Strategien nicht recht zum Ziel führen. So kann die Reflektion über das eigene Schreiben dabei helfen, den Druck zu nehmen, wenn es mal an einem bestimmten Punkt nicht weitergehen sollte.

Die SchreibZeit bietet die Möglichkeit, über den eigenen Schreibtyp zu reflektieren und schafft ei-nen Raum, um mit Schreibtypen und Schreibstrategien zu experimentieren.


Team und Kontakt


Das SchreibZeit-Team besteht aktuell aus fünf Personen aus den wissenschaftlichen Diensten bzw. aus dem Bibliotheksreferendariat. Wir kennen die Höhen und Tiefen von Schreibprojekten gut aus eigener Erfahrung und freuen uns jederzeit über Fragen oder Ideen an Dr. Christina Schmitz.