Musik

Felix Mendelssohn Bartholdy (1809–1847) W

Ebenso wie die ältere Schwester Fanny legte das zweite Kind von Abraham und Lea Mendelssohn Bartholdy schon früh ein außergewöhnliches musikalisches Talent an den Tag. Zusammen erhielten Felix und Fanny unter anderem Klavierunterricht durch den Berliner Pianisten Ludwig Berger und ab 1819 Unterricht in Komposition und Musiktheorie bei Carl Friedrich Zelter, dem Direktor der Sing-Akademie zu Berlin.

Unter Zelters Obhut eignete sich Felix früh auch die großen musikalischen Formen an: Bereits 1820 komponierte er als Elfjähriger sein erstes Singspielfragment, 1821 die ersten Streichersinfonien und noch ein Jahr später die ersten Konzerte für Soloinstrumente und Orchester. Viele dieser Jugendwerke wurden bei halböffentlichen »Sonntagsmusiken« im Hause der Eltern einem größeren Publikum vorgestellt. Mitte der 1820er Jahre schrieb der jugendliche Komponist dann mit dem Oktett für Streicher Es-Dur und der Ouvertüre zu Shakespeares Sommernachtstraum die ersten Meisterwerke. Die epochale Wiederaufführung von Johann Sebastian Bachs Matthäus-Passion im März 1829 mit der Sing-Akademie markiert den Schlusspunkt der Berliner Jugend- und Lehrjahre.

Im April 1829 brach Felix zur ersten von insgesamt zehn Reisen nach England auf. Neben erfolgreichen Konzertauftritten in London unternahm er zusammen mit seinem Freund Karl Klingemann eine Reise nach Schottland, wo er zu seiner Hebriden-Ouvertüre und der Schottischen Sinfonie inspiriert wurde, deren Komposition freilich erst wesentlich später erfolgte. Ab Mai 1830 schloss sich eine mehr als zweijährige Kunst- und Bildungsreise an, die Mendelssohn unter anderem nach Italien und Frankreich führte und von der er im Sommer 1832 nach Berlin zurückkehrte.

Da Mendelssohns Bewerbung um die Nachfolge des mittlerweile verstorbenen Zelter als Direktor der Sing-Akademie Anfang 1833 nach etlichen Querelen und Intrigen scheiterte, übernahm er an Pfingsten 1833 die Leitung des Niederrheinischen Musikfestes in Düsseldorf und im Herbst desselben Jahres ebenda das Amt des Städtischen Musikdirektors. Im Herbst 1835 wechselte Mendelssohn als Gewandhauskapellmeister nach Leipzig, das bis zu seinem frühen Tod sein Lebens- und Schaffensmittelpunkt werden sollte. Unter seiner Leitung entwickelte sich das Gewandhausorchester rasch zu einem der führenden Klangkörper Europas. Auch die Gründung des »Conservatoriums der Musik zu Leipzig«, das im April 1843 seine Pforten öffnete, ging maßgeblich auf Mendelssohns Initiative zurück.

Im Frühjahr 1837 heiratete der Komponist die Frankfurter Pastorentochter Cécile Jeanrenaud (1817–1853), die er im Jahr zuvor anlässlich einer dortigen Dirigierverpflichtung kennen gelernt hatte. Das Ehepaar hatte fünf Kinder, von denen allerdings der 1843 geborene Sohn Felix im Alter von nur acht Jahren verstarb.

Anfang der 1840er Jahre bemühte sich der preußische König Friedrich Wilhelm IV., Mendelssohn nach Berlin zu ziehen. Dessen beiden Berliner Intermezzi in den Jahren 1841/42 und 1843/44 endeten aber jeweils damit, dass der Komponist nach einigen Monaten, genervt von Kompetenzstreitereien, künstlerischen Differenzen und dem wenig inspirierenden kulturellen Umfeld, die preußische Hauptstadt wieder verließ und nach Leipzig zurückkehrte.

Im Mai 1847 erlitt Mendelssohn auf die Nachricht vom Tod seiner Schwester Fanny hin einen Nervenzusammenbruch. Eine ausgedehnte Reise durch die Schweiz im Sommer brachte nur vorübergehende Besserung und Entspannung.
Am 4. November 1847 starb er im Alter von 38 Jahren, vermutlich wie seine Schwester an den Folgen eines Schlaganfalls.

Die umfassende Ausbildung, die Felix und seinen Geschwistern neben dem Musikunterricht zu Teil wurde, umfasste neben Mathematik, Geschichte sowie alten und neuen Sprachen auch Turnen, Schwimmen und Zeichnen. Auf seinen Reisen führte Mendelssohn häufig ein Skizzenbuch mit sich, in dem er Landschaftseindrücke und Sehenswürdigkeiten in mehr oder weniger ausgearbeiteten Zeichnungen festhielt, die eine für einen Dilettanten erstaunliche Fertigkeit erkennen lassen. Gleiches gilt für die rund 80 Aquarelle, die von Mendelssohn erhalten sind und die teils ebenfalls vor Ort, teils aber auch erst später am heimischen Schreibtisch nach vor Ort gezeichneten Vorlagen entstanden.


Quellen zu Felix Mendelssohn Bartholdy in der SBB

Bereits im Jahr 1878 stifteten die Erben Felix Mendelssohn Bartholdys dessen kompositorischen Nachlass der Königlichen Bibliothek zu Berlin. Im Gegenzug verpflichtete sich der preußische Staat, ein jährliches Stipendium zur Ausbildung junger talentierter Musiker auszuschreiben. Dieses Mendelssohn-Stipendium bestand zunächst bis 1933, wurde in den frühen 1960er Jahren in veränderter Form als Felix Mendelssohn-Bartholdy-Preis wiederbelebt und wird bis heute – nunmehr als Felix Mendelssohn Bartholdy Hochschulwettbewerb – jährlich vergeben.

Durch diese Schenkung kamen seinerzeit über 50 Bände mit den Autographen mehrerer hundert Werke in die Obhut der Bibliothek; infolge kriegsbedingter Verlagerungen befinden sich allerdings heute 17 dieser Bände in der Biblioteka Jagiellonska in Krakau (Polen). In der Nachkriegszeit gelangten mit dem 1964 von Mendelssohns Urenkel Hugo von Mendelssohn-Bartholdy gestifteten Mendelssohn-Archiv sowie mit diversen Ankäufen auf dem Antiquariatsmarkt zahlreiche weitere Notenautographen des Komponisten in die Staatsbibliothek, die somit heute die weltweit größte Sammlung von Originalmanuskripten Felix Mendelssohn Bartholdys ihr Eigen nennen darf. Alle diese Quellen sind in der Datenbank RISM nachgewiesen und zu erheblichen Teilen auch bereits digitalisiert und online zugänglich.

Daneben besitzt die Staatsbibliothek zu Berlin rund 1000 eigenhändige Briefe des Komponisten an unterschiedlichste Adressaten, etliche Zeichnungen und Aquarelle (einschließlich der 13 Schweizer Ansichten aus seinem letzten Lebensjahr) und nicht zuletzt eine umfassende Sammlung von Erstausgaben und modernen Editionen seiner Werke.

Eine weitere bedeutende Sammlung von Notenmanuskripten, Briefen und Bildmaterialien von, an und über Felix Mendelssohn Bartholdy wird in der Bodleian Library in Oxford verwahrt. Zu dieser Sammlung gehören unter anderem die sog. „Green books“ mit dem Großteil der an Felix Mendelssohn Bartholdy gerichteten Briefe, die dieser in chronologischer Folge in Briefbänden zusammenfasste, sowie zahlreiche Zeichenbücher Mendelssohns.

Bestände / Nachlässe (in Auswahl)

Werke, Briefe und Dokumente

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