Handschriften und Historische Drucke
Inkunabeln – die Wiege des Buchdrucks
Mit der Erfindung des Buchdrucks durch Johannes Gutenberg um 1450 begann eine Medienrevolution. Sie ermöglichte erstmals die massenhafte, vergleichsweise schnelle und kostengünstige Verbreitung von Wissen und veränderte damit Bildung, Wissenschaft und Gesellschaft grundlegend. Die frühesten gedruckten Werke dieser Zeit nennt man Inkunabeln oder Wiegendrucke. Der Begriff leitet sich vom lateinischen incunabula („Wiege“) ab und verweist auf die Anfänge des Buchdrucks. Gemeint sind alle Drucke, die vor dem 1. Januar 1501 entstanden sind. Diese Bücher markieren den Übergang von handgeschriebenen Manuskripten zu gedrucktem Wissen. Sie zeigen eindrucksvoll, wie sich Texte erstmals schnell verbreiten konnten. Heute gelten Inkunabeln als einzigartige Zeugnisse der Kultur- und Mediengeschichte.
Inkunabeln in der Staatsbibliothek zu Berlin entdecken
Die Staatsbibliothek zu Berlin besitzt eine äußerst bedeutende Inkunabelsammlungen. Rund 4.500 Bände und 150 Einblattdrucke sind hier erhalten geblieben – trotz großer Verluste im Zweiten Weltkrieg. Sie können die Werke im Lesesaal Vivarium im Haus Unter den Linden einsehen. Dort steht Ihnen auch eine umfangreiche Spezialbibliothek zur Verfügung. Viele Inkunabeln sind bereits digitalisiert und online frei zugänglich. Mehr als 1.200 Titel können Sie bequem von überall aus entdecken. Ein besonderes Highlight ist die digitalisierte Gutenberg-Bibel, die Sie virtuell durchblättern können.
Forschung: Der Gesamtkatalog der Wiegendrucke
Die Staatsbibliothek ist nicht nur ein Ort der Aufbewahrung, sondern auch ein Zentrum der Forschung zum frühen Buchdruck. Seit 1904 erarbeitet sie den „Gesamtkatalog der Wiegendrucke“ (GW). Dieses internationale bibliographische Verzeichnis erfasst alle weltweit noch vorhandenen Inkunabeln. Der Katalog umfasst heute mehr als 30.000 Ausgaben in über einer halben Million Exemplaren und wird kontinuierlich erweitert. Als Ergänzung stellt die Staatsbibliothek seit 2013 mit dem „Typenrepertorium der Wiegendrucke“ (TW) ein wichtiges Hilfsmittel zur typographischen Analyse von Inkunabeln zur Verfügung. Forschende in aller Welt nutzen diese Datenbanken als zentrale Referenzen für die Geschichte des frühen Buchdrucks. Die Bibliothek leistet damit einen entscheidenden Beitrag zur globalen Erschließung und Erforschung dieses kulturellen Erbes.
